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Anstatt GA-Reisli: Franz Glanzmann (81) baut Bäbistubene

Vor etwa zwei Jahren hat es Franz Glanzmann (81) aus Münsingen den Ärmel reingenommen: Für sein Göttikind baute er eine Bäbistube – derzeit arbeitet der vierfache Vater, sechsfache Gross- und dreifache Urgrossvater am sechzehnten Stück.

Nummer 15: Franz Glanzmann mit seiner letzten vollendeten Bäbistube. (Bild: Isabelle Berger)
In Produktion: Franz Glanzmann fräst gerade die Geländer für die 16. Bäbistube. (Bild: Isabelle Berger)
Aufwändige Handarbeit: Die Bäbistubene bestehen aus zig Einzelteilen, welche Franz Glanzmann vorzu ausmisst und herstellt. (Bild: Isabelle Berger)
Ehefrau Frieda machte das Vorhängli: Auch sechs solche Bäbibettli hat Franz Glanzmann bereits gebaut. (Bild: Isabelle Berger)

Täglich verbringt der bald 82-Jährige etwa fünf Stunden in seiner zum Hobbyraum umfunktionierten Waschküche, misst, sägt, fräst und schleift. 22 "Maschineli" hat er unterdessen angeschafft. "Di mues me iz bruuche", meint er freudig.

 

Nach der Pensionierung hätten er und seine Frau ein GA gehabt. "Aber das Rumreisen mit dem Zug ist mir verleidet", sagt er. Zudem sei das ständige Einkehren auch teuer gewesen. Also wandte er sich seiner handwerklichen Leidenschaft zu, die ihn bereits im Berufsleben begleitet hatte.

 

Man sieht, was man gemacht hat

"Mä chas id Finger näh", begründet Glanzmann seine Faszination mit leuchtenden Augen. Man sehe am Ende des Tages, was man gemacht habe. Das sei dasselbe wie bei der Elektronik. Rund vierzig Jahre betrieb er mit seiner Frau Frieda (79) das Multimedia-Geschäft HiFi Glanzmann an der Seilerstrasse in Bern. Auch dort habe er zum Beispiel die Kabel in die Finger nehmen und die Sachen den Kunden zeigen müssen.

 

Sein handwerkliches Geschick und das Gespür fürs Arbeiten mit Holz konnte er auch dort schon einsetzen. "Ich habe die ganze Inneneinrichtung des Ladens selber gemacht", sagt Glanzmann. Noch heute sei diese genauso in Gebrauch wie vor zehn Jahren, als sie das Geschäft verkauften. Zudem renovierte er die Häuser seiner vier Töchter.

 

Der genaue Plan ist im Kopf

"Ich habe immer gerne mit Holz gearbeitet", sagt er.  Seit der Pensionierung sind mehrere Leiterwägeli und sechs Bäbibettli entstanden – und eben die Bäbistubene.

 

"Es ist alles Handarbeit", sagt Glanzmann. Wobei: Man könnte auch sagen, dass vieles Kopfarbeit ist. "Ich fange mit der Bodenplatte an, dann messe ich jedes Stück einzeln ab und baue das Haus von unten her auf", beschreibt er sein Vorgehen. Einen Plan hat er nie gezeichnet. Auf Fotos vollendeter Werke hat er einzig gewisse grundlegende Masse notiert. Damit am Schluss alles zusammenpasse, müssten die Teile auf den Zehntelmillimeter genau gemacht sein. Wenn alle Teile bereit sind, brauch er einen Tag, um alles zusammenzusetzen.

 

Drei bis vier Wochen Arbeit pro Haus

Abgeschaut hat Glanzmann wenig. "Die meisten anderen Häuser gefielen mir nicht", sagt er. Zudem seien sie schnell sehr teuer, und dann fehle ja noch der Inhalt. Seine letzte vollendete Bäbistube bietet seine Grosstochter derzeit auf BERN-OST für zweihundert Franken zum Verkauf an. "Zu viel", meint Glanzmann. Das Material habe nur 160 Franken gekostet, und soviel würde er dafür verlangen. Die Arbeit könne man sowieso nicht zahlen. Für ein Haus braucht er drei bis vier Wochen. "Wenns sein müsste, könnte ich eines in zwei Wochen machen", meint er.

 

Seine ersten Bäbistubene seien einfacher gewesen, als die heutigen. "Mit der Zeit habe ich dann das jetzige Modell entwickelt", erzählt Glanzmann. Mehrere Böden sind mit Treppen und einem grossen Treppenhaus verbunden. Der hintere Teil ist geschlossen, vorne begrenzen Geländer die Böden und erlauben es den Kindern, beim Spielen gut in das Haus greifen zu können. "Nach Wunsch mache ich das Haus niedriger oder breiter oder die Stockwerke höher", sagt er. Das grösste Haus, das Glanzmann bis jetzt gebaut hat, war einen Meter zwanzig hoch.

 

Auch für Kitas und Kindergärten

"Die Hüsli müssen robust sein, damit auch ganz kleine Kinder damit spielen können", weiss Glanzmann. Seine Bäbistubene sind massiv gebaut, aus dickem Sperrholz, die Teile zusammengesteckt und verschraubt, und alles glatt und rund geschliffen. Unter die Häuser klebt er einen Teppich zum Schutz des Fussbodens.

 

Seine Leidenschaft hat sich herumgesprochen, und so macht er seine Bäbistubene heute nicht mehr nur für seine eigenen Gross- und Urgrosskinder, sondern hat auch einige für Kitas und Kindergärten gemacht.

 

Ist Glanzmann in seinem Hobbyraum, ist er ganz vertieft in seine Arbeit. "Ich habe so etwas zu tun. Was soll ich sonst machen?", fragt er rhetorisch und meint mit einem Augenzwinkern:  "Da bin ich für mich, und meine Frau ist oben in der Wohnung für sich."


Autor
Isabelle Berger, isabelle.berger@bern-ost.ch
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Erstellt: 10.03.2019
Geändert: 10.03.2019
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