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Biglen - Badeplausch fördert Zusammenhalt

Quelle
Berner Zeitung BZ

Badis sind ein Verlustgeschäft. Trotzdem sind sie für die Gemeinden und die Bevölkerung wichtig. Biglen versucht, mit längeren Öffnungszeiten bei Vollmond mehr Leute in die Badi zu holen.

Das Reifenrennen am Vollmondabend bringt Spass, aber wenig Geld in die Badi. (Foto: Thomas Peter)

Eltern sitzen auf Badetüchern, Kinder hüpfen ins Becken. Bademeister Peter Zysset überblickt die Lage. Der Mann arbeitet bereits in seiner fünften Saison in der Badi Biglen. «Wir sind eine typische Familienbadi», sagt er mit einem Lachen auf dem Gesicht und grüsst ein Kind, das an ihm vorbeipfeilt. Es ist Dienstagabend und die Anlage ausnahmsweise länger geöffnet. Heute ist «Vollmondbadespass».

 

Im letzten Jahr stiess der Anlass auf Begeisterung, deshalb haben Zysset und das Beiz-Team das Programm heuer ausgebaut. Die Kasse des zweitältesten Freibads im Kanton Bern lässt sich damit nicht füllen. Aber darum geht es heute Abend auch nicht.

 

Die Badi gehört der Gemeinde Biglen, sie ist auch die Arbeitgeberin des Bademeisters. Und wie die meisten anderen Badis ist auch diejenige in Biglen ein Verlustgeschäft – zumindest finanziell. Die Gemeinde gibt im Schnitt jährlich 100 000 Franken für den Betrieb aus. Trotzdem stand eine Schliessung nie zur Debatte; der Gemeinderat steht geschlossen hinter der Badi.

 

90 Jahre auf dem Buckel

Die Badi Biglen öffnete vor 90 Jahren als Natur-Badi ihre Tore. Damals wurde ein Bächlein in einem Becken gestaut. Die Schülerinnen und Schüler mussten jeweils mühsam die Algen wegschruppen. Auch heute ist das Wasser noch eher kühl. «Wir haben keine Heizung», sagt der Bademeister.

 

Die Anlage wurde vor 28 Jahren letztmals im grossen Stil renoviert. Inzwischen ist eine Sanierung überfällig. Einige Ausstattungen genügen den Vorgaben des Kantons nicht mehr. So misst Zysset etwa den Chlorgehalt noch von Hand. Die Messungen sollen dereinst elektronisch erfolgen. Zudem braucht das Schwimmbecken in den nächsten Jahren wohl einen neuen Verputz.

 

Grössere Erneuerungen, welche eine Urnenabstimmung verlangen, liegen aber gemäss dem Gemeinderat «in weiter Ferne». Es würde auch nie um so viel Geld wie in Grosshöchstetten gehen. 2016 stand das Höchstetter Freibad vor der Schliessung, dagegen wehrte sich die Bevölkerung. Es waren mehrere Urnengänge nötig, bis feststand, dass die Anlage für 3,5 Millionen Franken saniert wird. Peter Zysset ist zuversichtlich, dass sich die Biglener Bevölkerung bei einer allfälligen Abstimmung für die Badi aussprechen würde.

 

Einige Meter neben dem Häuschen des Bademeisters sitzt eine Besucherin mit ihrer Tochter auf der Wiese. Die beiden kommen regelmässig her. «Für unser Dorf ist die Badi ein wichtiger Treffpunkt», sagt die Frau. Es gebe hier alles, was man brauche: ein Schwimmbecken, einen Sprungturm, Platz zum Spielen und eine gemütliche Beiz. «Meine Schulfreundinnen sind auch oft hier», ergänzt die Tochter. Die Familie hat sich ein Saisonabonnement gekauft, um die Badi zu unterstützen. Die verkauften Abonnemente haben in den letzten Jahren zugenommen. Auch die Besucherzahlen sind tendenziell steigend.

 

Unterdessen sind alle Tische im Restaurant besetzt. Es gibt Nudelpfanne mit Fleisch und Gemüse. «Als unsere Kinder jünger waren, verbrachten wir ganze Sommer hier», erzählt ein älteres Ehepaar. Seit Jahren sind sie Stammgäste. Man schätzt den familiären Umgang, die übersichtliche Anlage. Momentan verbringen die beiden bis zu drei Abende in der Badi. «Etwa gleich viele wie die Vertreter des Gemeinderates», sagt der Ehemann und schmunzelt.

 

Spontan später schliessen

In den Badis kommen die Menschen zusammen, auch deshalb sind diese Orte für viele ein Stück der lokalen Identität. Das ist in Grosshöchstetten nicht anders als in Biglen. Wenn etwas bemängelt wird, dann nur leise. Etwa, dass der Betrieb erst um 10 Uhr öffnet. Doch verlängerte Öffnungszeiten sind eine Kostenfrage. «Wenn wir sie erweitern würden, müssten die Schichten auf zwei Bademeister aufgeteilt werden», erklärt Zysset. Er entscheidet jeweils spontan, die Badi bei gutem Wetter länger offen zu lassen – oder bei Regen früher zu schliessen.

 

Die Öffnungszeiten konsequent auszubauen, ist kein Thema. In Basel hingegen fordert die SP, dass die öffentlichen Bäder wegen des Klimawandels und der zahlreichen Hitzetage länger offen sind. «Ich finde es gut, dass ich hier flexibel entscheiden kann», erwidert Zysset.

 

Im Hintergrund hat das Reifenrennen begonnen. Jeweils drei Kinder kämpfen sich auf grossen Schwimmringen durch das 25-Meter-Becken. Die Siegerinnen und Sieger werden per Megafon ausgerufen. Dann wird es ruhiger. Baden bei Kerzenlicht und Mondschein. Und irgendwann haben sich auch die Letzten auf den Heimweg gemacht.


Autor
Nina-Lou Frey, Berner Zeitung BZ
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Erstellt: 18.07.2019
Geändert: 18.07.2019
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