Campingbesitzerin bittet, die Tiere im Bach zu schonen
Die anhaltende Trockenheit macht sich auch an der Rotache bemerkbar. Beim Camping Wydeli in Brenzikofen führt der sonst munter sprudelnde Bach inzwischen so wenig Wasser, dass Betreiberin Brigitte Eicher ihre Gäste via Facebook bittet, auf das Baden und Spielen im Bach zu verzichten: Damit sollen die Fische und ihr Lebensraum geschont werden.
Die Trockenheit hat ein neues Maximum erreicht, nach den Feldern trocknen jetzt auch die Bäche aus. Zum Beispiel die Rotache beim Campingplatz in Brenzikofen. «Es het würklech nümme viu Wasser im Bach», postet Brigitte Eicher, Besitzerin des Campingplatzes Wydeli, auf Facebook. Deshalb sollen die Gäste vorläufig nicht mehr im Bach baden oder spielen: «Lö mer dä Tierli der Läbensruum, wo si no hei.»
Forellen, Ringelnattern und Krebsli leiden
Für den Campingplatz ist eine solche Bitte bemerkenswert, denn die Rotache gehört hier sozusagen zum Ferienerlebnis: Der Camping Wydeli liegt direkt am Bach, und insbesondere für Kinder ist das Spielen am und im Wasser normalerweise eine der schönsten Attraktionen. Ebenso normalerweise sei das auch nicht störend für die Natur, erklärt Campingplatz-Besitzerin Brigitte Eicher. Sie sitzt selbst gern am Bach und beobachtet die Forellen, Groppen, Ringelnattern und Krebsli, die sich darin tummeln.
Jetzt aber hat sie festgestellt: «Die Steine ragen so hoch aus dem Wasser, wie ich es noch nie zuvor gesehen habe.» Ausserdem hat sie immer öfter mitbekommen, wie Kinder erzählen, sie hätten Fischli oder Krebsli gesichtet. Das sei ebenfalls nicht normal, denn die kleinen Bachbewohner seien üblicherweise schüchtern und würden sich nur zeigen, wenn man lange geduldig dasitze.
Ganz persönliche Bitte zum Schutz der Natur
Am Mittwochmittag beschloss Brigitte Eicher deshalb, es müsse etwas gehen, um die gestressten Tiere zu schonen. Kurzerhand stellte sie den obgenannten Aufruf auf Facebook. «Ganz inoffiziell, nur als persönliche Bitte zum Schutz der eh schon geplagten Lebewesen», betont sie. Die Aktion stiess offenbar ringsum auf Verständnis.
Was aber ist mit dem Schwimmbad des Campings? Das 20-Meter-Becken ist eng mit dem Bach verbunden, weil es mit Wasser aus der Rotache gefüllt wird. «Die Farbe des Beckenwassers ist davon abhängig, wie klar das Bachwasser beim Wasserwechsel ist», heisst es auf der Website des Campings. Und zurzeit? «Bisher ist das Wasser noch einigermassen kühl und klar», sagt Brigitte Eicher.
Wasser fliesst oben drüber wieder in den Bach
Ihr Bad dürfen die Gäste trotzdem ungeniert geniessen: «Wir entnehmen der Rotache letztlich kein Wasser», erklärt die Campingbetreiberin. Oft lassen sie und ihre Mitarbeitenden das Wasser durchfliessen, das heisst, die Menge an Wasser, die in das Bad hineinfliesst, fliesst oben drüber wieder hinaus in den Bach. «So gibt es einen Austausch des Wassers im Schwimmbad ohne Wasserverlust im Bach», erklärt sie.
Regelmässig lässt sie jedoch auch das Wasser aus dem Pool ganz in die Rotache eabfliessen, damit es komplett mit frischem Bachwasser ersetzt werden kann. «Diesmal warte ich damit», hat sie beschlossen: Sie hofft, dass der angekündigte Regen nächste Woche dem Bach wieder ein bisschen frisches Wasser beschert, bis dahin will sie die Natur möglichst wenig stören.
Erstmals ein solcher Aufruf nötig
Ragen dann die Steine nicht mehr so hoch aus dem Wasser, wird sie den kompletten Wasserwechsel nachholen. Und dann dürfen sich auch die Kinder wieder am Bach vergnügen. Brigitte Eicher überlegt kurz. «Einen solchen Aufruf musste ich noch nie machen», sagt sie dann. Sie führt den Camping in dritter Generation und erinnert sich nicht, dass so etwas früher einmal nötig gewesen wäre. Aber sie ist froh, hat sie reagiert: «Ich habe mich der Natur zuliebe dafür entschieden.»
Camping Wydeli: Klein und familienfreundlich…
Der Campingplatz Wydeli liegt an der Wydeli 60 in Brenzikofen und wird als familienfreundlicher Camping in der Natur beschrieben. Der rund zwei Hektaren grosse Campingplatz zwischen Bern und Thun bietet Platz für 75 Saisonmieter sowie 15 Durchgangsplätze. Zum familienfreundlichen Angebot gehören neben dem Schwimmbad ein grosser Spielplatz mit drei Grillstellen und ein kleines Restaurant.
… und mit langer Tradition
Die Verbindung zwischen dem Wydeli und der Rotache reicht weit zurück. Laut der Geschichte des Familienbetriebs wurde bereits vor dem Zweiten Weltkrieg darüber nachgedacht, an der Rotache eine Badeanstalt zu errichten. Christian Eicher, der die Geschichte des heutigen Campings 1958 niederschrieb, erinnerte sich daran, dass dem Wasser der Rotache im Volksmund sogar eine besonders gesundheitsfördernde Wirkung nachgesagt wurde.