Offene Ohren: Sprechstunde beim Gemeindepräsidenten

Kurztext:Die Gemeindepräsidenten von Münsingen, Oberdiessbach und Vechigen bieten regelmässig Sprechstunden an. Da geht es um gefährliche Verkehrssituationen, unglückliche Beziehungen und Parkbussen, die einfach nur wütend machen.

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Vechiger Gemeindepräsident Walter Schilt: "Engagiert Euch, stellt Euch zur Wahl! Dann könnt Ihr mitreden" (Bild: Archiv BERN-OST).
Verschiedene Gemeindepräsidenten der Region Bern-Ost nehmen sich regelmässig Zeit für persönliche Gespräche mit Einwohnerinnen und Einwohnern. Zum Beispiel Walter Schilt, Gemeindepräsident von Vechigen. "Manchmal kommt es mir vor, als würden die Leute den Frühling spüren", sagt er. "Anfang Jahr kamen jeweils nur ein, zwei Personen pro Sprechstunde, im April kamen sie dann im Halbstundentakt".

"Die Leute kommen lieber zu mir ins Geschäft"

Auch in Oberdiessbach bei Hans Rudolf Vogt sind die Sprechstunden zu fixen Zeiten. Allerdings werden sie eher spärlich genutzt. "Das liegt wohl daran, dass ich hier im Dorf ein Geschäft habe, wo ich fast immer anzutreffen bin", sagt er gegenüber BERN-OST. "Das scheint den Leuten besser zuzusagen. Obwohl wir in der Sprechstunde ungestörter wären."

Keine fixen Tage gibt es bei Beat Moser in Münsingen. Die ein, zwei Gespräche pro Woche finden nach Absprache statt, wenn es sein muss auch mal am späteren Abend.

Die Anliegen seien sehr vielfältig. Moser: "Da sind Unternehmer, die in Münsingen ein Geschäft eröffnen möchten, Leute, die wissen wollen, wie sie es anfangen müssen, wenn sie ein Haus bauen wollen, aber es kommen auch Fragen und Anregungen zu laufenden Bauprojekten oder zur Verkehrssituation."

"Stellt Euch zur Wahl! Dann könnt Ihr mitreden!"

Walter Schilt: "Bei häufig angesprochenen Themen, die eine breite Öffentlichkeit betreffen, etwa eine gefährliche Stelle im Strassenverkehr, überlegen wir dann schon, was wir ändern könnten. Manchmal sage ich den Leuten aber auch: 'Engagiert Euch, stellt Euch zur Wahl! Dann könnt Ihr mitreden.'" Zum Beispiel den Müttern, die damals zu viert an seinem Tisch sassen und sich über die räumliche Organisation der Kindergärten beschwerten. "Eine davon sitzt jetzt in der Bildungskommission. Das freut mich."

Auch mit ganz persönlichen Problemen werden die Gemeindepräsidenten immer wieder konfrontiert. "Das können Probleme mit der Schule sein, aber schon auch mal eine schwierige Situation zuhause, etwa in der Beziehung", erzählt Vogt. Er helfe, wo er könne, vermittle die Leute aber oft auch an eine Beratungsstelle weiter.

Anständiger als im Internet

Beat Moser freut besonders, dass die Gespräche immer anständig und konstruktiv verlaufen. "Es ist eine Freude, wie viel den Leuten an ihrer Gemeinde liegt und dass die Leute nie unflätig werden, wie das etwa auf anderen Plattformen, wie in Chats oder Online-Kommentaren, oft der Fall ist". Auch in Vechigen sind die Besucherinnen und Besucher in den Sprechstunden laut Walter Schilt immer anständig. "Es kann aber schon auch mal emotional werden", sagt Schilt. "Dass mir einer etwa wütend eine Parkbusse auf den Schreibtisch wirft." Was alle drei Gemeindepräsidenten schätzen, bringt Vogt auf den Punkt: "Man kommt ins Gespräch, auch mit Leuten, die man vorher vielleicht nicht kannte.

[i] Infos zu den Sprechstunden bei Walter Schilt in Vechigen und bei bei Hans Rudolf Vogt in Oberdiessbach. Für einen Termin bei Beat Moser in Münsingen kann man sich unter 031 724 51 20 oder bei beat.moser@muensingen.ch melden.

Autor:Anina Bundi, anina.bundi@bern-ost.ch

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