Unterwegs mit dem Eichmeister

«Bewusst geschummelt wird so gut wie nie»

Waagen im Laden, Zapfsäulen an der Tankstelle oder abgepackte Lebensmittel: Damit die Angaben stimmen, ist der Eichmeister zuständig. Ein Gespräch über einen wenig bekannten Beruf, überraschende Einblicke und den Alltag zwischen Schlachthof und «Güetzi»-Fabrik.

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Bruno Rufener ist seit zwei Jahren in der Region Bern-Ost als Eichmeister unterwegs. (Bild: pg)

Bruno Rufener ist seit Dezember 2024 diplomierter Eichmeister und in der Region Bern-Ost sowie darüber hinaus im Emmental und Oberaargau im Einsatz. Er war bereits vorher selbstständig, jedoch nicht für den Kanton, sondern mit einer eigenen Autogarage. Heute sorgt Rufener dafür, dass Messungen im Alltag zuverlässig sind.

 

BERN-OST: Wie sind Sie dazu gekommen, Eichmeister zu werden?
Bruno Rufener: Vor einigen Jahren wurde ich von meinem Vorgänger gefragt, ob ich Interesse an diesem Amt hätte. Nach drei Schnuppertagen habe ich die Ausbildung absolviert, die insgesamt fünf Module beinhaltet und auf etwa zwei Jahre verteilt ist. Zusätzlich muss man je Modul 40 bis 70 Stunden praktische Erfahrung bei einem diplomierten Eichmeister nachweisen, bevor man zur Prüfung zugelassen wird. Dazu kommen Anforderungen wie ein Sprachniveau A2 in Englisch und Französisch, weshalb ich während der Ausbildung Sprachkurse besucht habe.

Der Einstieg war stellenweise herausfordernd. Besonders profitiert habe ich dann von der Zusammenarbeit mit anderen Eichämtern, die mich in meiner Ausbildung entscheidend weitergebracht hat.

 

Den Beruf Eichmeister kennen viele Menschen nicht. Was macht ein Eichmeister konkret?

Die Grundlage meiner Arbeit ist das Messgesetz. Ich bin dafür zuständig, dieses auf Kantonsebene umzusetzen. Im Zentrum steht die Überprüfung von Messmitteln. 

Das reicht von Tankstellen über Waagen in unterschiedlichsten Bereichen bis hin zu Tankwagen für Treibstoff oder Milch sowie Abgasmessgeräten in Werkstätten. Ich kontrolliere Feinwaagen beim Goldschmied ebenso wie 100-Tonnen-Gleiswaagen der Bahn. Auch die Waagen im Detailhandel, etwa beim Gemüse oder in der Metzgerei, gehören dazu. Zudem überprüfe ich die Gewichts- oder Mengenangaben auf abgepackten Lebensmitteln oder Waren, beispielsweise bei Konfitüre oder Bräzeli im Hofladen sowie in Grossbetrieben oder Importeuren. Das Spektrum ist gross: von Fabriken mit 130 Waagen, bei denen ich mehrere Tage beschäftigt bin, bis hin zum kleinen Hofladen mit nur einer Waage.

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Er prüft unter anderem Abgasmessgeräte in Werkstätten. (Bild: pg)

Wie viele Eichmeister gibt es?

Im Kanton Bern sind es aktuell nur noch vier. Wir sind deshalb stark ausgelastet. Jeder betreut ein bestimmtes Gebiet. Ich bin im Aaretal, Emmental und Oberaargau unterwegs.

 

Wie häufig werden Messmittel kontrolliert?

In der Regel alle zwei Jahre, je nach Gerät zwischen ein und sechs Jahren. Gesetzlich müssten sich die Besitzer melden, wenn eine Kontrolle ansteht oder ein neues Messmittel angeschafft wird. Das passiert aber kaum. Die Verantwortung liegt klar bei den Anwendern. Deshalb halte ich mich an unsere Datenbank und plane die Kontrollen selbst.

 

Als Kunde geht man oft davon aus, dass die Angaben richtig sind. Stimmen die Messungen in der Regel?

Rund zehn Prozent der Messmittel weisen Beanstandungen auf. Bewusst geschummelt wird so gut wie nie. Oft liegen die Ursachen woanders, etwa bei veränderter Tara von Verpackungen oder defekten Messmittel. Ich helfe den Betrieben dann häufig, die Ursache zu finden, obwohl dies eigentlich nicht mehr zu meinem Aufgabenbereich zählt.

 

Wie sieht ihr Equipment für einen Kontrolltag aus?

Da ich für die verschiedenen Messungen unterschiedliches Material brauche, überprüfe ich jeweils nur eine Messmittelkategorie auf einmal. Für eine Tankstelle beispielsweise benötige ich so viel Material, dass kaum noch Platz in meinem Transporter bleibt. Zur Grundausstattung gehören aber 100 kg Gewichtstücke und mein Koffer zur Kontrolle von kleineren Waagen ist immer dabei.

Sie überprüfen täglich Messmittel. Wird das nicht monoton?

Nein, ganz im Gegenteil. Die Arbeit ist sehr abwechslungsreich. Ich sehe in viele unterschiedliche Betriebe und Berufe hinein. Das finde ich spannend. Herausfordernd sind Einsätze etwa in Schlachthöfen oder bei Kadaversammelstellen. Der Geruch ist nicht angenehm. Eine «Güetzi»-Fabrik ist da eine willkommene Abwechslung. Besonders schätze ich auch die Freiheit bei der Planung.

 

Meist erscheinen Sie unangekündigt, da der administrative Aufwand zu gross wäre. Wie reagieren die Betriebe auf Ihren Besuch?

Oft werde ich nicht mit offenen Armen empfangen. Wenn jedoch eine Abweichung zu ihren Ungunsten entdeckt wird, also sie bisher zu wenig verrechnet haben, sind sie froh um die Kontrolle. Dies ist übrigens meist der Fall!

 

Erstaunt Sie bei Ihrer Arbeit noch etwas?

Ja, immer wieder. Es gibt unglaublich viele innovative Betriebe in der Region. Oft weiss man gar nicht, was dort alles produziert wird und welchen Weg die Produkte nehmen.

 

Wie sieht es mit Gläsern im Restaurant aus?

Ich überprüfe, ob ein Eichstrich vorhanden ist und die Masseinheit korrekt angegeben ist. Die Verantwortung liegt aber vor allem bei den Herstellern der Gefässe. Ähnlich ist es bei Getränkeflaschen im Laden. Kontrollen wären möglich, stehen aber nicht im Fokus.

 

Was sollten die Leute über den Beruf des Eichmeisters wissen?

Wichtig ist mir zu erwähnen, dass wir Eichmeister selbstständig tätig sind. Viele gehen davon aus, dass wir beim Kanton angestellt sind und entsprechend Zeit haben. Deshalb lassen uns manche warten, wenn wir vorbeikommen. Auch wenn ich meinen Besuch ankündige, bereiten sich viele nicht vor. Diese Zeit kann ich zwar verrechnen, aber meine Zeit ist mir mehr wert als das Geld.

Verband schweizerischer Eichmeister (Zuständiges Eichamt finden)

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Autor:in
Pascale Groschel, info@bern-ost.ch
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Erstellt: 16.04.2026
Geändert: 17.04.2026
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