Oberdiessbach - Gebrannte Elefanten scheuen das Feuer nicht

Kurztext:Die Tiere aus dem Atelier von Hansueli Nydegger könnten einem Bild entsprungen sein. Sie und andere seiner Werke sind derzeit in Lützelflüh zu bewundern.

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Hansueli Nydegger versteht es, Tiere naturgetreu nachzubilden. (Bild: Rebekka Schüpbach)
Eine Elefantenfamilie schaut gelassen vom Sockel herunter. In einer anderen Ecke schwimmen Fischschwärme umher und hier und da schiesst eine Morchel oder ein Steinpilz aus dem Boden. Wer in einem Töpferladen nur Tortenplatten und Krüge erwartet, wird bei Hansueli Nydegger eines besseren belehrt.

«Alles, was hier herumsteht, hat mit dem zu tun, was ich auch in der Freizeit gerne mache», erklärt Nydegger. «Ich liebe die Natur, gehe gerne Pilze sammeln und fischen.» Dass der 50-Jährige sehr genau beobachtet, spiegelt sich in seinen Werken wieder. Natürliche Bewegungen und unglaublich detailgetreue Oberflächen hauchen den Tieren Leben ein. «Je nach Grösse des Tieres arbeite ich bis zu einer Woche daran, die Brennzeit nicht eingerechnet», so Hansueli Nydegger.

Erste Figuren aus Lehm

Der Vater einer erwachsenen Tochter erinnert sich noch gut an die Anfänge. «Als Kinder haben wir es geliebt, Lehm aus dem Boden zu graben und daraus Figuren zu formen. Getrocknet und bemalt haben wir sie dann an Passanten verkauft.» Später absolvierte Hansueli Nydegger eine Töpferlehre und bildete sich im Laufe der Jahre stets weiter. Heute arbeitet der erfahrene Keramiker, wie der Beruf jetzt heisst, mit zehn verschiedenen Arten von Ton und klassischen, aber auch experimentellen Brenntechniken.

Eine davon ist der Raku-Brand mit japanischem Ursprung. Die vorgebrannte Figur wird je nach gewünschtem Effekt ganz oder teilweise glasiert, dann in einem speziellen Ofen auf 1000 Grad Celsius erhitzt und im Freien kurz abgekühlt. Durch die rasche Kühlung entstehen in der Glasur Risse. Einige Glasurarten fallen durch den Kälteschock gewollt ab.

In einem nächsten Schritt wird die immer noch heisse Figur in Holzspäne gebettet. Die brennenden Späne hinterlassen auf der unglasierten Figur und in den Rissen der Glasur eine Russschicht. Nach Abkühlung und Reinigung des Objekts treten auf den glasierten Flächen die Raku-typischen Krakeelen (Risse-Muster) hervor. Wo die Glasur fehlt, entstehen je nach Flammenverlauf, Temperatur und Abkühlungsgrad unterschiedliche grau-schwarz Schattierungen.

Die Arbeit macht den Preis

Hat Hansueli Nydegger früher auch Geschirr, Krüge und andere Töpferwaren hergestellt, sind es heute hauptsächlich Kunstobjekte. Diese verkauft er fast nur an Privatpersonen. «Ich habe eine treue Stammkundschaft», freut sich Nydegger. «An Ausstellungen kommen oft weitere Kunden hinzu.» Einige seien erstaunt über den Preis. Nicht erkannt werde häufig die stundenlange Feinstarbeit am Objekt, aber auch das Risiko von Schäden, die Ladenmiete, Amortisation der Geräte und anderes, das er einkalkulieren müsse, meint er. «Reich werde ich nicht, aber ich kann davon leben. Zudem liebe ich meine Arbeit.» 

Dass echte Leidenschaft in den Objekten steckt, sieht jeder, der eines dieser naturgetreuen Geschöpfe genau betrachtet. Es sind wahrhaftige Kunstwerke!

Hansueli Nydeggers Arbeiten sind bis am 22. Februar in der Kulturmühle Lützelflüh zu sehen. Die Öffnungszeiten sind jeweils freitags 18 bis 21 Uhr, samstags 14 bis 19 Uhr, und sonntags 11 bis 18 Uhr. Ebenfalls ausgestellt werden Bilder von Gabriela Gfeller-Woodtli.

Autor:Rebekka Schüpbach, Wochen-Zeitung

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