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Bolligerin Anna Zesiger: Vor ihrer Linse fühlen sich Topmodels wohl

Chanel, Vogue, Lottie Moss – diese Marken-, Magazin- und Model-Namen sind nur einige grosse, die sich im Portfolio der Bolliger Fashion-Fotografin Anna Zesiger (33) finden. Die gebürtige Russin über das Highlight ihrer bisherigen Karriere, Frauen als Fotografinnen und davonlaufende Ziegen.

Zeitlos, weiblich, elegant: So beschreib Anna Zesiger, hier in ihrem Fotostudio am Bollwerk in Bern, ihren Stil. (Bild: Isabelle Berger)
Durchbruch vor vier Jahren: Für die ukrainische "L'Officiel" durfte Anna Zesiger ein Editorial mit Kleidern von Chanel realisieren. (Bild: Anna Zesiger)
"Es war ein Traum für mich, das live zu erleben": Anna Zesiger durfte an einer Modeschau von Chanel als Fotografin teilnehmen. (Bild: Anna Zesiger)
Zum Beispiel die Enkelin von Jean Paul Belmondo: Anna Zesiger fotografierte unter anderem das Topmodel Annabelle Belmondo. (Bild: Anna Zesiger)
"Am liebsten mache ich Editorials": Anna Zesiger liebt die kreative Teamarbeit wie für das "L'Officiel Österreich"-Shooting mit Ziegen in Zweisimmen. (Bild: Anna Zesiger)

Vor 14 Jahren kam Anna Zesiger gemeinsam mit ihrer Mutter, einer Modedesignerin und Schneiderin, von Moskau nach Bern. Seit ungefähr sieben Jahren lebt Zesiger zusammen mit ihrem Mann Stephan (50), einem Hund und einer Katze und unterdessen auch mit ihrer gemeinsamen elfmonatigen Tochter Annabelle in einer grosszügigen Eigentumswohnung in Bolligen. „Wir lieben Bolligen“, sagt Zesiger. „Das Dörfli gefällt uns sehr.“

 

Vom KV zur Modefotografie für grosse Magazine

„Von meiner Mutter her kommt wahrscheinlich mein Interesse für Mode“, sagt Zesiger. Währenddem sie die kaufmännische Berufsmatur absolvierte, fing sie an zu fotografieren. „Zunächst, um eigene Flyer zu gestalten. Dann ging es weiter, ich fotografierte Kolleginnen, besuchte Workshops, lernte mit YouTube-Videos und bildete mich auf eigene Faust spezifisch im Bereich Fashion-Fotografie weiter“, erzählt sie über ihre Anfänge.

 

Den Durchbruch als Fotografin schaffte sie 2017, als sie für das Modemagazin „L’Officiel Ukraine“ ihr erstes Editorial, eine Inszenierung von Models und Mode nach eigenen Ideen, machen durfte. „L’Officiel Ukraine war der Türöffner“, sagt Zesiger. Danach folgten weitere Editorials unter anderem für die aserbaidschanische und kasachische L’Officiel, für „Elle Bulgaria“ und Reportagen von Modeschauen, zum Beispiel für die "Vogue Russia".

 

Erfüllter Traum: "Ich traf Karl Lagerfeld"

Über Kontakte, die sie bei der Arbeit für L’Officiel knüpfte, ging Zesiger auch ein Traum in Erfüllung. „Ich durfte an der Fashion Week in Paris die Modeschau von Chanel und den dazugehörigen Backstagebereich fotografieren. Dabei sah ich auch noch Karl Lagerfeld, bevor er gestorben ist“, erzählt sie.

 

In den Schoss gefallen ist ihr dies alles nicht. „Man muss immer wieder bei den Magazinen anfragen und wenn keine Antwort kommt, nochmals nachfragen“, sagt sie. So stellt sie ständig neue sogenannte „Mood Boards“ zusammen, auf denen sie Ideen für Shootings, passende Models, Make Up-Artists und Kleider sammelt, um damit bei den Magazinen anzuklopfen.

 

Zesiger: "Frauen müssen sich durchboxen"

Ausserdem: „Frauen müssen sich in diesem Business durchboxen“, sagt Zesiger. Es seien vor allem Männer, die Mode-Fotografie machten. „Es ist halt technisch kompliziert mit all den Geräten und man muss oft viele Sachen herumtragen“, beschreibt Zesiger die Arbeit.

 

Aber Frauen hätten in diesem Beruf auch Vorteile. „Ich hatte noch nie zickige Models“, sagt sie. Weibliche Models könnten sich vor der Kamera bei einer Frau mehr öffnen, als bei einem Mann. „Frauen fotografieren anders“, meint sie. Auch sehr provokative Inszenierungen wirkten bei weiblichen Fotografinnen nicht billig.

 

Retuschierte Ziegenbesitzer

In diesen Tagen ist Zesiger an der Fotografie-Ausstellung "photoSchweiz 2020" in Zürich vertreten. „Ich stelle dort meine zuletzt gemachten Bilder aus, eine Modestrecke für 'L’Officiel Österreich' mit Ziegen“, beschreibt sie. Die Bilder machte sie zusammen mit einem mehrköpfigen Team in Zweisimmen.

 

„Ich stelle die Bilder aus, weil es meine letzte Arbeit ist und wir das ziemlich gut hingekriegt haben“, sagt sie und erklärt dies sogleich lachend:  Die Ziegen seien ob der vielen Menschen verunsichert gewesen und immer wieder in eine andere Richtung gelaufen, als gewünscht. „Ich musste den Besitzer letztlich fast aus jedem Bild retuschieren“, sagt sie.

 

[i] Die photoSchweiz 2020 läuft noch bis am Dienstag, 14. Januar in der Halle 622 und der Stage One in Zürich-Oerlikon. Mit Paul Christener aus Zäziwil und Urs Hintermann aus Münsingen sind dort zwei weitere Fotografen aus der Region Bern-Ost vertreten.


Autor
Isabelle Berger, isabelle.berger@bern-ost.ch
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Erstellt: 11.01.2020
Geändert: 11.01.2020
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