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Triathlon - Dank Leistungssprung zum Höhepunkt

Quelle
Berner Zeitung BZ

Die EM-Silbermedaille mit dem Team in Glasgow hat bei Lisa Berger Lust auf mehr ausgelöst. Die 25-Jährige aus Grosshöchstetten möchte an die Olympischen Spiele 2020 in Tokio.

Und plötzlich hatte Lisa Berger eine Medaille um den Hals. Damit hatte sie eigentlich nicht gerechnet, als sie am Tag vor dem Teamwettkampf an die European Championships nach Glasgow gereist war. Sie war direkt vom Trainingslager in Frankreich nach Schottland geflogen. «Ich war am Freitagmittag angekommen, am Abend bei der Teambesprechung redeten plötzlich alle von einem möglichen Medaillengewinn. Ich dachte: Was? Wirklich?» 24 Stunden später war am 11. August die EM-Silbermedaille Tatsache. Lisa Berger hatte zusammen mit dem Emmentaler Andrea Salvisberg, Olympiasiegerin Nicola Spirig und Sylvain Fridelance nur dem Quartett aus Frankreich den Vortritt lassen müssen. «Die Medaille ist megacool und ganz bestimmt mein bisheriges Karrierehighlight», sagt Lisa Berger, die 2017 in Abwesenheit von Spirig Schweizer Meisterin geworden ist.

 

Die 25-Jährige aus Grosshöchstetten war infolge der Hüftverletzung von Jolanda Annen, der nationalen Nummer 2, ins Team gerutscht. «Die Anfrage kam unverhofft, ich hatte mich zuvor gar nie damit beschäftigt», erklärt sie. Weil sie aber in diesem Jahr einen beachtlichen Leistungssprung erbrachte, hatte sie sich den Platz im Schweizer Team erkämpft. «Dass es mir als Starterin trotzdem gelungen ist, den Anschluss an die Spitze zu halten, und ich als Sechste an Andrea Salvisberg übergeben konnte, macht mich glücklich.» Klar möchte Lisa Berger den Platz im Team gerne behalten, schliesslich ist der Teamwettkampf 2020 in Tokio erstmals olympisch. Und die Chancen für einen Startplatz der Schweiz sind intakt.

 

Trainerwechsel zahlt sich aus

Den Leistungssprung führt Lisa Berger auf den Trainerwechsel im vergangenen November zurück. «Weil sich die Trainingsgruppe in Bern auflöste, schloss ich mich dem Franzosen Pierre Pompili an», sagt sie. Deshalb trainiert sie nun öfter in Font Romeu auf 1800 Meter über Meer in den Pyrenäen, unweit der spanischen Grenze. «Unter Pompili habe ich im Laufen nun vermehrt an der Schnelligkeit gearbeitet, eine gute Ausdauer hatte ich schon während der letzten Jahre aufgebaut.» Auch in den beiden anderen Disziplinen Schwimmen und Radfahren konnte sie sich seither deutlich steigern. Dass sie sich so schnell derart verbessern kann, hat sie selber verblüfft. Schon der Start in die Saison warmit einem dritten Platz im Europacup in Spanien gelungen. Am Weltcup in Lausanne hatte ebenfalls über die olympische Distanz vor zwei Wochen Rang 20 resultiert. Jetzt startet Lisa Berger am Sonntag noch am Weltcup im tschechischen Karlsbad, dafür lässt sie die ursprünglich eingeplante Studenten-WM aus.

 

Bald Profistatus

Lisa Berger spielte früher Handball. «Meine Körpergrösse wurde da aber immer mehr zum Handicap», sagt die nur 1,57 Meter grosse Emmentalerin. Deshalb – aber auch, weil ihr Ehrgeiz grösser war als derjenige der Teammitglieder – suchte sie sich eine andere Sportart und landete nach Versuchen im Tennis und im Fussball schliesslich vor neun Jahren beim Triathlon. Nächstes Jahr wird sie an der Berner Fachhochschule das Bachelorstudium in Pflege vollständig abgeschlossen haben, dann wird sie noch mehr Zeit als die bis jetzt 25 Trainingsstunden pro Woche in den Sport investieren können. Primär bestreitet sie Wettkämpfe über die Sprint- und die olympische Kurzdistanz. Wie weit sie es bringen kann, weiss Lisa Berger nicht. «Das ist genau der Reiz: auszuloten, was möglich ist.»


Autor
Peter Berger, BZ
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Erstellt: 31.08.2018
Geändert: 31.08.2018
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