Der Ideenschmied und der Konstrukteur aus Walkringen
Manchmal entsteht Grosses, wenn zwei Menschen aufeinandertreffen. Das passierte, als zwei Männer einander in Walkringen begegneten: Tiefbauspezialist Andreas Künzler erfand vor zehn Jahren einen weltweit einzigartigen Schallschutz im Spezialtiefbau. Den gewitzten Ingenieur, der ihm später auch die Metallteile für Grossgeräte fertigen konnte, fand er in Claudio Assandri. Zusammen ergab das eine Welterfindung.
Wer schon erlebt hat, wie in einem bewohnten Quartier ein Haus rückgebaut wird, weiss: Der Lärm ist unerträglich. Besonders, wenn zur Sicherung der Baugrube sogenannte Spundwände in den Boden gerammt werden müssen, ist an Wohnen und Arbeiten kaum mehr zu denken. Andreas Künzler, technischer Mitarbeiter Spezialtiefbau und ehemaliger technischer Werkstattleiter, hat das auf Baustellen nur zu oft erfahren.
Den Lärm erträglich machen
Tiefbauspezialist Künzler sinnierte auf Abhilfe und erfand vor zehn Jahren zusammen mit seinem Chef einen weltweit einzigartigen «Schallschutz für Grossgeräte im Spezialtiefbau»: Dieser sollte den Lärm so weit reduzieren, dass er erträglich wird. «Ein solches Gerät gibt es – wie andere im Spezialtiefbau – nirgendwo auf der Welt zu kaufen», erklärt er. Derart spezielle Geräte müsse ein innovatives Unternehmen selbst herstellen und zertifizieren lassen: Künzlers Schallschutz wurde beim Europäischen Patentamt in München patentiert.
Gigantische Erfindung …
Die Konstruktion bewährte sich in vielen Einsätzen und lieferte laufend neue Erkenntnisse. Nach der Pensionierung erhielt Künzler von der innovativen Geschäftsleitung den Auftrag, diese Erfahrungen zu einem Schallschutz für grosse Rammgeräte weiterzuentwickeln und für neue Anforderungen zu optimieren. Sein Leitsatz lautet: «Mein Eisen macht keinen Lärm», und er machte sich enthusiastisch an die Arbeit.
… gegen riesigen Lärm
Bald präsentierte er seine einzigartige neue Lösung: Eine Schalldämpfung, die den Lärm um bis zu 25 Dezibel reduziert. «Es ist eine wahrhaft gigantische Erfindung», sagt er zufrieden: «Der Schallschutz muss ein Rammgerät abdämpfen, das fast dreissig Meter hoch ist und 112 Tonnen wiegt.» Die einzigartigen Metallteile dafür existierten noch nicht, gesucht war also ein Fachmann mit Weitblick, der ihm diese herstellen konnte.
Tiefbauspezialist und Metallkonstrukteur ticken gleich
Nebst solider Ingenieursarbeit musste er grosses Metallbauwissen mitbringen, um solche Metallteile anfertigen zu können. «Zudem ist mir eine regionale Zusammenarbeit wichtig», betont Andreas Künzler, der in Walkringen wohnt. Er machte sich im lokalen Netzwerk auf die Suche und fand diese Eigenschaften in Person von Konstrukteur und Apparatebauer Claudio Assandri. Dieser führt zusammen mit seiner Frau Renate in Schönbühl eine Metallbaufirma. «Bei einer ersten Sitzung verstanden wir uns auf Anhieb und fanden schnell zu einer Zusammenarbeit», erzählt Künzler. Vor allem zeigte sich schnell, dass Claudio Assandri, der Metallbau-Konstrukteur, und Andreas Künzler, der Tiefbauspezialist, sehr ähnlich ticken.
Zusammenarbeit mit lokalen Wurzeln …
«So entstand aus einem regionalen Netzwerk und einem glücklichen Zufall eine harmonische und sehr konstruktive Zusammenarbeit», freut sich Künzler. «Und damit bilden sich lokale Wurzeln.» Zugleich schloss sich überraschend ein Kreis, denn Renate Assandri entpuppte sich als Präsidentin des Frauenvereins Walkringen, und Künzlers Partnerin Renate Jeker hat nicht nur denselben Vornamen, sondern sitzt mit ihr zusammen im Vorstand – und alle wohnen in Walkringen. Das bildete einen schönen Rahmen zum spontanen Verständnis.
… und gewaltigen Dimensionen
Dieses Verständnis war letztlich entscheidend. «Der Schallschutz hat die gewaltigen Dimensionen von 25 Metern Höhe, vier Metern Durchmesser und fünf Tonnen Gewicht», erklärt Andreas Künzler. Nicht jeder Metallbau-Konstrukteur kann mit solchen Massen umgehen Claudio Assandri jedoch berechnet für ihn jeweils die gewünschten Komponenten und erstellt Fertigungszeichnungen in Kürze. «Seine rasche Auffassungsgabe und flexible Denkweise bringt Effizienz in die Konstruktion», sagt Künzler. Für ihn sei das ein grosser Glücksgriff: «Ich kann ihm irgendetwas erklären, er versteht blind, was ich meine, und setzt es um.»
Viel Wissen und grosse Leidenschaft…
Auch Claudio Assandri ist begeistert von der Zusammenarbeit: «Wir haben uns gefunden, es hat einfach gepasst.» Ihnen beiden liege partnerschaftliche Arbeit, und zusammen etwas zu entwickeln, mache grosse Freude. «Andreas hat ein enormes Wissen und grosse Leidenschaft für seine Sachen.» Während sie ihr Wissen zusammentragen und anhand von Skizzen etwas entwickeln und konstruieren, sprühen zwischen ihnen buchstäblich die Funken.
… für spontane Erfindungen
So haben die beiden unlängst innert zwei Tagen eine Draisine entwickelt für die Bauarbeiter, die im Weissensteintunnel die Wasserleitungen für das Löschwasser sanieren, und deren vier Kilometer langer Fussweg ins Tunnelinnere viel zu lange dauerte. Dafür organisierte Künzler kurzerhand einen E-Scooter, skizzierte ein paar Ideen für eine Draisine und gab sie an Assandri weiter. Dieser konstruierte daraus flink eine «E-Scooter-Draisine», die kurz darauf auf die Schienen gesetzt werden konnte und seither auf dem Weg in den Tunnel viel Zeit spart.
Keine Lösung gibt es nicht
Assandri lacht und sagt: «Durch Andreas sehe ich oft die Herausforderungen auf einer Baustelle, und dann weiss ich – was er mir in Auftrag gibt, muss schnell fertig werden, damit es schnell eingesetzt werden kann.» Keine Lösung zu finden gibt es für beide nicht, und sie schätzen aneinander die grosse Flexibilität und die Leidenschaft. Der konstruktive Austausch, finden sie, sei wichtig für ein Mammut-Projekt wie den gigantischen Schallschutz. Für Künzler und Assandri sind Schallschutz und Schienenscooter aber auch schöne Beispiele dafür, «wie aus einem lokalen Netzwerk und einem glücklichen Zufall eine gewaltige Zusammenarbeit entsteht».
Wer sehen möchte, wie der Schallschutz für Rammgeräte in Action funktioniert, sieht das auf der Website der Firma Grund- und Tiefbau Solothurn AG.
Wer mehr technische Erklärungen sucht, findet hier zusätzliche Informationen:
Um Spezialgeräte entwickeln zu können, muss man die Arbeitsabläufe und Trägergeräte auf der Baustelle von A bis Z kennen und vernetzt räumlich denken können. Den Prototypen, den Andreas Künzler vor zehn Jahren erfand, hat er seit seiner Pensionierung weiterentwickelt. Der neue Schallschutz ist komplett anders aufgebaut: Die Bauteile bestehen aus einem anderen Material und die ganze Statik ändert aufgrund eines neuen Erscheinungsbildes.
Grundlegende Fachdisziplinen wie Mechanik, Materialkunde, Statik, Hydraulik, Elektrik, Elektronik und Akustik sind die Bausteine dieser Konstruktion. Daher muss zum Fachwissen sehr viel vernetztes räumliches Denken vorhanden sein. Das, vermutet Andreas Künzler, sei vielleicht der Grund, dass es keine Hersteller gebe. Dazu sei die Akustik allein eine Herausforderung für sich. Auf jeder Baustelle gebe ausserdem andere Einflüsse: Bodenbeschaffenheit, Wetter und Umgebung haben Einfluss wie unterschiedlicher Schnee für die Wachswahl bei Skis.
Ingenieursarbeit und ein grosses Metallbauwissen brachte Konstrukteur und Apparatebauer Claudio Assandri in das Team. Er und Andreas Künzler ergänzen sich gegenseitig mit ihrer Berufserfahrung in den verschiedenen Techniken. Wer sehen möchte, was aus Metall alles machbar ist, findet das auf der Website der Firma Astromec in Schönbühl.