«Das heisst nicht, dass wir nicht noch mehr machen»
Der Schulweg für Kinder aus der Siedlung am Diessenberg führt über eine Strasse mit Tempolimit 50. Das sei trotz Fussgängerstreifen zu heikel, finden Eltern, und fordern zusätzliche Sicherheitsmassnahmen. «Die Gemeinde arbeitet daran», versichert die Gemeindepräsidentin.
Von Vechigen aus führt die Utzigenstrasse durch den Wald in Richtung Siedlung am Diessenberg hinauf. Der Schulweg für die Kinder aus der Siedlung führt vom Schulhaus her zuerst über eine Treppe durch den Wald hoch, dann kreuzt er die Utzigenstrasse kurz vor der Postautohaltestelle. Zwar kennzeichnet ein Fussgängerstreifen den Übergang, ein Schild weist auf den Streifen hin. Aber das erlaubte Tempo von 50 Stundenkilometern finden etliche Eltern zu schnell.
«Der Weg reicht nicht zum Stoppen»
Besonders Klaudia Jasinska, die mit ihren beiden Schulkindern im Alter von sechs und acht Jahren in der Siedlung Diessenberg wohnt, macht sich Sorgen. In einem Bericht der Berner Zeitung kritisiert sie: «Der Weg vom Schild, das den Fussgängerstreifen ankündigt, bis zum Streifen selbst reicht nicht zum Stoppen.» Sie hole deshalb ihre Kinder täglich dort ab und überquere die Strasse gemeinsam mit ihnen.
Mit ihren Sorgen ist sie gemäss diesem Bericht nicht allein: 44 Personen, die am Diessenberg wohnen und Kinder im Schul- oder Vorschulalter haben, fordern mit einer Petition einen sichereren Schulweg. Ihnen genügt offenbar die Stellungnahme von Gemeindepräsidentin Nadia Lützelschwab nicht: Diese beruft sich darauf, dass man in dieser Angelegenheit einen Verkehrsexperten konsultiert habe.
«Er ist für Kindergartenkinder tauglich»
Der Experte habe bestätigt, dass der Weg für Kindergartenkinder tauglich sei, wird sie zitiert. Und: «Wir haben alle notwendigen Massnahmen umgesetzt, damit der Schulweg den gesetzlichen Vorgaben entspricht.» Ausserdem gibt sie der Berner Zeitung gegenüber zu bedenken: «Eltern nehmen Bedrohungen der eigenen Kinder subjektiv wahr.» Das klingt nach wenig Verständnis für besorgte Eltern. Ist das so?
Auf Nachfrage verneint Nadia Lützelschwab vehement. Im Gegenteil, sie verstehe sehr gut, wenn Eltern sich sorgen. «Die Abklärung durch den Verkehrsexperten war ein erster Schritt», präzisiert sie. Diesen habe der Gemeinderat eingeleitet, nachdem sie zu Beginn ihrer Amtszeit gleich mehrere Anfragen von besorgten Eltern erhalten habe. «Es ging vorerst darum, sicherzugehen, dass die gesetzlichen Vorgaben erfüllt werden.» Erste Sofortmassnahmen beschloss der Gemeinderat bereits im Frühling. Mit dem Warnschild, dem neu gestrichenen Fussgängerstreifen und einem Baumrückschnitt sei alles vorschriftsmässig erledigt worden.
Tempo 30 goutieren nicht alle
«Das heisst aber nicht, dass wir nicht noch mehr machen», betont Nadia Lützelschwab. Selbstverständlich sei der Gemeinderat interessiert daran, die Schulwege möglichst sicher zu machen und weitere freiwillige Massnahmen zu prüfen und umzusetzen. Eine Tempolimite von 50 Stundenkilometern – auch wenn sie an sich gut eingehalten wird – könne hoch erscheinen. «Natürlich wäre Tempo 30, zumindest streckenweise, ein weiteres Mittel», findet sie. Nur: «Die Massnahmen müssen für alle Verkehrsteilnehmenden sinnvoll und umsetzbar sein.»
Ausserdem macht sie sich für weitere Massnahmen stark: «Im Herbst wird die Sicherheitslinie durchgezogen, so dass künftig auf diesem Abschnitt ein Überholverbot gilt», zählt sie auf, zudem soll die Beleuchtung verbessert werden. Der Gemeinderat überlege auch, ob man die Postautohaltestelle so legen könnte, dass Autos das wartende Poschi nicht überholen können. Zusätzlich könnte ein Schriftzug «Achtung Schulkinder» auf der Strasse die Autofahrerinnen und Autofahrer zur Vorsicht mahnen.
Oberstes Ziel lautet Sicherheit
Die Gemeinde sei durchaus bereit, auch Massnahmen über die gesetzlichen Vorschriften hinaus zu ergreifen, versichert Nadia Lützelschwab. «Allerdings hat das irgendwann auch Grenzen.» Zusammenfassend bringt sie es dennoch so auf den Punkt: «Wir sind eine grosse Gemeinde mit langen Schulwegen, und das oberste Ziel ist die Sicherheit der Kinder und Jugendlichen.»