Linden - Hauchdünnes Ja zum Schul-Alleingang

Kurztext:Der Entscheid fiel denkbar knapp: Mit 107 Ja- gegen 102 Nein-Stimmen sprachen sich die Stimmberechtigen für eine eigene Sekundarschule im Dorf aus.

Der Saal im Restaurant Linde in Linden platzte am Mittwochabend aus allen Nähten. «Ich glaube, das ist ein Rekordaufmarsch», sagte Gemeindepräsident Thomas Baumann, als er die Gemeindeversammlung vor 210 Stimmbürgern (21,7 Prozent) eröffnete. Auf der Traktandenliste stand die vom Gemeinderat angedachte Einführung einer eigenen Sekundar- und Gesamtschule im Dorf und die damit verbundene Kündigung des Vertrages über die Zusammenarbeit der Sekundarschule mit Oberdiessbach.

Um es vorwegzunehmen: Der Entscheid fiel hauchdünn aus. In einer auf Antrag des Gemeinderates geheim durchgeführten Abstimmung sprachen sich 107 Bürger für die Kündigung des Vertrages aus, 102 Stimmberechtigte legten ein Nein ein. Damit wird die Gemeinde Linden ab August 2018 die Sekundarschule selber führen und den Zusammenarbeitsvertrag mit der Nachbargemeinde Oberdiessbach kündigen. Das Modell sieht vor, die Real- und Sekundarschüler der 7. bis 9. Klasse künftig in niveaubezogenen und durchlässigen Klassen im Dorf zu unterrichten. «Die Infrastruktur dazu ist vorhanden, wir können dies ohne weiteres umsetzen», erläuterte Christian Blum, Gemeinderat und Ressortleiter Bildung.

Rege Diskussion

Dem Entscheid ging eine rege Diskussion voraus. Zu Wort meldeten sich vorab Gegnerinnen und Gegner der Vorlage. «Wir haben keinen Handlungsbedarf und gemeinsam mit Oberdiessbach eine gute Schule», meinte eine Votantin. «Mit einem Alleingang schaffen wir zwei schwache Schulstandorte», wurde weiter argumentiert. Angezweifelt wurde auch das vom Gemeinderat geortete Sparpotenzial von rund 60'000 Franken. «Damit wir ein gewisses Angebot bieten können, sind bestimmt Investitionen nötig», hielt ein weiterer Redner fest. Deshalb gelte es den gemeinderätlichen Antrag abzulehnen. «Wenn wir diesen Schritt nicht wagen, schicken wir vermutlich in ein paar Jahren die ganze Oberstufe nach Oberdiessbach», mahnte ein Befürworter.

Schwarze Null

Mit einer schwarzen Null schliesst die Jahresrechnung 2015 der Gemeinde Linden ab. Dies bei einem Umsatz von 4,898 Millionen Franken. «Das ist besser als erwartet», hielt Gemeinderätin Sandra Walker fest, rechnete doch der Voranschlag noch mit einem Minus von 136'000 Franken. Zudem konnte die Gemeinde nebst den ordentlichen Abschreibungen von 341'600 Franken zusätzlich knapp 232'500 Franken abschreiben. Mehreinnahmen bei den Steuern, aber auch eine vorsichtige Ausgabenpolitik haben zum besseren Ergebnis beigetragen. Nebst der Rechnung wurde die Teilrevision des Reglements über die ständigen Kommissionen gutgeheissen. Zudem machen sich die Gemeindeverantwortlichen Gedanken rund um einen Regionswechsel. «Wir gehen davon aus, dass der Gemeinderat demnächst einen Antrag stellen wird, in die Region Thun zu wechseln», informierte Gemeindepräsident Thomas Baumann.

Autor:Stefan Kammermann, Thuner Tagblatt

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