«Das Waldbrandlöschmodul hat sich zum ersten Mal bewährt»
Ein Feuerverbot herrscht zurzeit im Kanton Bern nicht. Im Wald bei Vielbringen ist es aber anfangs Woche bereits zu einem Glimmbrand gekommen. Dieser konnte dank einem speziellen Löschmodul rasch gelöscht werden. Wir haben Christoph Bigler, den technischen Mitarbeiter der Feuerwehr Worb, zur Lage befragt.
In der Sommerhitze trocknen Gärten, Felder und Wälder immer mehr aus. Anfang Woche erhielt die Feuerwehr Worb einen ersten Alarm wegen einem Glimmbrand im Wald zwischen Wislepark und Vielbringen. Christoph Bigler, von der Gemeinde als technischer Mitarbeiter der Feuerwehr Worb angestellt, rückte aus und konnte den Glimmbrand rasch unter Kontrolle bringen. Er hat dabei zum ersten Mal sein eigenhändig zusammengestelltes Waldbrandlöschmodul ausgetestet. Wir wollten von ihm wissen, wie der Einsatz ablief und wie gross in unseren Wäldern momentan die Brandgefahr ist.
Christoph, am Montagnachmittag bist du zu einem Glimmbrand im Wald ausgerückt. Was ist genau passiert?
Christoph Bigler: Ein Werkhofmitarbeiter sah es im Wald bei der Grillstelle der Holzergruppe der Männerriege Worb aus dem Boden räucheln und meldete uns den Glimmbrand. Sofort rückte ich um 15.28 Uhr aus, um den Glimmbrand unter Kontrolle zu bringen, bevor sich daraus ein grosser Brand entwickelt.
Laut Einsatzbericht bist du mit einem Waldbrandlöschmodul ausgerückt: Was kann ich mir darunter vorstellen?
Das ist ein Modul, das ich vor drei Jahren eigenhändig und dadurch kostensparend zusammengebaut habe, weil man auf schmalen Waldwegen mit einem Feuerwehrauto oft kaum durchkommt. Dieses Spezialmodul ist mit einem 300-Liter-Wassertank und diversen Waldgeräten ausgestattet und lässt sich ganz einfach auf einen unserer Pick-Ups montieren.
Und damit kommt ihr überallhin?
Genau, damit kommen wir ganz einfach durch den Wald und zu den Brandstellen. Am Samstag haben wir das Modul fixfertig vorbereitet, weil der Kanton die Gefahrenlage um eine Stufe erhöht hat, und am Montag kam das Modul bereits zum Einsatz – zum allerersten Mal!
Und die 300 Liter Wasser reichen?
Ja, damit kommt man erstaunlich weit, ich habe bei diesem Einsatz nur ungefähr die Hälfte benötigt. Und entpuppt sich ein Brand als grössere Sache, muss ich ohnehin nachalarmieren.
Man könnte also sagen, dein Waldbrandlöschmodul habe sich bei seinem ersten Einsatz bewährt.
Ja, das kann man so sagen, es funktionierte super. Das Modul lässt sich übrigens auch für Feldfeuer gut einsetzen: Diese passieren oft auf abgemähten, sehr trockenen Feldern. Dort könnte man mit dem Modul der voranschreitenden Feuerlinie folgen, die meist nur 20 Zentimeter hohen Randfeuer bekämpfen und damit eine Ausbreitung verhindern.
Was hat denn in Vielbringen den Glimmbrand ausgelöst: Lag es an einem schlecht gelöschten Feuer?
Das liess sich nicht feststellen: Der Glimmbrand lag zwei Meter vom Grill entfernt, es ist also unklar, ob das ein Funke aus der Feuerstelle war, und auch, ob dieser vielleicht schon am Sonntag gesprungen ist.
Am Sonntag? Und da hat es am Montag nicht schon lichterloh gebrannt?
Nein, der Waldboden ist an dieser Stelle nicht mit Laub bedeckt, sondern eher erdig, oder eben torfig, da mottet es eher. Zurzeit ist im Wald immer noch viel grüner Jungwuchs zu finden, das hemmt die Brandentwicklung. Ob heisse Asche die Ursache war, lässt sich daher nicht verifizieren.
War das bisher der einzige Glimmbrand rund um Worb?
Tatsächlich war dies der erste und bisher einzige Fall. Wir rechnen aber jederzeit mit mehr Meldungen: Die Situation ist heikel, und eigentlich waren wir überzeugt, der Kanton setze die Waldbrandgefahr auf das Wochenende hin um eine Stufe hinauf. Das hätte ein Feuerverbot bedeutet.
Und was müsst ihr in diesem Fall unternehmen?
Das bedeutet, dass wir bei allen Grillstellen Warn- und Feuerverbotsschilder aufstellen müssen. Zusammen mit den Werkhofmitarbeitern haben wir dieser Tage schon angefangen, die paar hundert Schilder bereitzustellen, jetzt warten wir noch. Wenn es dann soweit ist, patrouilliert vor allem an Wochenenden regelmässig die Feuerwehr rund um die Grillstellen.
Stattdessen hat der Kanton am Donnerstag mitgeteilt, man erwarte aufgrund des vorhergesagten Regens keine Verschärfung der Lage. Was aber, wenn vor dem Regen ein heftiges Gewitter mit vielen Blitzeinschlägen durchzieht?
Ich habe vor drei Wochen einen Kurs «Waldbrand» des Feuerwehrverbands besucht und dort erfahren, dass ein Blitzeinschlag nur sehr selten Auslöser von Waldbränden ist.
Was also ist der häufigste Auslöser?
Der Mensch. Sprich ein weggeworfener Zigarettenstummel oder ein schlecht gelöschtes Grillfeuer.
Hast du einen Tipp für jene, die noch rasch profitieren und ein Grillfeuer veranstalten, bevor allenfalls ein Feuerverbot herausgegeben wird?
Auch wenn kein offizielles Verbot besteht, rate ich unbedingt, zusätzlich zum Trinkwasser zwei alte Petflaschen mit Wasser zu füllen, damit man am Schluss das Grillfeuer damit gründlich löschen kann. Wenn ich mit meiner Familie im Wald ein Feuer mache, habe ich diese zwei Löschwasserflaschen immer dabei.
Die aktuelle Waldbrandgefahr liegt bei Stufe 3 von 5
Die Waldbrandgefahr werde im ganzen Kanton Bern als «erheblich» (Waldbrandgefahrenstufe 3) beurteilt, heisst es auf der Webseite der Feuerwehr Worb, und daher sei Vorsicht geboten. Ein allgemeines Feuerverbot ist zurzeit nicht in Kraft.
Die Wirtschafts-, Energie- und Umweltdirektion des Kantons Bern ruft aber ebenfalls zu erhöhter Vorsicht auf. «Hitze und Trockenheit haben die Waldbrandgefahr im Kanton Bern verschärft», heisst es in einer Kurzmitteilung: Sie werde derzeit als «erheblich» eingestuft (Stufe 3 von 5). Von einem Feuerverbot sehen die Regierungsstatthalterämter allerdings ab: «Mit den prognostizierten Niederschlägen in den kommenden Tagen bleibt die Situation angespannt, sollte sich aber nicht weiter verschärfen.»
Allerdings mahnen auch sie zur Vorsicht: «Bei Wind wird empfohlen, ganz auf Feuer zu verzichten. Wer ein Feuer im Freien macht, soll nur befestigte Feuerstellen nutzen. Feuerstellen müssen vor dem Verlassen vollständig gelöscht und abgekühlt werden. Sollte ein Feuer ausser Kontrolle geraten, ist unverzüglich die Feuerwehr unter 118 zu alarmieren.»