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Caffè Julia: "Wir wollen nicht zuhause jammern"

Die Coronakrise macht vielen Unternehmen zu schaffen. Gastro-Betriebe versuchen mit Take-Away zu retten was zu retten ist. Das gestaltet sich selten rentabel. Statt mit dem Schicksal zu hadern, wird das Caffè Julia in Münsingen kreativ und gibt Vollgas. Dabei steht Gewinn nicht im Vordergrund.

Thomas und Julia Zahnd öffnen ihr Kaffee die ganze Woche statt zu schliessen. (Bild: zvg)

Auf dem Facebook-Profil vom Caffè Julia ist viel los momentan. In seinem neusten Video lüftet Thomas Zahnd, der mit seiner Frau Julia das Kafi betreibt, das Geheimnis seiner speziellen Gipfeli und zeigt wie man die zuhause nachbacken kann. Einige Tage zuvor war die Züpfe dran. In anderen Videos thematisiert der augebildete Barista vorallem Kaffee.

 

Die Idee sei schon vor der Corona-Pandemie entstanden. Aber jetzt sei eine gute Gelegenheit, sie umzusetzen, sagt Zahnd. Die Beiträge kommen gut an. Dennoch meint der Kafi-Betreiber: "Das ist zwar schön, aber von den Likes können wir uns nichts kaufen. Wenn ich diese Personen alle im Laden sehen würde. Das würde helfen." Grosse Auswirkungen auf die Kundschaft und den Umsatz hat die Aktivität auf den sozialen Medien scheinbar nicht. "Ich möchte die Leute einfach mitnehmen und ihnen unsere Produkte näher bringen", sagt Zahnd.

 

Flucht nach vorne

Auch wenn die Kund*innen fehlen, resignieren Thomas und Julia Zahnd nicht. Im Gegenteil. Nach dem Lockdown im Frühling sei das Geschäft so gut wie noch nie gewesen. Als jedoch im Oktober die Maskenpflicht kam, sei der Umsatz massiv eingebrochen. In der Folge öffneten Zahnds das Kafi nur noch am Wochenende. Im Dezember wurden die Massnahmen verschärft und Gastro-Betriebe mussten schliessen. Da beschloss das Ehepaar die Flucht nach vorne. Sie begannen mit der Produktion der Videos und boten gleich sieben Tage in der Woche Take-Away an.

 

Rentiert das? "Kaum." Ist das nicht anstrengend? "Natürlich!" Der gelernte Motorradmechaniker sieht es aber auch positiv: "Für mich ist das kein Müssen. Ich habe das grosse Glück etwas zu tun, das ich gerne mache." Die erneute Schliessung löste eine Trotzreaktion aus. Allerdings eher eine mit erhobenen Fäusten, statt mit verschränkten Armen. "Wir wollten nicht zuhause sitzen und jammern. Das machen schon genug, und bringen tut es nichts. Wir möchten einen Gegenstoss machen und aktiv werden in der Hoffnung, dass sich andere davon anstecken lassen", sagt Zahnd.

 

Hoffnung auf Umdenken

In dieser Situation hilft es, einen Familienbetrieb zu führen. "Ohne meine Frau könnte ich das nicht schaffen", meint Thomas Zahnd. So denkt er auch, die Krise überstehen zu können. Der Kaffee-Experte wünscht sich jedoch, dass in dieser Zeit ein Umdenken stattfindet: "Die Leute sollten dauerhaft das lokale Gewerbe unterstützen und nicht, wie nach dem letzten Lockdown. Über kurze Zeit kamen extrem viele Kund*innen. Doch schon nach wenigen Wochen stellte sich wieder Normalbetrieb ein und viele holten erneut den Kaffee beim Avec."

 

 

[i] Die Videos und mehr Infos zum Caffè Julia auf facebook.com/caffejulia oder caffejulia.ch


Autor*in
Adrian Kammer, adrian.kammer@bern-ost.ch
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Erstellt: 21.01.2021
Geändert: 21.01.2021
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