Ohne neue Kandidaten droht Niederhünigen die Fusion
Seit Anfang Jahr fehlt ein Mitglied im Gemeinderat von Niederhünigen. Die Suche nach einem Nachfolger oder einer Nachfolgerin verlief bisher erfolglos. Gemeindepräsident Anton Schmutz sagt im Interview, warum dies heute so schwierig ist und ob die Gemeinde fusionieren sollte.
BERN-OST: Anton Schmutz, wie lange darf man mit einem Gemeinderat weniger weiterregieren?
Anton Schmutz: Bei sieben Sitzen muss man mindestens vier Gemeinderäte haben, damit man beschlussfähig ist. So schreibt es der Kanton vor. So dringend ist es also nicht, aber die Arbeit muss natürlich trotzdem gemacht werden. Wenn jemand fehlt, verteilt sie sich auf die übrigen Mitglieder des Gemeinderats.
Warum ist es so schwierig, jemand zu finden?
Wenn ich mit den Leuten spreche, höre ich immer wieder, dass sie engagiert sind mit Familie und Beruf. Dass die Eltern eingebunden sind und sich so ein zusätzliches Amt schlecht verträgt oder es sind noch Hobbys vorhanden, die Vorrang haben.
Häufig hören wir auch, dass Eltern sagen, jetzt wo die Kinder erwachsen sind, wollen sie sich nicht mehr für ein Amt verpflichten, wo man regelmässig zur Verfügung stehen muss.
Das war doch früher auch schon so.
Ich denke, es ist ein gesellschaftliches Problem. Man fühlt sich weniger verpflichtet, ehrenamtliche Aufgaben anzunehmen. Kommt dazu: Das Amt wird zwar entschädigt, aber nicht so hoch. Als Gemeinderat erhält man 2000 Franken im Jahr. Vom Pensum her sind es zwölf Sitzungen – was pro Jahr etwa 60 Stunden entspricht. Dazu kommen noch Arbeiten im eigenen Ressort.
Sonst müssen wir uns ernsthaft überlegen, ob Niederhünigen noch eine Daseinsberechtigung hat.
Haben sich seit Ihrem letzten Aufruf Leute gemeldet?
Nein, da wir in Niederhünigen keine Parteien haben, suchen wir die Leute selbst. Bisher haben wir jeweils nach etwa 20 Anfragen jemanden gefunden.
Sind Sie noch zuversichtlich, jemanden zu finden?
Ich hoffe es, sonst müssen wir uns ernsthaft überlegen, ob die Gemeinde noch eine Daseinsberechtigung hat. Bei der Gemeindeverwaltung haben wir letztes Jahr grünes Licht erhalten, die Zusammenarbeit mit der Nachbargemeinde auszubauen. Diese wird künftig nach Konolfingen ausgelagert. Falls sich keine Gemeinderatskandidatinnen und -kandidaten finden lassen, wäre der nächste Schritt eine Gemeindefusion. Auch ich werde auf Ende Jahr zurücktreten.
Wie stehen Sie zu einer allfälligen Fusion?
Ich vertrete die Meinung des Gemeinderats. Zentrale Elemente für die Eigenständigkeit der Gemeinde sind: Eine eigene Schule, eine funktionierende Verwaltung und Bürgerinnen und Bürger, die bereit sind, Behördenaufgaben zu übernehmen.
Was sollte eine Person mitbringen, um im Gemeinderat mitzumachen?
Das Wesentliche ist ein politisches Interesse, auch den Willen, etwas in Niederhünigen bewegen zu wollen und vorwärtszubringen. Die fachlichen Voraussetzungen kann man sich aneignen. Wir haben auch noch die Gemeindeverwaltung, die hilft, Fragen zu beantworten.
Lieber Mann oder Frau?
Wir waren bisher ausgewogen, aktuell sind wir noch drei Frauen und drei Männer im Gemeinderat. Wir sind da sehr offen.
Interessierte können sich bei Gemeindepräsident Anton Schmutz melden. Die Ersatzwahl für den Gemeinderat ist für die Gemeindeversammlung vom 1. Juni geplant.
Niederhünigen hat 712 Einwohnerinnen und ist eine typische Landgemeinde südöstlich von Konolfingen. Der eigentliche Dorfkern liegt am östlichen Rand des „Moos“, des ehemaligen Überschwemmungsgebietes der „Chise“ auf etwa 680 m.ü.M.