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"150 Jahre Eisenbahn Konolfingen" Teil 11: Von Moskau zur Pionierarbeit ins Emmental

Am 31. Mai und 1. Juni 2014 feiert die Gemeinde Konolfingen mit einem grossen Fest "150 Jahre Eisenbahn Konolfingen". Die lange Geschichte wird mit einer Sonderausstellung, sie ist jeden ersten Sonntag und Mittwoch sowie jeden dritten Sonntag im Monat geöffnet, im Dorfmuseum nachgezeichnet. BERN-OST blickt in einer Serie auf die Geschichte zurück - und auf das Bahnhoffest voraus.

Gittermastenproduktion im Depot. Rechts sieht man die speziellen Spitzen der Masten. (Bilder: zvg)
Das Depot. Das alte Gemeindehaus rechts unten steht noch nicht.
Der letzte, bis vor kurzem noch stehende, Gittermast in Oberdiessbach.
Drehstromfahrleitung zum Depot.
Werkstattchef Blessing mit Mitarbeitenden.

Zeitgleich mit dem Bau der Burgdorf-Thun-Bahn (BTB) wurde in Konolfingen auch ein Depot für die Instandhaltung der Fahrzeuge und zum Bau der unterschiedlichsten Hilfsmittel gebaut. Vieles musste in Pionierarbeit selber entwickelt oder erfunden werden. Das forderte nicht nur die Depotchefs. Man darf sich ruhig vorstellen, was das bedeutete, ohne PC’s und Planungstools. All die Berechnungen, Pläne und Zeichnungen wurden im Kopf und auf Papier gemacht. Mit viel Engagement und grossartigem Fachwissen vollbrachten die Depotchefs mit ihren Mitarbeitenden Meisterleistungen.

 

Von Moskau ins Emmental

 

Der erste Depotchef wurde auf den 1. März 1897 gewählt. Hans Krähenbühl wohnte damals in Moskau und zügelte ins Emmental. Der in Burgdorf aufgewachsene Elektrotechniker war verantwortlich für die Überwachung der Montage der elektrischen Ausrüstungen. Am 1. Januar 1905 folgte Gustav Rüegg von Lutigen (ZH). An Stelle von Werkstattchef Rüegg wird 1911 Otto Kreis, der damalige Montageingenieur der Maschinen-Fabrik-Oerlikon gewählt. Er leitete die „Notelektrifikation“ der Strecke Hasle-Langnau der EB und die gesamte Umelektrifizierung von 1932.

 

Nach und nach wurde das Depot erweitert und den neuen Bedürfnissen angepasst. Bis 1920 wurden eine neue Fräsmaschine, ein Bürogebäude, die Unterkellerung der Schreinerwerkstatt, eine komplette Transformatorenstation mit Prüfraum, die Verlängerung der Krananlage und die Erweiterung des Depots mit neuem Gleis und Putzgrube realisiert. Dazu wurden Montagewagen und auf Schienen fahrbare Leitern im Depot gebaut. Die Zeit blieb nicht stehen, das Depot samt dem Bürogebäude wurde weiter vergrössert, neue Maschinen wie der Härteofen in der Schmiede wurden angeschafft. Selbstverständlich gehörte auch der Bau und Umbau der unterschiedlichen BTB-Fahrzeuge zum Tagwerk.

 

Erst mit dem Ende der Drehstromzeit wurde die Instandhaltung der Triebfahrzeuge nach Burgdorf verlegt. In Konolfingen wurden aber noch bis im Dezember 1965 die Güterwagen und Dienstwagen der gesamten EB, BTB, SMB und später VHB in Stand gehalten, neu gebaut oder modernisiert. 1978 wurde die Werkstätte an die Gleisbaufirma AMEBA vermietet. Seit 2011 ist in der Werkstätte die Dampfbahn Bern zu Hause.

 

Letzter Gittermast demontiert

 

Neben verschiedenen elektrischen Erfindungen, wurde der Bau von Gittermasten zum Ersatz von hölzernen Leitungsstangen zu einem grossen Renner. Sie wurden im Laufe der Jahre in grosser Zahl hergestellt. Ab 1899 waren nur in den Gemeinschaftsbahnhöfen Gittermasten auf Verlangen der eidgenössischen Eisenbahndirektion montiert worden. Der letzte solche Gittermast stand bis vor einigen Tagen in Oberdiessbach (siehe Bild). Wer sonst, als der umsichtige Initiant und Organisator der Sonderausstellung und des Bahnhoffestes Werner Weber, sicherte sich diesen Mast. Wo der weitere Zeitzeuge jetzt gelagert oder ausgestellt wird ist noch nicht ganz klar.
 

Geschmierte Fahrleitung

 

Neben der Schiene mussten auch die speziellen Fahrleitungen gewartet werden Für die ersten Betriebsjahre stellte die BBC zwei solche Fahrzeuge zur Verfügung. Im Jahr 1906 mussten sie zurückgegeben werden. Vermutlich hing diese Rückgabe mit der Elektrifizierung der Simplon-Strecke zusammen. Für die Arbeiten an der Fahrleitung wurde 1906 deshalb im Depot Konolfingen ein gedeckter (Fr. 1029.85) und ein offener Montagewagen (Fr. 788.70) gebaut. Den Einsatz der sogenannten Turmwagen beschrieb auch Christian Buri in seiner Hofchronik.

 

„Von Zeit zu Zeit mussten damals die Fahrdrähte mit einer fettigen Masse bestrichen werden. Das machten die Bahnarbeiter mit einem hauptsächlich aus Holz bestehendem, kleinen turmartigen Gefährt. Dieses kam von Grosshöchstetten im Schritttempo und ohne Lok daher gefahren. Oben sassen auf zwei Seiten je zwei Bähnler, die mit Pinseln die Drähte einschmierten und dabei darauf achten mussten, dass sie nicht gerade gleichzeitig die Pinsel tunkten, weil sonst einige Meter nicht bestrichen worden wären.“

 

Wollen Sie wissen, was vor und nach den Kriegszeiten geschah, dann lesen Sie nächste Woche hier in dieser Serie weiter.

 

Auf der neuen Homepage www.museum-alter-baeren.ch finden Sie noch mehr neue Infos!

 

[i] Sonderausstellung „150 Jahre Eisenbahn Konolfingen“

[i] Bahnhoffest „150 Jahre Eisenbahn Konolfingen“

[i] Konolfingen

[i] Sonderseite der BLS AG

[i] Nostalgisch ans Bahnhoffest fahren

[i] Zum ersten Teil der BERN-OST Serie "150 Jahre Eisenbahn Konolfingen" mit Links auf alle bisherigen Artikel...


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Erstellt: 28.04.2014
Geändert: 28.04.2014
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