Oberdiessbach - Bereit fürs Jubeljahr

Kurztext:Nächstes Jahr stehen gleich zwei Jubiläen an im Dorf: 800 Jahre Gemeinde und 350 Jahre Schloss. Anstatt «nur» ein Dorffest durchzuführen, feiert Oberdiessbach gleich ein ganzes Jahr lang.

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Oberdiessbach (fotografiert Ende Oktober) feiert nächstes Jahr das 800-jährige Bestehen des Dorfes und das 350-jährige des Schlosses.(Foto: Patric Spahni / Thuner Tagblatt)

2018 wird in Oberdiessbach gefeiert. Die Gemeinde blickt auf 800 Jahre Geschichte zurück, die Schlossbesitzer auf 350 Jahre des Bestehens und Gedeihens ihres neuen Anwesens (vgl. Kästen). Wo andere Dörfer ein Wochenende lang ein schönes Dorffest auf die Beine stellen, geht Oberdiessbach – man könnte fast sagen, wieder einmal – andere Wege. «Die ersten Ideen für die Jubiläumsfestivitäten wurden im Frühling 2016 gewälzt», sagt David Guggisberg. Der Vertreter des Turnvereins präsidiert das fünfköpfige Kern-OK der Jubiläumsfeierlichkeiten; neben ihm bilden Anton Rothen als Vertreter des Fussballklubs, Hanspeter Schmutz als Vertreter der Gemeinde, Schlossherr Sigmund von Wattenwyl und Gemeindeschreiber Oliver Zbinden das Organisationskomitee; zum erweiterten Kreis gehören Manuel Freitag vom Tennisklub, Therese Friedli und Daniel Meister für die Kirchgemeinde, Gemeindepräsident Hans Rudolf Vogt und Astrid Wallner vom Verein Zäme für Oberdiessbach.

120 Ideen

Bald habe sich gezeigt, dass im Jubiläumsjahr mehr stattfinden solle als das erwähnte schöne Dorffest, sagt Guggisberg. «In einem ersten Brainstorming-Treffen trugen wir gegen 120 Ideen für Projekte und Anlässe zusammen», erinnert er sich. «Bald zeigte sich, dass der Organisations- und Koordinationsaufwand beträchtlich sein wird.» Deshalb sei der Entschluss gefasst worden, ein Kern-OK zu bilden, das sich primär um administrative Belange, Promotion sowie die Finanzierung der Festivitäten kümmert, während die Verantwortung für die effektive Durchführung einzelner Anlässe oder Projekte bei den verschiedenen Organisationen im Dorf liegt.

So kommt es, dass die Festivitäten in drei Teile gegliedert sind: Zum einen sind da die «besonderen Anlässe, Veranstaltungen und Projekte» während des ganzen Jahres, wie es im Konzept heisst. «Dem OK war von Anfang an wichtig, dass die Vereine nicht einfach ihre traditionellen Anlässe unter das Patronat der Jubiläumsfeiern stellen», sagt David Guggisberg. «Wir stellten die Bedingung, dass ein Projekt speziell für das Jubiläum angepasst werden muss und dass Vereine zusammenarbeiten.» Der Gedanke dahinter ist klar: Das Miteinander im Dorf pflegen und fördern. Am Ende blieben von den 120 Ideen rund 40 Projekte, die nun nächstes Jahr realisiert werden; Details werden im Dezember verraten, wenn der Start in Festjahr 2018 mit einer Pressekonferenz verkündet wird.

Trotzdem: Ein Dorffest

Den zweiten Teil des Jubiläumskonzepts bildet das schöne Dorffest, das neben allen Spezialitäten auch in Oberdiessbach nicht fehlen darf. Es findet von 31. August bis 2. September statt und bietet ein breites Unterhaltungsprogramm. Den dritten Teil bilden eine ganze Reihe spezieller, insbesondere kultureller Anlässe rund um das Schloss.

Spendenaktion läuft

Finanziert wird ein guter Teil des Budgets, das sich auf rund eine Viertelmillion Franken beläuft, von der Gemeinde. So hat der Gemeinderat bereits Ende Mai dieses Jahres 123 000 Franken zugunsten der Festivitäten gesprochen. «Wir sind aber angehalten, weitere Mittel via Sponsoring zu generieren», sagt David Guggisberg, «sodass der Beitrag aus der Gemeindekasse am Ende so klein wie möglich ausfällt.»

Neben Beiträgen von Gemeinde und Sponsoren sollen Verkäufe von Tickets für Veranstaltungen oder dem Jubiläumskalender mithelfen, dass die Veranstalter auch nach Abschluss des Jubiläumsjahres in Feierlaune sind und nicht wegen des lieben Geldes in Katerstimmung geraten. Zudem hat das OK eine Spendenaktion unter dem Motto «800 Rappen» initiiert, bei der alle aufgerufen sind, sich mit einem Beitrag zu beteiligen.

www.diessbach2018.ch

DAS DORF

800 Jahre Einwohnergemeinde
 

Die erste Kunde vom «Hof» (curia) Diessbach stammt aus einem Ehevertrag vom 1. Juni 1218. Darin bildet der Hof Diessbach einen Bestandteil der kyburgischen Ehesteuer, den Graf Ulrich von Kyburg für seinen Sohn Hartmann IV. an Graf Thomas I. von Savoyen zuhanden seiner Tochter Margaretha, der künftigen Gattin Hartmanns, versprach. Dieses älteste Diessbach bestand aus einem grossen Hof und dreizehn gewöhnlichen Bauernheimwesen. Bereits mahlte eine Mühle für die Bauern das Mehl für das tägliche Brot. Die Schreibweise Ober-Diesbach und Oberdiessbach wurde schon vor über 300 Jahren verwendet (1713 bezeugt), dann hiess es wieder Diesbach bey Thun oder Diessbach.
 

Mit Beginn des 20. Jahrhunderts hat sich die Bezeichnung Oberdiessbach durchgesetzt. Nicht zuletzt auch, um die Verwechslung mit der Seeländergemeinde Diessbach bei Büren zu vermeiden. pd

DAS SCHLOSS

350 Jahre neues Schloss

Das neue Schloss Oberdiessbach wurde in den Jahren 1666 bis 1668 durch Albrecht von Wattenwyl (1617–1671), Oberst in französischen Diensten unter König Ludwig XIV., erbaut. Der Landsitz gilt als einer der vornehmsten der französischen Spätrenaissance im Bernbiet. Er entstand neben dem nördlich gelegenen alten Schloss von 1546, das ein Jahrhundert lang den Herren von Diesbach als Stammsitz gedient hatte. Am Bau des Schlosses, welches unverändert geblieben ist, war der Neuenburger «maistre architecte» Jonas Favre beteiligt. Der Bau repräsentiert in seiner Grundrissanlage einen besonderen Typus: Jedes Stockwerk ist durch das monumentale Treppenhaus in zwei Flügel getrennt. Das Äussere ist deutlich in drei Trakte gegliedert, wovon der mittlere, das Treppenhaus, die Verbindung mit den zwei anderen herstellt.

Quelle: «Oberdiessbach, Die Geschichte eines Dorfes» von Niklaus Vogel, 1960.

Autor:Marco Zysset, Thuner Tagblatt

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