Mögliche Fusionsgespräche rund um Oberdiessbach: Gemeinden tun sich schwer

Kurztext:Oberdiessbach wäre bereit, im Rahmen der Fusionsgespräche mit Bleiken mit weiteren Gemeinden abzuklären, ob eine Fusion sinnvoll wäre oder nicht. Die Idee stösst in Brenzikofen, Oppligen und Herbligen auf wenig Gegenliebe.

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Blick von Oberdiessbach (im Vordergrund die alte Ziegelei) in Richtung Kiesental mit dem Oppligenbergli links und den Gemeinden Brenzikofen, Oppligen und Herbligen. (Bild: Roger Probst)
«Erst die Feuerwehr, dann alles?», titelte das Thuner Tagblatt am 18. September – und stiess damit offensichtlich verschiedene Bürger und Politiker von Herbligen, Brenzikofen und Oppligen vor den Kopf. «Wir haben mit Erstaunen von diesem Artikel Kenntnis genommen», sagt Oppligens Gemeindepräsident Christian Tschanz. Sein Brenzikofner Amtskollege sagt gar, er sei «empört» gewesen. Einzig Herbligens Gemeindepräsident Samuel Zwahlen sagt, vom Fusionsgedanken sei er «nicht überrascht» gewesen. «Dass aber eine so grundsätzliche Anfrage über die Tageszeitung transportiert wird, hat mich doch erstaunt.»

Worum gehts? Das Bleikner Stimmvolk hat den Gemeinderat beauftragt, mit Oberdiessbach Gespräche zu Fusionsabklärungen aufzunehmen (wir haben berichtet). Darauf liess die Gemeinde Oberdiessbach verlauten, sie würde solche Gespräche gerne gleich mit weiteren Gemeinden führen, welche vielleicht in den nächsten Jahren an einer Fusion interessiert sein könnten.

Auslöser für das Vorgehen waren laut Oberdiessbachs Gemeindepräsident Hans Rudolf Vogt organisatorische Überlegungen: «Die Umsetzung der Fusion zwischen Aeschlen und Oberdiessbach war noch im Gang, als mit Bleiken die nächste Gemeinde an die Fusionstür klopfte.» Nun möchte Oberdiessbach verhindern, dass unmittelbar nach Abschluss einer allfälligen Fusion mit Bleiken gleich wieder ein Zusammenschluss ins Haus stehen würde. «Gebündelte Fusionsabklärungen könnten allenfalls bei allen Beteiligten Ressourcen sparen», sagte Vogt im September.

Brief an die Gemeinden

Offensichtlich fühlten sich aber Politiker von Brenzikofen, Herbligen und Oppligen von diesem Vorgehen etwas überfahren. «Der Gemeinderat hat in der Folge Anfang Oktober einen Brief an die betroffenen Gemeinden geschrieben», erklärt Vogt. Darin sei noch einmal aufgezeigt worden, dass Oberdiessbach niemanden zu einer Fusion drängen wolle und dass auch niemand vor den Kopf gestossen werden sollte. «Unser Angebot für Gespräche ist absolut unverbindlich», sagt Vogt – betont aber gleichzeitig: «Ich bin überzeugt, dass wir hier die einmalige Chance haben, gemeinsam Für und Wider eines allfälligen Zusammenschlusses vertieft und unvoreingenommen abzuklären.»

Oppligen: Keine Eile

«Uns brennt dieses Thema gar nicht unter den Nägeln», sagt Oppligens Gemeindepräsident Christian Tschanz. Trotzdem soll der Gemeinderat in einer Klausurtagung Ende Oktober seine Grundsatzhaltung definieren. «Damit wir künftig zu diesem Thema geschlossen nach aussen treten können», sagt Tschanz. Er betont, dass Oppligen derzeit eine attraktive Braut wäre, «ohne Schulden und mit einer Infrastruktur, die bestens in Schwung ist». Zu einer möglichen Fusion mit Oberdiessbach gibt Tschanz aber zu bedenken, dass Oppligen auch im Aaretal liege und etwa mit der Schule sowie Kirchgemeinde und Bestattungswesen eng mit Wichtrach verbandelt sei.

Herbligen: Absprache…

Für Samuel Zwahlen, Gemeindepräsident von Herbligen, ist das Oberdiessbacher Ansinnen nicht neu. «Wir haben gehört, dass die Gemeinde kein Interesse hat, sich die nächsten Jahre immer wieder neu mit Fusionen zu beschäftigen.» Die Schlagzeile in dieser Zeitung habe allerdings in der Bevölkerung schon «für einigen Wirbel» gesorgt. So sehe er persönlich keinen Grund, der dafür sprechen würde, rasch Gespräche mit Oberdiessbach aufzunehmen. «Kommt dazu, dass wir unser Vorgehen durch enge Zusammenarbeit mit Brenzikofen wohl mit dieser Nachbargemeinde besprechen würden», sagt Zwahlen.

…mit Brenzikofen

Dem pflichtet sein Brenzikofner Amtskollege Ernst Wüthrich bei. Er betont zudem: «Brenzikofen, Herbligen und Oppligen haben alle mehr als 500 Einwohner. Der Druck des Kantons auf eine Fusion ist deshalb bei uns nicht so gross, wie er in Aeschlen war oder in Bleiken ist.» Ob und wie der Gemeinderat auf das Oberdiessbacher Gesprächsangebot reagieren wird, weiss Wüthrich noch nicht. «Der Gemeinderat hat einmal den Grundsatzentscheid gefällt, die Eigenständigkeit der Gemeinde so lange wie möglich zu bewahren. Das gilt, bis der Rat sich anders entscheidet.»

Oberdiessbach: Abwarten

Trotz der Zurückhaltung rundum hat Hans Rudolf Vogt die Hoffnung noch nicht aufgegeben: «Wir sind offen für Gespräche unter den interessierten Gemeinden.» Er betont, dass «so oder so» Anfang 2011 mit den konkreten Abklärungen für die Fusion Bleiken−Oberdiessbach gestartet werden soll.

Autor:Marco Zysset / Thuner Tagblatt

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