Das grossartige kleine Hobby

«Das Haus entstand in meinem Kopf»

Tafelparkett im Wohnzimmer, ein Holzkochherd in der Küche und eine Badewanne aus Holz im Badezimmer: Was nach einem echten Haus klingt, gehört zu einem detailreichen Puppenhaus, das Pierre Blanc in aufwendiger in Handarbeit baut.

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Pierre Blanc und sein mit viel Leidenschaft selbst erstelltes Werk. (Bild: pg)

Im Keller von Pierre Blanc aus Worb stehen keine Vorräte, sondern eine kleine Werkstatt, die vor allem auf Miniaturarbeiten ausgerichtet ist. Hier arbeitet er seit drei Jahren an einem etwas überraschenden Projekt – an seinem vollständig eigenen Puppenhaus.

 

Wie kommt ein Rentner auf eine solche Idee? «Bei einem Besuch in England habe ich ein solches Haus gesehen. Meiner Frau und mir hat das so gut gefallen, dass ich kurze Zeit später einen Puppenhaus-Bausatz zu Hause zusammengebaut habe», erinnert sich Blanc.

Pierre Blanc ist gelernter Maurer, absolvierte später die Polierschule und arbeitete unter anderem bei der Denkmalpflege sowie als Restaurator. Der Umgang mit Holz gehörte dabei stets zu seinem Berufsalltag. «Ich habe schon vorher verschiedene Modellbausätze zusammengesetzt», erzählt er. «In der Pension wollte ich etwas mehr machen, als den ganzen Tag Sudoku zu lösen», sagt er lachend. Nach dem ersten Bausatz begann er deshalb, ein komplett eigenes Puppenhaus zu entwerfen.

 

«Bis auf ganz wenige Sachen ist alles Handarbeit», erzählt er. Selbst für den erwähnten Tafelparkett hat Blanc jedes Holzstückchen selbst zugesägt und verlegt. Ebenso hat er die Küche selbst entworfen: «Alls Schubladen und Türchen lassen sich öffnen», sagt er stolz und demonstriert es. Tatsächlich: Die Griffe an der Küchenfront sind zwar kaum greifbar, da sie so klein sind, aber sie lassen sich alle öffnen.

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Das Badezimmer ist mit den vielen Kleinigkeiten ausgestattet. Untern links der selbstgemachte Tafelparkett. (Bild: pg)

Nicht nur die Küche sorgt für Staunen. In jedem Zimmer sind Lampen eingebaut, die tatsächlich funktionieren. «Die Lampen habe ich ebenfalls selbst hergestellt. So klein wie sie sind, war das ziemlich knifflig», erzählt Blanc.

 

Eine der grössten Herausforderungen befindet sich an einer Stelle, die auf den ersten Blick kaum auffällt. «Beim Balkongeländer musste ich etwa zehnmal neu beginnen. Beim Bohren ist mir immer wieder eines der dünnen Hölzchen gerissen.» Das habe ihn viele Nerven gekostet und zwischendurch auch zu mehrtägigen Pausen gezwungen.

 

Auch das Badezimmer entstand weitgehend in Eigenarbeit. Von der Badewanne über die Armaturen bis zur Handtuchheizung und sogar bis zum WC-Papier fertigte Blanc fast alles selbst an. Lediglich den Mosaikboden kaufte er fertig.

Je länger man das Haus betrachtet, desto mehr Details entdeckt man. So verfügt das Haus nicht nur über ein Büro, sondern sogar über einen Computer mit kleinen Lämpchen. «Ich musste mir von Anfang an überlegen, wo später Lampen eingebaut werden sollen. Die Leitungen mussten verlegt sein, bevor die Böden eingebaut wurden», erklärt Blanc.

 

Einen eigentlichen Bauplan gab es nie. «Das Haus entstand in meinem Kopf», sagt er. Dennoch musste jeder Arbeitsschritt sorgfältig vorausgedacht werden. «Wenn ein Stockwerk fertig war, konnte ich gewisse Teile darunter nicht mehr austauschen, weil ich später nicht mehr herangekommen wäre.»

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In der kleinen Küche lassen sich tatsächlich alle Elemente öffnen. (Bild: pg)

Besonders anspruchsvoll sei die Küche gewesen: Schon Abweichungen von einem Millimeter seien sichtbar und könnten dazu führen, dass einzelne Elemente nicht mehr exakt zusammenpassen. Und tatsächlich, da ist nirgendwo ein Millimeter zu viel oder zu wenig, da kommt man gar nicht mehr aus dem Staunen.

 

Werden die Hauswände geschlossen, fallen die filigranen Balkonstützen, die massgefertigten Fenster und das Dach mit seinen einzelnen Ziegeln ins Auge.

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Die Bilderschirme vom Computer sind mit einem Hintergrund und Licht ausgestattet. Zwei Details von unglaublich vielen. (Bild: pg)

Noch ist das Puppenhaus nicht fertig. Das Büro soll weitere Bücher erhalten, das Kinderzimmer ein Kajütenbett. Zudem wartet ein Zimmer noch auf seine Bestimmung. «Ich weiss noch nicht genau, was dort entstehen soll», sagt Blanc. Vielleicht eine Werkstatt wie seine eigene, vielleicht eine Garage oder etwas ganz anderes. Derzeit verbringt er jede Woche vier bis fünf Stunden mit seinem Projekt.

 

Bis Pierre Blanc sein Werk als vollendet betrachtet, wird noch einige Zeit vergehen. Und was passiert danach? «Dann bekommt es einen schönen Platz im Wohnzimmer, wo wir es immer wieder bestaunen können», sagt er.

 

Bespielt wurde das bestehende Puppenhaus bisher nur wenige Male von den Grosskindern. Dabei war allerdings grösste Sorgfalt gefragt, genau jene Sorgfalt, mit der Pierre Blanc sein Miniaturhäuser Stück für Stück erschafft.


Autor:in
Pascale Groschel, info@bern-ost.ch
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Erstellt: 28.06.2026
Geändert: 28.06.2026
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