«Das ist eine hohe Kunst»
Am Sonntag werden in einem Waldstück in Rubigen wieder Pferde Baumstämme aus dem Wald ziehen. Solche Einsätze sind heute selten geworden. Dabei hat das Holzrücken mit Pferden gegenüber modernen Forstmaschinen durchaus Vorteile. Fritz Moser erklärt, weshalb die traditionelle Arbeit bis heute ihren Platz hat und warum sie trotzdem kaum mehr eingesetzt wird.
Wenn ein Pferd einen Baumstamm durch den Wald zieht, wirkt das beinahe mühelos, wenn es gut ausgebildet ist. Während der Mensch hinter dem Tier läuft, es mit langen Leinen führt und Kommandos gibt, sucht sich das Pferd den besten Weg. Es umgeht dicke Wurzeln und zieht den Stamm genau dorthin, wo er hingehört.
«Der Noriker ist ein perfektes Rückepferd», sagt Fritz Moser. «Er ist mutig, steht auch an steilen Hängen sicher, bewahrt die Ruhe und kann auch schwere Stämme ziehen.»
Ein Vorteil von der Arbeit mit dem Pferd ist die Beweglichkeit auf kleiner Fläche. Gerade dieses präzise Arbeiten seien einer der grössten Vorteile gegenüber grossen Forstmaschinen. Diese Arbeiten von sogenannten Rückegassen aus. Dabei handelt es sich um schmale Fahrspuren im Wald, auf denen Maschinen fahren können, ohne die gesamte Fläche zu befahren. Mit ihrem Greifarm erreichen moderne Vollernter die Bäume seitlich der Gasse.
«Die Maschine schafft sich alles aus dem Weg, was ihr in die Quere kommt, da sie mehr Platz braucht zum sich bewegen. Ein Pferd kann gezielt durch den Bestand geführt werden und hinterlässt dadurch deutlich weniger Schäden.»
Auch Rückegassen könnten teilweise eingespart werden. In Rubigen ziehen die Pferde die Stämme zu den äusseren Rückegassen des Waldstücks. Dadurch können bei diesem Grundstück in Rubigen zwei Gassen im Innern des Waldes entfallen.
Das Pferd muss selbstständig denken
Für Aussenstehende sieht das Holzrücken oft einfacher aus, als es tatsächlich ist. Denn nicht nur der Pferdeführer muss konzentriert arbeiten, auch das Tier übernimmt einen grossen Teil der Aufgabe.
«Das Pferd muss sehr gut ausgebildet sein und die Kommandos akzeptieren», sagt Moser. «Beim Reiten kann man viel direkter auf das Pferd einwirken. Beim Holzrücken ist das oft nicht möglich. Hier muss das Pferd vor allem auf die Stimme reagieren.» Besonders anspruchsvoll werde es, wenn mehrere Gespanne gleichzeitig im Wald arbeiten oder wenn der Baumstamm an Hindernissen vorbeigeführt werden müsse.
«Nicht nur das Pferd muss den richtigen Weg nehmen, sondern auch der Stamm. Bleibt der Stamm an einem Hindernis hängen, ist dies für das Pferd unangenehm und das soll unbedingt vermieden werden.» Deshalb seien Pferd und Führer ein eingespieltes Team. «Das ist eine hohe Kunst.»
Wirtschaftlich hat die Maschine die Nase vorn
Trotz der Vorteile für den Wald ist das Holzrücken mit Pferden heute zur Ausnahme geworden. «Jeder Waldbesitzer entscheidet selbst, wie er seinen Wald pflegen möchte», sagt Moser. «Meist wird die günstigste Variante gewählt. Da haben wir gegen die Maschinen keine Chance.»
Ein moderner Vollernter fällt den Baum, entastet ihn und legt ihn innert weniger Minuten transportbereit ab. «Überall dort, wo die Bedingungen für Pferde ideal sind, kann meistens auch die Maschine gut arbeiten.»
Je nach Aufwand und Einsatz unterscheiden sich die Kosten deutlich. Während ein maschineller Einsatz rund 25 bis 45 Franken koste, müsse man bei Handfällung und Pferderücken mit rund 60 bis 100 Franken pro Kubikmeter Holz rechnen. «Die Mehrkosten entstehen nicht wegen des Pferdes, sondern weil die Bäume von Hand mit der Motorsäge gefällt werden.»
Mehr als ein Hobby
Für Fritz Moser steht dennoch nicht die Wirtschaftlichkeit im Vordergrund. Der pensionierte Forstwart ist seit rund 50 Jahren in der Forstbranche tätig und rückte selbst über zehn Jahre lang mit Pferden Holz. Seit 2019 engagiert er sich bei der Gruppe Forstpferde Schweiz.
«Wir machen das nicht beruflich, sondern in unserer Freizeit. Für Mensch und Pferd ist es eine sinnvolle Aufgabe. Am Schluss sieht man, was man gemeinsam erreicht hat.»
Die Arbeit sei allerdings körperlich anspruchsvoll. «Es ist ein Knochenjob. Mensch und Pferd müssen dafür trainiert werden.» Leistungsdruck gebe es trotzdem keinen. «Wenn wir merken, dass ein Pferd keine Lust mehr hat, hören wir auf. Uns ist wichtig, dass die Tiere Freude an der Arbeit behalten.»
Dass Holzrücken mit Pferden heute nur noch selten zu sehen ist, bedauert Moser zwar, nachvollziehen könne er die Entwicklung aber. «Es gibt nur wenige Waldbesitzer, die sich bewusst für diese Arbeitsweise entscheiden. Wirtschaftlich lässt sie sich heute kaum mehr betreiben.»
Am kommenden Sonntag wird in Rubigen von 8 bis 11 Uhr Holz mit Pferden gerückt. Das betroffene Waldstück liegt ausgangs Rubigen Richtung Beitenwil auf der linken Seite. Wer diese seltene Form der Waldarbeit kennenlernen möchte, kann den Einsatz vor Ort beobachten. Ursula Meier von Forstpferde Schweiz steht für Fragen rund um die Arbeit mit Rückepferden vor Ort zur Verfügung.