Rüttihubelbad - Geld vor Seele

Kurztext:Die Emmentaler Liebhaberbühne zeigt Gotthelfs «Geld und Geist». Bei der Premiere im Rüttihubelbad wird klar: Liebe und Geldgier waren auch schon 1844 eine explosive Kombination.

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Schwer verliebt: Annemareili (Sandra Rentsch) und Resli (Bendicht Eggimann) habens nicht leicht. (Bild: zvg/Patrick Pfeiffer)
Nur das Geld sei den Eltern wichtig, ihre Seele sei ihnen egal, sagt Annemareili (Sandra Rentsch) zu Resli (Bendicht Eggimann). Resli vom Liebiwil-Hof hält um ihre Hand an, aber dem jungen Paar werden Steine in den Weg gelegt.


Annemareili ist die Tochter des geldgierigen Dorngrüt-Bauern (Dominik Müller), der sie des Geldes wegen an einen reichen Witwer verschachern will. Die Emmentaler Liebhaberbühne hat Jeremias Gotthelfs «Geld und Geist» schon 1990 aufgeführt, damals unter der Regie von Rudolf Stalder. Seine Mundartfassung dient als Grundlage für die neue Inszenierung von Ulrich Eggimann.

Gefühlsstarke Handlung

Die Produktion überzeugt mit Schauspielern, die ihre Rollen ­offensichtlich leben. Bemerkenswert ist etwa die schroffe Darstellung des Dorngrüt-Bauern (Dominik Müller) oder die Glaubwürdigkeit, mit der Annemareili sich mal dem Schicksal fügt, mal aufbegehrt. Nicht zuletzt machen die detailreichen Kostüme und die musikalische Untermalung durch Handorgelklänge das 19. Jahrhundert erlebbar.

Die gefühlsstarke Handlung spielt am schlichten Holztisch, auf einem Schemel, rund ums Bett. Beim Szenenwechsel zu den beiden Hauptschauplätzen Liebiwil und Dorngrüt wird jeweils ein stilisiertes Bauernhofbild auf eine Leinwand projiziert. Liebiwil, offen und freundlich gezeichnet, steht dem dunklen Dorngrüt-Hof gegenüber.

Gotthelfs Gut und Böse

Gespielt wird vor allem der zweite Teil von Gotthelfs Roman, die Liebesgeschichte um Res und ­Annemareili. Im Roman versöhnen sich zuvor der Liebiwil-Bauer Christen (Hans Rudolf Kummer) und seine Frau Änneli (Antonia Flury). Wegen eines Zerwürfnisses über den Umgang mit Geld – Christen hatte 5000 Franken verspekuliert – hing der Haussegen auf Liebiwil schief.

Diese Vorgeschichte findet im Theater als filmische Rückblende statt. Die Konzentration auf Reslis und Annemareilis Geschichte ermöglicht es, Gotthelfs Darstellung von Gut und Böse auszuarbeiten. Auf Dorngrüt geht es ruppig zu und her. Gegenüber seiner Frau (Franziska Oppliger) schlägt Bauer Grütler den Kommandoton an, seine Forderungen an Resli für die Heirat mit seiner Tochter spricht er listig, fast bedrohlich.

Sein struppiger Bart und die zerzauste Frisur seiner Frau runden das verruchte Bild ab. Einzig Tochter Annemareili grenzt sich durch ihre Sprache und ihr bürgerliches Aussehen – sie trägt eine schön geflochtene Zopffrisur – von ihren Eltern ab. Auf Liebiwil weht indes ein anderer Wind. Da wird einander zugelächelt, geholfen und sich ge­achtet.

Humorvolle Note

«Geld und Geist» ist aber kein bierernstes Stück aus einer vergangenen Welt. Die Emmentaler Liebhaberbühne versteht es, Gotthelfs strengem Roman eine humorvolle Note abzugewinnen. Etwa wenn der aufgeweckt-naive Hansueli beim Liebiwil-Bauern einen gigantischen Redeschwall vom Stapel lässt, als er um die Hand seiner Tochter anhält.

Da bricht im Saal herzhaftes Gelächter aus. «Was du nid seisch!» antwortet der Bauer und muss selber grinsen. Den Saal verlässt man nicht nur gut unterhalten von einem ehrlichen und unterhaltsamen, gut gespielten Theaterstück, sondern auch nachdenklich.

In den 175 Jahren seit Gotthelfs Federschwung blieb eines ähnlich: Auch heute gehts bei der Heirat nicht selten um Geld. Heute ist die Partnerwahl aber selbstbestimmt – würde man meinen, wären nicht die Meldungen über mehrere Hundert Zwangsehen jährlich. Und zwar in der Schweiz.

Vorstellungen: bis 4. 2., Rüttihubelbad, Walkringen. Tickets: www.elb.ch.

[i] Siehe auch “Rüttihubelbad: Die Emmentaler Liebhaberbühne spielt Gotthelfs 'Geld und Geist' in Mundart“ vom 03.11.2017

Autor:Bettina Gafner, Berner Zeitung BZ

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