Viehschau Oberdiessbach

«Alle Jahre wieder Hühnerhaut»

Für die Bauern ist sie ein Zuchtvergleich, für viele Besucher ein Dorffest: Die Viehschau Oberdiessbach bringt Menschen zusammen. Fünf Vorstandsmitglieder erzählen von der Arbeit hinter dem Anlass, der Freude an schönen Kühen und der «Züglete», die jedes Jahr ein besonderer Moment bleibt.

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«Uns bedeutet die Viehschau viel. Es ist ein schönes Fest und unsere Möglichkeit, unsere Tiere und unseren Verein zu präsentieren», sagt Andreas Kestenholz. Er gehört mit Roland Reusser, Moser Ueli, Roland Lüthi und Patrick Käser zum Vorstand des Viehzuchtvereins Oberdiessbach und Umgebung.

 

Für die fünf Bauern zählt die Herbstschau zu den grössten jährlich stattfindenden Festen im Dorf. Früher habe der Vergleich der Tiere stärker im Vordergrund gestanden, erzählt Käser. «Das ganze Drumherum ist aber jetzt viel wichtiger geworden als früher, damit viele Besucher kommen.»

Die Festwirtschaft trägt dazu bei. Roland Reusser freut sich, wenn «viele Besucher da sind und die Festwirtschaft unterstützen». Weil die Herbstschau am Samstag stattfindet, kommen auch viele Familien. Manche schauen mit ihren Kindern die Kühe an, andere suchen das Gespräch mit den Bauern.

 

«Viele sind interessiert, was an diesem Tag passiert», sagt Käser. Sie fragen nach der Bewertung oder danach, weshalb eine Kuh Hörner hat und eine andere nicht. Für Lüthi sind diese Begegnungen wichtig: «Sonst gibt es nicht viele Möglichkeiten für uns Bauern, mit der Bevölkerung zusammenzukommen.»

 

Mehr als schöne Kühe

Im Herbst stehen meist rund 200 Kühe auf dem Platz, darunter Simmentaler, Swiss Fleckvieh, Red Holstein und Holstein. Auch der Viehzuchtverein Bleiken bringt seine Tiere nach Oberdiessbach. Für die Bauern bleibt die Bewertung ein wichtiger Teil des Tages. «Es ist eine Standortbestimmung, wo wir in der Zucht stehen», sagt Kestenholz.

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Die Kühe werden nach Alter und Klasse eingeteilt. Bewertet werden Körperbau, Beine und Gang sowie Euter und Zitzen. Nicht alle Feinheiten sind für Besucher erkennbar. «Die Unterschiede sind teilweise minim», erklärt Lüthi.

 

Für die Bauern geht es um mehr als das Aussehen. «Jedes Merkmal hat auch einen Einfluss auf die Wirtschaftlichkeit», sagt Käser. Schwächen bei Beinen und Klauen könnten etwa die Lebensdauer einer Kuh verkürzen. Trotz des Wettbewerbs gönnen sich die Bauern gute Bewertungen. «Wir können auch Freude haben, wenn ein Nachbar oder Freund eine schöne Kuh hat», sagt Kestenholz. Die anderen stimmen ihm zu.

Die Grundlage dafür legen die Bauern im Alltag. «Man kann sich nicht nur für die Viehschau um die Tiere kümmern, sondern muss das ganze Jahr über gute Bedingungen schaffen», sagt Kestenholz. Käser ergänzt: «Sonst bringt auch das Putzen vor der Viehschau nichts.»

 

Die ganze Familie hilft mit

Der Verein zählt 14 Mitglieder. Rund um die Schau gibt es viel zu tun: Die Mitglieder bereiten ihre Kühe vor, richten den Platz her und organisieren zusammen mit dem Festwirt und dessen Helfern die Festwirtschaft.

 

«Die ganze Familie ist beim Fest involviert. Sonst ginge es in dieser Art und Weise fast nicht», sagt Lüthi. Ein Dank ist auch allen Helfern zu zusprechen. Sonst könnten wir diese Veranstaltung nicht durchführen. «Das geht nur, weil alle am gleichen Karren ziehen», sagt Kestenholz.

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Auch die Gemeinde unterstützt den Anlass. Sie stellt den Platz mitten im Dorf zweimal jährlich zur Verfügung. «Das ist für uns sehr viel wert», sagt Kestenholz. Lüthi ergänzt: «Das ist nicht selbstverständlich. Wir schätzen das sehr.»

 

Mit Blumen und Treicheln durchs Dorf

Für die Kühe dauert der Aufenthalt auf dem Schauplatz rund fünf Stunden. «Vor dem Mittag findet die Bewertung statt. Nach dem Mittagessen geht es schon wieder nach Hause», sagt Käser. Die meisten Bauern legen den Weg mit ihren Tieren zu Fuss zurück. Für den Heimweg schmücken sie die Kühe mit Blumen und Treicheln.

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«Das ist längst nicht mehr überall so», sagt Käser. Dass die Mehrheit zu Fuss quer durchs Dorf ziehe und die Tiere geschmückt seien, sei eine Seltenheit. Viele Betriebe ziehen in dieselbe Richtung. So sehen die Zuschauer in kurzer Zeit viele Tiere. «Viele kommen extra deshalb zu uns an die Viehschau», sagt Kestenholz.

 

Für Lüthi steht bei der «Züglete» die Sicherheit an erster Stelle. «Für mich ist das Wichtigste, dass mit den Kühen alles gut geht und nichts passiert.» Die Polizei ist vor Ort, der Verkehr wird geregelt. Trotzdem bleibt Aufmerksamkeit nötig: «Es sind immer noch Tiere.»

 

Neben der Verantwortung gehört für Lüthi auch der Stolz auf die Kühe dazu. Besonders schön sei der Weg durchs Dorf, wo die Zuschauer sich an den Tieren freuen. Käser kennt dieses Gefühl: «Ich habe alle Jahre wieder Hühnerhaut, wenn ich durchs Dorf laufe und Richtung Hof gehe.»

Viehschau Viehzuchtverein Oberdiessbach, Gemeindeplatz Oberdiessbacg, Samstag, 17.10.2026 ab 9.30 Uhr

Dieser Artikel erschien zuerst im Newsletter Oberdiessbach.


Autor:in
Pascale Groschel, info@bern-ost.ch
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Erstellt: 06.10.2026
Geändert: 06.10.2026
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