Oberdiessbach - Kleine Reisen in die Lokalgeschichte

Kurztext:Ehrfürchtiges Staunen im Buumehus bei der Vernissage zur Eröffnung der Dauerausstellung im ersten Stock: Das Dorfmuseum zeigt nun auch erstaunliche Kleinigkeiten aus dem Alltag vor 100 Jahren.

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Gemeinderat Christoph Joss und Cornelia Hochuli vom Kulturverein in der altehrwürdigen Küche vom Buumehus. (Bild: zvg)

Der Rücken des Dackels dient als Nadelkissen, im Kännchen mit langer, schmaler Tülle wurde wohl zerlassene Butter ausgeschenkt, und eine alte Zeitung steckt voller Annoncen, in denen Verdingkinder gesucht wurden.

Vier Zimmer und die Küche des Buumehus in Oberdiessbach wurden liebevoll mit alten Gegenständen ausstaffiert, die einst den Alltag begleiteten. Infoplakate informieren über Gewohnheiten vor 100 Jahren – ohne Waschmaschine oder Wasserklosett, mit der neuen Errungenschaft elektrisches Licht oder Liederbüchlein statt Plattenspieler.

Zur Erweiterung der bisherigen Dauerausstellung zum historischen Kramladen dankte Erika Locher, Präsidentin des Kulturvereins, an der Vernissage ihrem Team mit warmen Worten: «Viel Arbeit liegt hinter uns, und wir haben wieder wunderbare Dinge gefunden und in Szene gesetzt.» Das Herzstück stellt die Küche dar, in der die letzte Besitzerin Mathilde Baumann noch bis Anfang der 1990er-Jahre gekocht hat.

Ein eindrucksvoller Holzkochherd mit offenem Rauchabzug, Warmwasserschiff und eisernem Dampfkochtopf, der 150 Jahre auf dem Buckel hat, beeindruckt genauso wie die vielen alten Schüsseln aus Bauernkeramik in den Regalen. Elegant und gemütlich das Wohnzimmer mit rundem Tisch auf Entenkopffüssen, pittoreskem Buffet und frisch gestimmtem Jugendstilklavier. Zur Vernissage brachte es Pianist Ueli Kempter mit jazzigen Stücken zum Klingen.

Gemeinderat Christoph Joss dankte ebenfalls und erinnerte: «Als der Gemeinderat damals verhandelte, ob man das Buumehus-Erbe annehmen solle, gab es einige Stimmen, die Angst vor den Kosten hatten und dem Haus skeptisch gegenüberstanden. Inzwischen wird das Dorfmuseum mit viel Wohlwollen gesehen – es ist ein Kleinod geworden.»

Das Buumehus ist jeden ersten Sonntag im Monat von 16 bis 18 Uhr geöffnet. Führungen nach Vereinbarung. www. buumehus.ch

Autor:Christina Burghagen, Berner Zeitung BZ

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