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Biglen - Waschen im Bach, Zeichnen mit Naturfarben, Leben in der alten Mühle

Tobias Zagoršek lebt in einer alten Mühle in Biglen, direkt am Bach. Die ruhige Lage kommt dem Naturverbundenen sehr gelegen. Er war auch schon als Schäfer unterwegs. In Biglen wäscht er sich direkt im Bach. Nun sucht er eine Mitbewohnerin oder einen Mitbewohner. Aber das ist gar nicht so einfach.

Tobias Zagoršek geniesst die Zeit als Familienvater. Seine 1 1/2-jährige Tochter Maša lebt die Hälfte der Woche bei ihm, die andere Hälfte bei ihrer Mutter. (Bild: Annalisa Hartmann)
Die Schafherde im Wohnzimmer erinnert an die Zeit, in der Tobias Zagoršek als Hirte unterwegs war. Das Bild hat er selber gemalt. (Bild: Lionelle Schiessler)
Ein weiteres Gemälde von Tobias Zagoršek. Zum Malen verwendet er Naturfarben. (Bild: zvg)

Der Biglenbach rauscht, die Hähne krähen, die Adresse Hohle in Biglen fühlt sich so richtig nach Land an. Genau aus diesem Grund ist Tobias Zagoršek vor anderthalb Jahren hierher gezogen. Als Hirte war er bis 2008 viele Jahre mit Schafen unterwegs. Heute bezeichnet sich der 42-Jährige als Philosoph und Familienvater.

 

Die Zeit mit den Schafen hat sichtbare Spuren hinterlassen. Auf dem Wohnzimmerboden liegt das Fell von einem Bock, den Zagoršek einst notschlachten musste. Auf dem Sofa befinden sich verschiedene Rahmentrommeln, die er als Hirt in Österreich entdeckt hat. Etwas weiter hinten im Raum steht eine Staffelei mit einem Bild, auf dem eine Schafherde einem Hirten übers Feld folgt. Das Bild strahlt sehr viel Ruhe aus, es passt zu Zagoršek und in diesen Raum. Er hat es selber gemalt, mit selbst hergestellten Naturfarben.

 

Suche nach einem "offenherzigen" Mitbewohner

Ein weiteres Bild zeigt die Fussabdrücke seiner Tochter Maša. Von ihrer Geburt bis zum ersten Geburtstag hat er jeden Monat eine neue Farbe und einen neuen Fussabdruck mit ihr kreiert. Nun ist Maša anderthalb Jahre alt. Die Hälfte der Woche lebt sie bei ihrer Mutter, die andere Hälfte bei ihrem Vater in der alten Mühle.

 

Es ist ein Haus, das Alt und Neu verbindet, Holzbalken und Mauern mit Glasfronten kombiniert. Einer roten Backsteinmauer im Wohnzimmer, die Zagoršek besonders gut gefällt. Das Mühlrad sieht man nicht mehr, aber der Bach, der unter dem Haus hindurch fliesst, erinnert an die Geschichte des Hauses.

 

Die kleine Wohngemeinschaft soll wachsen. Zagoršek ist auf der Suche nach einem Mitbewohner oder einer Mitbewohnerin. Aber die Suche ist gar nicht so einfach, wie er nun merkt. "Viele Wohngemeinschaften entstehen in der Stadt. Auf dem Land ist diese Wohnform nicht so populär", sagt er. Sein Hauptkriterium an seinen Mitbewohner: "Er soll offenherzig sein. So wie ich selber auch offenherzig bin."

 

"Jeder freie Wille ist mir heilig"

Wichtig sei ihm auch ein gesunder Menschenverstand. Wenn jemand ohne Absprache anderthalb Stunden im Bad und unter der Dusche verbringt und man in dieser Zeit nicht rein darf, hat er dafür wenig Verständnis. Zagoršek selber wäscht sich seit einiger Zeit im Biglenbach, sitzt zum Essen am Boden, ernährt sich rein pflanzlich, fast nur von Rohkost.

 

Obwohl er sehr klare Vorstellungen hat, sowohl in Sachen Klima als auch Religion eine feste Meinung vertritt, respektiert er  Menschen mit anderen Überzeugungen. "Jeder freie Wille ist mir heilig." Zagoršek hofft nun, dass er bald jemanden für seine WG findet. Ansonsten müsste er sich selber auf die Suche nach einer neuen Wohnmöglichkeit machen, die alte Mühle zurück lassen, weiter ziehen.

 

[i] Wer sich für die WG interessiert, kann sich bei Tobias Zagoršek unter 031 731 04 25 oder unter tz@tranquille.ch melden.


Autor
Annalisa Hartmann, annalisa.hartmann@bern-ost.ch
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Erstellt: 13.04.2019
Geändert: 13.04.2019
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