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Dirndl-Brautkleider: Hingucker aus Grosshöchstetten

Im Gebäude an der Dorfstrasse 30 in Grosshöchstetten, wo früher das Geschäft Kipfer Mode untergebracht war, hat Michèle Hirschi vor einem Monat ein Brautmodegeschäft eröffnet.

Ein grosser 140-jähriger Spiegel. Ein Original. Nicht perfekt, an einigen Stellen bereits ein bisschen beschädigt. Damit begann der Traum von Michèle Hirschi Anfang Jahr, Realität zu werden. Die gelernte Grafikerin eröffnete im April an der Dorfstrasse 30 in Grosshöchstetten ein Brautmodegeschäft. Als Nachfolgerin des Geschäfts Kipfer Mode, das Jahrzehnte lang im Haus untergebracht war.

 

Die "Brautwiese" soll nicht eines unter vielen Fachgeschäften sein, sie soll heraus stechen und Kundinnen und Kunden aus der ganzen Schweiz anziehen. Michèle Hirschi war es deshalb wichtig, ein spezielles Ambiente zu schaffen. Der Spiegel soll die zukünftigen Bräute in Prinzessinnen-Stimmung versetzen, wenn sie sich darin betrachten. Gefunden hat ihn Hirschi an einer Broccante. Die Einrichtung wählte sie sorgfältig aus. Ein alter Tisch und eine 100-jährige Theke folgten. Ein alter Koffern, eine alte Uhr. Hingucker, wenn man den Laden betritt. "Alle Kundinnen, die eintreten, reagieren auf diese Stimmung", sagt Hirschi. Monatelang hat sie auf diesen Moment hingearbeitet.

 

Kurze Kleider und Gold sind "in"

Ihr Ziel, eine besondere Atmosphäre zu schaffen, hat sie erreicht. Und auch die Kleider in der "Brautwiese" sind alles andere als herkömmlich. Sie stammen vom Designer Tian van Tastique. Hirschi hat ihn in einer Fernsehsendung entdeckt und war sofort angetan. Sie hat ihn daraufhin kontaktiert, alles lief einfach und unkompliziert. Hirschi ist die einzige Anbieterin in der Schweiz. Und sie setzt ganz auf von Tastique. "Ich will nicht 300 verschiedene Kleider anbieten, aber die Kleider, die ich verkaufe, sollen Hingucker sein."

 

Hingucker, die ihren Preis haben. 1200 bis 3500 Franken kostet ein Kleid. "Es sind Liebhaberobjekte", sagt Hirschi. Van Tastique designt nicht Weiss auf Weiss. Die Kleider, die häufig dirndlhaft gestaltet sind, werden mit bunten Blumen verziert, kombinieren Weiss mit Rosa oder Gold. "Gold ist sehr beliebt", sagt Hirschi.

 

Jedes Kleid wird für die jeweilige Braut neu angefertigt und auf ihre Wünsche zugeschnitten. Farben, Spitzenelemente, Länge und Schürze kann sie selber auswählen und kombinieren. "Jedes Kleid lässt sich als kurzes Kleid tragen, aber auch mit einem langen Rock kombinieren", sagt Hirschi. Die kurze Variante sei beliebt für die zivile Trauung, aber auch für Hochzeitsfeste in der Natur, auf Wiesen unter Bäumen, wo ein langer Rock einfach nicht so praktisch ist. Einen weiteren Vorteil sieht Hirschi darin, dass man die Kleider später für andere Feste wieder verwenden kann. "So verstauben sie nicht irgendwo auf dem Estrich. Das wäre doch schade." Hirschi gefällt es, mit jeder Braut individuell das perfekte Modell zu finden. "Es ist ein Privileg, dass sie sie in einem so schönen und spannenden Lebensabschnitt begleiten darf."

 

Bräute, die nicht gehen wollen

Ein Anprobetermin in der Brautwiese dauert anderthalb bis zwei Stunden. "Es gibt aber auch Bräute, die fast nicht gehen wollen", sagt Hirschi. Sie freut sich, wenn sich die Kundinnen im Geschäft so wohl fühlen. Die angehenden Bräute sind auch ihre Gäste. Zur Anprobe, zu der sie meistens auch Freundinnen, Mütter oder Grossmütter mitbringen, bekommen sie Prosecco, selbst gebackene Cupcakes, und auf Wunsch auch einen selbst kreierten Wiesendrink. Ein Link zu den Dirndln.

 

Der Name "Brautwiese" wird aber dennoch nicht von der "Wiesn" abgeleitet. Die Idee der Wiese kam von Hirschis Mann. Die Idee dahinter sind nicht etwa feuchtfröhliche Oktoberfeste, sondern die unterschiedlichen Blumen, die auf einer Wiese blühen und zusammen einen bunten Teppich ergeben. So verschieden und farbenfroh sieht Hirschi auch die angehenden Bräute in ihrem Geschäft. Viele von ihnen haben bereits vor der Hochzeit einmal Dirndl getragen, haben zwei, drei Exemplare bei sich im Schrank hängen.

 

Skeptische Blicke

Am Tag der offenen Tür habe sie auch einige skeptische Blicke von Besucherinnen empfangen, die ihren Laden betreten haben, gesteht Hirschi. Aber wenn sie erklärt habe, wie die Kleider funktionieren und wie sie sich kombinieren lassen, habe sich der Gesichtsausdruck meist sofort verändert. Viel positives Feedback hat sie von den Männern bekommen. "Sie schauen die Brautkleider auf der Website an und sagen: Wow, sieht das gut aus!"

 

Hirschi ist gespannt, wie es weiter geht, wie sich ihr Traum entwickelt. Als nächsten Schritt sieht sie eine Sortimenterweiterung vor. Zu den Dirndl-Kleidern sollen "feenhafte" Kleider dazu kommen, wie Hirschi sie nennt. Wenn das Geschäft noch etwas besser angelaufen ist, möchte Hirschi ausserdem ihre Tochter nachziehen. "Sie ist genau so begeistert von den Brautkleidern wie ich", sagt Hirschi. Ihre Tochter helfe bereits im Hintergrund mit. Auch ihr Mann hat schon angepackt und die Gestelle für die Brautkleider selber angefertigt. Diese Zusammenarbeit in der Familie findet Hirschi sehr schön. "Ich muss dabei nicht reich werden", sagt sie. Es bedeute ihr sehr viel, eine schöne Aufgabe zu haben und in Grosshöchstetten etwas so Besonderes zu kreieren.

 

[i] www.brautwiese.ch

Wedding und Trachten Couture: Braut- und Bräutigammode, Kleider für Blumenkinder.

Dorfstrasse 30, 3506 Grosshöchstetten

 

Öffnungszeiten:

Dienstag 10 bis 12 Uhr
Mittwoch 14 bis 16 Uhr
Donnerstag 14 bis 16 Uhr
Freitag und Samstag nach Voranmeldung
unter 079 948 41 85 


Autor
Annalisa Hartmann, annalisa.hartmann@bern-ost.ch
Nachricht an die Redaktion
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Erstellt: 14.05.2019
Geändert: 14.05.2019
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