Oberdiessbach - Ein Dorf macht sich fit

Kurztext:Viele Köche verderben den Brei – nicht so in Oberdiessbach: Für den neuen Fitnessparcours legten unzählige Leute Hand an.

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Sie sind die treibenden Kräfte hinter dem Fitnessparcours (v. l.): Nathalie Guggisberg, Andrea Neuenschwander, Eugen Baltisberger und Anna Schneider. (Foto: Christoph Gerber)

Eigentlich würde man die Berge sehen. Eigentlich – denn dicke Wolken drängen sich davor, zwingen den Blick, in der Nähe zu ruhen. Doch auch die lässt sich sehen: grüne Wiesen ohne Ende und ein Schloss. Nein, hier läuft kein Heimatfilm, sondern ab dem Ostermontag die Bevölkerung von Oberdiessbach. Oder besser gesagt: Sie macht Liegestützen.

Am Posten Nummer drei des Fitnessparcours oberhalb des Schlosses steht eine Parkbank, daneben eine Tafel mit Foto und Text, die erklären, wie man die Liegestütze an der Banklehne richtig ausführt. «Wir wählten einfache Übungen, die alle Leute ausführen können», erklärt Andrea Neuenschwander, Präsidentin des Turnvereins Oberdiessbach. Einfach sollte auch das Material sein: «Krafttraining klappt auch ohne Maschinen, wie sie im Fitnessstudio stehen. Bäume, Steine, Bänke und Treppen erfüllen auf dem Parcours diesen Zweck.»

Treibende Kraft

Andrea Neuenschwander war die treibende Kraft im Turnverein, als die Gemeinde Oberdiessbach vor zwei Jahren ihre Vereine aufforderte, der Gemeinde zu ihrem 800-Jahr-Jubiläum ein Geschenk zu machen. Rasch war man sich im Turnverein einig, einen Fitnessparcours aufzubauen. Andrea Neuenschwander scharte ein kleines Team um sich, das die 5,5 Kilometer lange Strecke und Übungen für die 16 Posten festlegte und Sponsoren suchte.

Neuenschwander selber schrieb Briefe an die Eigentümer jener Grundstücke, auf denen ein Posten oder Wegweiser steht, bat um ihre Erlaubnis: «Niemand stellte sich quer, das freute mich sehr.» Überhaupt schätze sie, wie viele Leute aus Oberdiessbach sich für den Fitnessparcours einsetzen: Der Sanitärbetrieb stellte Rohre zur Verfügung, die mit Sand gefüllt werden und als Hanteln dienen. Die Firma für Bauelemente stiftete Betonklötze, die als Stepper fungieren. «Man kennt sich im Dorf und hilft einander. Das ist toll.»

Alle packten an

«Handglismet» nennt Andrea Neuenschwander den Fitness-Parcours und zielt damit nicht nur auf die simple Ausstattung der Posten, sondern auch auf die vielen Helferinnen und Helfer. Etwa jene Leute der Männerriege, der Seniorenturner, der Damenriege und des Turnvereins, welche den Parcours im Schuss halten. Oder die beiden Mütter, die Kinder der Leichtathletikjugend fotografierten, als diese für die Bilder auf den Postentafeln Modell standen. «Dank den Freiwilligen können wir die Kosten für den Parcours tief halten», sagt Neuenschwander. Sie schätzt, dass das Projekt rund 2400 Franken kosten werde, wovon der Turnverein 2000 Franken zahlt, den Rest übernehmen Sponsoren.

Bis zum 28. Oktober ist der Parcours jeden Tag in seiner vollen Länge offen. Einzige Ausnahme bilden der Mittwochabend und einige Samstage bei Schiessbetrieb im Schützenhaus. Dann steht der Parcours in der verkürzten Version zur Verfügung.

Autor:Flavia von Gunten, Thuner Tagblatt

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