«Da liefen uns die Tränen runter»
Die Schisshüsler sind eine Münsinger Fasnachtstruppe, die jedes Jahr zu Fuss an die Berner Fasnacht marschiert. BERN-OST wollte wissen, wie sie diesmal den 13 Kilometer langen Marsch erlebt haben.
17 Mannen aus Münsingen schliessen sich zur Fasnacht zu den Schisshüslern zusammen. Sobald die Münsinger Fasnacht überstanden ist, ziehen sie am Donnerstag zu Fuss an die Fasnacht in der Bundesstadt. So auch letzte Woche. Ein paar Tage später berichten wir – wie die alte Fasnacht – über die beschwerliche Reise der Schisshüsler nach Bern.
BERN-OST: Wie lange benötigt ihr zu Fuss mit dem Anhänger bis Bern?
Antonio Bauen: Es sind 13 Kilometer, die Marschzeit wäre etwa drei Stunden. Da ist aber noch unser Anhänger, das Traumschloss, mit einem Gewicht von etwa einer Tonne, was das Ganze verlangsamt.
Dazu kommt die trockene Luft, da muss man die Kehle schon regelmässig befeuchten! Da es auf dem Weg nach Bern kaum noch Beizen gibt, wird das immer schwieriger. Glücklicherweise wurden uns auf dem Weg von Privaten mehrere Apéros serviert.
Gestartet sind wir am Donnerstag um elf Uhr elf, auf der Kirchenfeldbrücke angekommen sind dann um 17 Uhr.
Was war am Schwierigsten?
Die Königsetappe ist immer der Allmendingenstutz. Er wird immer etwas steiler, aber wir haben es bis jetzt immer geschafft und nur mit Muskelkraft!
Wie reagieren Autofahrer und Passanten?
Die allermeisten Autofahrenden, auch die Handwerker und die Lastwagenfahrerinnen winken herzlich und beschwingt, was sehr schön ist. Mittlerweile kennen uns viele Leute und wissen ungefähr, wann wir vorbeikommen.
Es gibt Leute, die auf uns warten und uns am Strassenrand empfangen und anfeuern. Sie bringen uns etwas zu trinken oder zu knabbern, offerieren uns Kaffee und Kuchen oder laden uns zu einem Bier ein.
Was ist steckt hinter den Traumprinzen?
Wir Schisshüsler versuchen uns immer nach dem Motto der Münsinger Fasnacht zu richten. Dieses Jahr war das Motto: Traumfabrik.
Wir haben keine Traumfabrik gebaut, sondern ein viertürmiges Traumschloss mit Froschteich und wir als Traumprinzen. So sind wir dieses Jahr mit 17 Traumprinzen und einem Froschkönig nach Bern gezogen.
Wie ist das Gefühl in Bern einzulaufen?
Neben dem Allmendinger ist dies das zweite grosse Highlight! Es ist so ein unglaubliches Glücksgefühl über die Kirchenfeldbrücke einzulaufen. Mit Blick auf Bundeshaus und Münster, beschwingt und immer noch fit in die Fasnacht einzutauchen. Dem einen oder anderen entrinnt da schon eine Glücksträne.