Gurnigel-Rennen: Der Coup im alten Wagen

Kurztext:Marcel Steiner hat beim Gurnigel-Bergrennen überraschend den zweiten Rang erreicht. Mit einem «nicht mehr konkurrenzfähigen» Auto war der Lokalmatador angetreten. Dabei hätte er zuerst einen anderen Wagen benutzen wollen.

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Der alte Martini: 18 Jahre alt ist der Sportwagen von Marcel Steiner, mit dem er am Gurnigel-Rennen den zweiten Platz holte. (Bild: Marcel Bieri)

Der 18-jährige Sportwagen glänzt. Die grossen Erfolge hat der Martini-BMW von Marcel Steiner längst hinter sich. Im Vergleich zur Konkurrenz steht das Fahrzeug in allen Bereichen schlecht da. Trotzdem hoffte Steiner bis zuletzt, an seinem Heimrennen auf dem Gurnigel einen Überraschungscoup zu landen. Am Sonntag konnte er diese Zielsetzung mit dem zweiten Platz mehr als erfüllen. «Das ist mehr, als zu erwarten gewesen war», sagte Steiner. Dabei hatten unerwartete Verhältnisse die Fahrer vor eine grosse Herausforderung gestellt.

Schwierige Bedingungen

Dadurch, dass es die ganze Nacht geregnet hatte, blieben die Strecken bis spät in den Nachmittag nass, die Waldstellen trockneten als Letztes. Mit Regen- oder mit normalen Pneus zu fahren, hätte das Rennen entscheiden können. Marcel Steiner entschied sich für Regenpneus; offenbar die richtige Entscheidung. «Die anderen haben mir, da ich früher an der Reihe war, in diesem Punkt ein bisschen abgeguckt», sagte er und konnte sich ein leichtes Lächeln kaum verkneifen. Die Strecke war unter diesen Bedingungen eine zusätzliche schwierige Aufgabe für die Fahrer: Jede Kurve war aufgrund der Nässe anders.

Das Gurnigel-Berg-Rennen gehört an und für sich mit einer Maximalgeschwindigkeit von etwa 250 Kilometern pro Stunde nicht zu den schnellsten Bergrennen, die es gibt, erfordert aber von Rennfahrern, sehr trickreich und mit der richtigen Abstimmung zu fahren. Nachdem Steiner sich im ersten Renndurchlauf auf dem dritten Rang platziert hatte, konnte er sich im alles entscheidenden zweiten Durchgang noch einmal steigern. Er erreichte mit dem alten Martini seine Bestzeit und rückte auf Rang 2 vor.

Im Hinterkopf des Oberdiessbachers ist aber noch ein anderes Auto: der neue Lobart.


Drei Autos für einen Fahrer

Schnittig, modern, schnell und schwarz. Aber noch nicht fahrbar. Marcel Steiners Lobart war als Ersatz gedacht für den im letzten Jahr abgegebenen Osella FA30. Mit dem Osella hatte Steiner in den Jahren 2010, 2011 und 2013 Streckenrekorde am Gurnigel aufgestellt. Als dann letztes Jahr der Sponsor, der das Auto zur Verfügung gestellt hatte, in eine finanzielle Notlage gelangte, musste Steiner das Gefährt zurückgeben.

Als Ersatz wurde, wie auch in diesem Jahr notfallmässig, der fast zwanzigjährige Martini sporadisch für das Heimrennen am Gurnigel verwendet. Das Auto ist nach dem heutigen Reglement zu schwer, hat nicht die neueste Aerodynamik und ist auch rein technisch gesehen nicht mehr konkurrenzfähig. Als Reaktion hatten Steiner und sein Team im Frühling ein Projekt ins Leben gerufen, welches unterstützt durch einen italienischen Hersteller den Bau des neuen Lobart vorsah. Die neue Sportskarre sieht gut aus, doch wird erst die Praxis zeigen, ob sie an die Leistungsstärke, die Leichtigkeit und die moderne Aerodynamik des Osellas anknüpfen kann.

So weit ist es frühstens Ende dieses Herbstes. «In puncto Sicherheit ist der Lobart dem Osella aber auf jeden Fall voraus», erklärte Steiner. Fahrbar ist der Lobart allerdings zurzeit wegen eines Lecks noch nicht. Aus unerklärlichen Gründen haben die frisch gekauften Kolben beim Motorenprüfstand nicht richtig funktioniert. Deshalb würde sich der Wagen zurzeit in der Werkstatt befinden. «Erst wenn ich ihn bei einem Roll-out testen kann, wird sich zeigen, wie betriebsfähig der Lobart wirklich ist», sagte Steiner.

Autor:Luca Ferrari

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