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Christina Zurbuchen aus Kiesen: Verwaltungsangestellte mit luftiger Leidenschaft

Der freie Fall. Was für viele eine Horrorvorstellung ist, ist das, was Christina Zurbuchen (32) immer wieder sucht. Die Angestellte der Kiesener Gemeindeverwaltung springt in ihrer Freizeit mit einem Fallschirm am Rücken aus dem Flugzeug. Es ist aber nicht nur dieser freie Fall, der sie an ihrem Hobby so fasziniert.

"Das Gefühl des freien Falls ist etwas ganz Spezielles": Christina Zurbuchen beim Sprung über der Aare zwischen den Dörfern Leuzigen und Arch. Von der unteren Bildkante gerade abgeschnitten liegt der Flugplatz Grenchen mit der Dropzone von SkyDive. (Bild: zvg)

«Im freien Fall zu sein, dieses Gefühl zu erleben – das ist etwas ganz Spezielles», sagt Christina Zurbuchen. Vor zwei Jahren kam sie durch einen Tandemsprung auf den Geschmack. Diesen Sommer hat sie ihr Brevet als Fallschirmspringerin gemacht. «Es ist ein sehr faszinierendes Hobby. Es ist mehr, als einfach nur aus dem Flugzeug zu springen», sagt sie. Man müsse dazu fit sein und den Kopf bei der Sache haben.

 

Während eines Jahres lernte Zurbuchen alles, was es zum Fallschirmspringen braucht: Auf welcher Höhe über dem Boden was möglich oder zu tun ist. Verschiedene Sprünge, Saltos und Drehungen in der Luft. Wie sie andere Springer*innen anfliegen kann. Wann der Fallschirm geöffnet und die Landung vorbereitet werden müssen und was zu tun ist, wenn sich der Hauptschirm nicht öffnet und der Reserveschirm gebraucht wird. Um nur einige Inhalte ihrer Ausbildung zu nennen.

 

Rundum fasziniert vom Fliegen

Es ist denn auch das ganze Rundherum, was Zurbuchen an ihrem Hobby so fasziniert. «Im Flieger zu sein gefällt mir, daraus zu springen, der freie Fall. Aber auch der Schirmflug ist etwas ganz Schönes und das Zusammensein mit den anderen Springer*innen.» Zudem begleitet die Leidenschaft für die Fliegerei die gelernte Detailhändlerin schon länger: «Knapp acht Jahre habe ich in Belp als Flight Attendant gearbeitet und war fast täglich mit dem Flugzeug unterwegs.»

 

Zurbuchen ist Mitglied des 150 Mitglieder zählenden Vereins Skydive Grenchen, bei dem sie auch für die Geschäftsstelle und das Sekretariat angestellt ist. Meistens arbeitet sie dafür von Zuhause in Kiesen aus. «Es ist sehr interessant. Wenn ich am Wochenende selber springen gehe, sehe ich, was ich durch die Woche alles organisiert habe», sagt sie. Besonders schön sei es zum Beispiel, wenn sie dann mit einem*einer Tandemspringer*in, mit dem*der sie zuvor Kontakt hatte im selben Flugzeug sitze.

 

Dreh- und Angelpunkt Kiesen

Neben diesem Job arbeitet Zurbuchen in ihrem Wohnort auf der Gemeindeverwaltung. «Die anderen hundert Prozent neben dem Arbeiten bin ich für meinen 6-jährigen Sohn Damian da», sagt sie. Er sei auch schon auf dem Flugplatz gestanden und helfe ihr manchmal, den Fallschirm zu packen. Das Hobby seiner Mutter mache ihm keine Angst. «Für ihn ist das normal», sagt Zurbuchen. Mit ihm wohnt sie seit drei Jahren in Kiesen, dessen gute Anbindung in Richtung Bern und ins Oberland die ursprünglich aus der Jungfrau-Region Stammende schätzt.

 

Ihr Weg von Kiesen aus wird weiterhin oft nach Grenchen auf den Flugplatz führen, jetzt, wo sie das Fallschirm-Brevet hat. Weitertreiben wird sie ihr Hobby aber wohl nicht, auch wenn nun auch die Teilnahme an Wettkämpfen eine Möglichkeit wäre. «Dafür bin ich zu alt, und ich springe zur Freude», sagt Zurbuchen. Träume hat sie aber schon: «Einen Ballon-Jump würde ich gerne mal machen», sagt sie. «Wenn du aus dem Ballon springst, ist es rundherum still.» Und noch ein Erlebnis «gluschtet» sie: Ein Nachtsprung.


Autor*in
Isabelle Berger, isabelle.berger@bern-ost.ch
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Erstellt: 21.11.2020
Geändert: 21.11.2020
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