Grosshöchstetten - Parteien und Personalnöte

Kurztext:Am 29. Oktober wählt Grosshöchstetten einen neuen Gemeinderat. Mehrere Parteien treten mit einem Rumpfkader an, die BDP verzichtet gar ganz auf einen Wahlkampf.

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Schon gewählt: Christine Hofer, EVP, zukünftige Gemeindepräsidentin. (Bilder: zvg)

Grosshöchstetten stellt Ende Monat eine neue Exekutive zusammen, und seit Dienstag ist klar, welche Auswahl das Dorf dabei hat. Um die 6 freien Sitze balgen sich 5 Parteien, 18 Milizpolitiker, 8 Frauen, 10 Männer. Allerdings schaffte es keine der Parteien, auf ihre 6 Listenplätze 6 verschiedene Namen zu schreiben. Die BDP, immerhin die Partei des scheidenden Gemeindepräsidenten Hanspeter Heierli, tritt gar nicht erst an. Wer sich bei den Parteien umhört, kriegt folgendes Echo: Kaum jemand will, kann, darf.

«Wer will das heute schon?»

Beispiel SVP: Die Volkspartei schickt gerade mal 2 Personen ins Rennen. Den bisherigen Markus Weber sowie Reto Schürch.Hinter den beiden bleibt die Liste leer. Mut zur Lücke? Nicht wirklich. Parteipräsident Werner Fankhauser gibt unumwunden zu: «Hou, es war sehr schwierig.» Die Situation sei nicht gerade erfreulich, selbstverständlich wäre man gerne mit einer vollen Liste «gegangen». Das Problem ist laut Fankhauser die zeitliche Belastung, die mit einem Exekutivamt verbunden ist. «Viele Arbeitgeber sind heute nicht mehr bereit, den Leuten die nötige Zeit für ein Milizamt zur Verfügung zu stellen.» Und: «Wer will heute schon ein 20-Prozent-Pensum in seiner Freizeit wahrnehmen?»

Nachwuchssorgen auch bei den Genossinnen und Genossen, die ebenfalls nur mit einem Zweierticket in den Wahlkampf ziehen. Karin Berger und Lirija Sejdi sollen die SP nach Jahren der Abwesenheit zurück in den Gemeinderat bringen. Im Umfeld der Partei war zu vernehmen, man müsse sich zunehmend nach der Decke strecken. Eine Aussage, die SP-Präsidentin Susi Berger zu relativieren versucht: «Wir haben zwei gute Kandidatinnen, und mit diesen treten wir an.» Die SP stelle nicht irgendwen auf. Die Qualität der Kandidierenden müsse – trotz Personalnot – passen.

SP und SVP sind mit ihren Personalnöten keineswegs allein. Selbst die EVP, die derzeit stärkste Kraft im Gemeinderat, hat ihre Liste nicht vollgekriegt. 5 Kandidierende schicken sich an, 3 Sitze zu verteidigen, darunter der bisherige Raymond Beutler. Fest steht hingegen bereits, dass die Partei künftig wieder das Gemeindepräsidium besetzt: Christine Hofer übernimmt das Amt ab Januar 2018 (die BZ berichtete).

Die BDP meldet sich ab

Mit 5 Leuten und einer Bisherigen (Annamarie Dick) tritt auch die FDP an. Komplettiert wird das Feld durch die Freie Wählergruppe Grosshöchstetten (FWG) und ihre 4 Kandidierenden. Mit Magnus Furrer könnten auch die Freien Wähler vom Freiwilligenbonus profitieren. Die grosse Abwesende im Höchstetter Wahlkampf ist, wie erwähnt, die BDP. «Schweren Herzens verzichtet die BDP», sagt der scheidende Gemeindepräsident und BDPMann Hanspeter Heierli. Seine – wenig überraschende – Begründung: «Es ist zunehmend schwer, qualifiziertes Personal zu finden, das auch die für ein solches Amt notwendige Zeit aufbringen kann.»

Kandidierende Gemeinderat:

EVP: Raymond Beutler (bisher), Susanne Schwarz, Damaris Steiner, Susanne Hämmerli, Peter Glücki.

FDP: Annamarie Dick (bisher), Peter Däpp, Caroline Devaux, Heinz Hadorn, Beat Studer.

FWG: Magnus Furrer (bisher), Heinz Kähr, Beatrice Burkhalter, Thomas Siegrist.

SVP: Markus Weber (bisher), Reto Schürch.

SP: Karin Berger (bisher), Lirija Sejdi.

Schlosswil erhält aufgrund der Fusion mit Grosshöchstetten 2 fixe Sitze im Gemeinderat. Wer diese besetzt, entscheidet die Gemeindeversammlung im November.

Autor:Cedric Fröhlich, Berner Zeitung BZ

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  • Miriam Gurtner, Konolfingen vor 12 Tagen

    Lustiger Verschreiber: Die FWG starte mit dem "Freiwilligenbonus" statt "Bisherigenbonus".
    Nehme an, dass auch bei den anderen Parteien die Kandidaten frewillig ins Rennen steigen Lächeln

    Aber leider ist die Problematik, dass es zunehmend schwieriger wird, Leute für ein solches Amt zu gewinnen, weniger lustig und in den meisten Gemeinden anzutreffen.
    Dies zeigt sich nicht nur für die Gemeinderatswahlen sondern auch schon für die kommenden Grossratswahlen 2018.

    Herzlichen Dank an alle, die sich politisch engagieren und dazu beitragen, unser Milizsystem zu erhalten!