Männer-Kochclub

Banker, Bauer und Pfarrer gemeinsam am Herd

Eine Männergruppe aus Banker, Bauer, Schreiner und anderen kocht alle zwei Monate hobbymässig in Michael Badertschers Küche im Restaurant Kreuz Schlosswil. Was sie verbindet, ist die Freude an Kochen, Geniessen und feinem Wein. Kommt das gut? Definitiv. Denn die erfahrene Leiterin Madlen Herrmann hat Menu und Gruppe gut im Griff.

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Fröhliches Kochen in der Küche vom Restaurant Kreuz Schlosswil. Auf dem Bild von links: Fritz Burkhalter, Res Moser, Madlen Herrmann und Rolf Beck. (Foto: zvg)

Kürzlich war es wieder soweit – Kochzeit! Zum zweiten Mal in diesem Jahr war die pensionierte Hauswirtschaftslehrerin Madlen Herrmann startbereit, das Menu stand, die Einkäufe waren erledigt, die Rezepte gedruckt. «Dreimal CH», lautete das Programm: Chinakohl, Chicorée und Champignons, aus diesen saisonalen Zutaten hat sie ein raffiniertes Fünfgang-Menu kreiert. Dieses haben ihre «Kochmänner» in der Küche des Restaurant Kreuz Schlosswil zubereitet. 

 

Eine Idee nach einem fröhlichen Abend

Ungefähr sechs Mal pro Jahr treffen sich die fünfzehn Männer vom Kochclub Schlosswil zum gemeinsamen Kocherlebnis, einige sind schon seit fast dreissig Jahren dabei. Wie die Gruppe damals zustandegekommen ist, lässt sich heute nicht mehr so genau rekonstruieren. «Es war wohl eine Idee nach einem fröhlichen Abend», vermutet Rolf Beck, Sekretär der Gruppe. Die Idee, einmal in die Runde geworfen, fand rasch Anklang. Das Verbindende: Sie kochen gern, essen gern und trinken gern feinen Wein.

 

Eine Gruppe von Gourmets

Ansonsten ist der Kochclub bunt zusammengewürfelt. An den Arbeitsplätzen stehen dann Banker, Bauer, Dachdecker, Elektriker, Postautochauffeur, Pfarrer, Schreiner und Zimmermeister nebeneinander, sie rüsten, schnippeln, kochen und braten, bis Madlen Herrmanns eigens zusammengestellte Gourmet-Menus bereitstehen. Um 19 Uhr fangen sie an, ab 21 Uhr wird feierlich angerichtet, dann geht’s ans Schmausen, Plaudern und Geniessen. Und last but not least wird auf das Vollbrachte angestossen: Einer der Männer, hobbymässiger Weinkenner, wurde als Kellermeister auserkoren, er wählt jeweils den zum Menu passenden Wein aus und bringt ihn mit.

Motto: «Spass haben und fein essen»

Mit ihrer Kochlehrerin Madlen Herrmann sind die Männer vollauf glücklich, sie zeigen ihr das am Weihnachtsanlass jeweils mit einem Merci-Geschenk. Madlen Herrmann auf der anderen Seite achtet nicht nur auf feine Menus, sondern passt auf, dass sich die Runde nicht überisst. Dafür habe sie den Tipp von einem Küchenchef übernommen, sagt sie: «Ich plane so, dass das komplette Menu nicht mehr wiegt als 900 Gramm pro Person, alle festen und flüssigen Nahrungsmittel zusammengerechnet.» Das funktioniere tatsächlich.

 

Weiterkochen dank Küche im Restaurant Kreuz

Auch das Lokal musste der Kochclub inzwischen ändern, weil die Schulküche saniert wurde. Die Küche der Schule Biglen hätte glatt das Doppelte gekostet, und zuerst schien es das Ende des Kochclubs. Dann aber tauchte Rettung aus einer unerwarteten Ecke auf: Michael Badertscher, Inhaber und Wirt des Restaurants Kreuz Schlosswil, bot ihnen spontan seine Küche an. «Wir hatten ein Riesenglück», sagt Res Moser, einer der Kochclub-Gründer.  Am Dienstag sei Ruhetag und die Küche werde ohnehin nicht benutzt, habe Badertscher gesagt, und Moser sagt aus vollem Herzen: «Wir sind extrem froh, dass wir dank Michael weiterkochen können.» Die Küche sei bestens ausgestattet und gut geeignet, schon seit einem Jahr trifft sich die Gruppe dort.

Glückliche Lösung

Am Kochabend fährt Madlen Herrmann jeweils sämtliche Zutaten in einer Kochkiste herbei, und die Männer schleppen die Kiste die Treppen hoch in die obere Küche des Kreuz Schlosswil. «Es ist ein bisschen enger als in der Schulküche, aber Michael stellt uns extra zusätzliche Kochfelder hin», freut sich Rolf Beck. Auch Madlen Herrmann ist glücklich mit dieser Lösung. Zwar sei sie von 40 Jahren als Koch- und Hauswirtschaftslehrerin an der Oberstufe gewohnt, einen Überblick auf alle Kochstellen zu haben, und das gelinge in der Kreuzküche nicht immer. Sie lacht: «Dafür schätze ich die tolle Industrie-Abwaschmaschine sehr.»

 

«Wäh, gruusig!» gibt’s hier nicht

Den Einkauf für den Abend erledigen jeweils ein oder zwei Mitglieder des Kochclubs, nach Madlen Herrmanns umgerechneten Einkaufslisten. Sie  – immer noch ganz die Hauswirtschaftslehrerin – achtet jeweils auf regionale und saisonale Zutaten und baut ein bisschen Konsumentenbildung mit ein. Manchmal führt sie ungewohnte Zutaten ein, Tonkabohnen beispielsweise oder exotische Gewürze, damit die Gerichte auch ein bisschen speziell werden. Die Männer seien wissbegierig und probierfreudig, lobt sie, und noch nie sei vorgekommen, was sie in ihren Jahrzehnten als Lehrerin ab und zu erlebt hatte: Dass einer rief «wäh, gruusig!». Nein, sie seien alle sehr offen, liessen sich auch auf Neues ein, und verhielten sich sehr wertschätzend.

Was ist mit Neuen?

Ob in einem so munteren Club auch neue Mitköche willkommen sind? Rolf Beck überlegt kurz und bejaht dann: «Aber wer kommen will, muss passen.» Er lacht und ergänzt scherzhaft: «Neue werden auf Herz und Nieren getestet!» Denn wer zu ehrgeizig ist, würde stören. In der gegenwärtigen Zusammensetzung sei die Stimmung immer bestens, freut sich Madlen Herrmann. Auch beim Abräumen, Abwaschen und Aufräumen seien alle voll dabei, lobt sie.

 

März-Menu mit den drei «CH»

Das März-Menu mit den drei «CH» sei übrigens bestens gelungen, erzählt sie nach dem Anlass. Tatsächlich machen die Bilder von Polenta-Pilz-Törtchen, Chicorée-Schiffchen mit Linsensalat, Pilzsuppe mit Rollgerste, Rindsragout mit Kartoffeln und Chicorée-Gratin und Panettone-Dessert richtig gluschtig. Madlen Herrmann freut sich mit den Männern, wenn alles gelungen ist, und schliesst zufrieden: «Das ist eine coole Sache!»

Männer-Kochclub Schlosswil

Informationen: Rolf Beck, Sekretär des Kochclubs, beck.rolf@zapp.ch


Autor:in
Claudia Weiss, claudia.weiss@bern-ost.ch
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Erstellt: 09.03.2026
Geändert: 09.03.2026
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