Abschied vom BuumeHus

Der Kulturverein kehrt zu seinen Wurzeln zurück

20 Jahre lang kümmerte sich der Kulturverein Oberdiessbach nicht nur um kulturelle Angebote im Dorf, sondern auch um das historische BuumeHus. Nun hat sich der Verein aus dem BuumeHus zurückgezogen, wird aber weiterhin aktiv bleiben.

image 957588
Rolf Fässler hinter dem Tresen des ehemaligen Lädelis. (Bild: pg)

Im Zentrum von Oberdiessbach steht seit 1845 ein Haus, das vor allem durch seinen Inhalt viel Geschichte erzählt. Bis in die 1990er-Jahre wurde der Dorfladen von der Familie Baumann geführt. Über all die Jahre wurde das Gebäude kaum umgebaut, sondern lediglich Stück für Stück instandgehalten. Als Mathilde Baumann starb, ging das Haus in den Besitz der Gemeinde über, allerdings unter der Bedingung, dass es in diesem Zustand erhalten bleibt und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird. Diese Aufgabe übernahm der Kulturverein während 20 Jahren.

 

Zeitzeugen an jeder Ecke

Rolf Fässler ist einer der Menschen, die sich in dieser Zeit besonders intensiv um das alte Gebäude gekümmert haben. «Die Familie Baumann warf kaum etwas weg, deshalb gibt es viele Gegenstände und Belege aus dieser Zeit. Vor allem die Geschichte des Detailhandels lässt sich hier belegen wie kaum sonst wo.» So unscheinbar das grosse Haus an der Hauptstrasse von aussen wirkt, umso faszinierender ist der Blick in die Räume. Diese erscheinen, als hätte noch gestern jemand darin gelebt und einfach die Türen geschlossen. «In den Einmachgläsern befinden sich noch heute die damals eingelegten Lebensmittel», erklärt Fässler. Er selbst kümmerte sich vor allem um die Instandhaltung des Gebäudes und registrierte über 1000 Gegenstände, hauptsächlich aus dem Laden, offiziell im Kulturgüterportal Nordwestschweiz.

 

Wenn Fässler durch das BuumeHus geht, entdeckt er an jeder Ecke neue Zeitzeugen, die von der Familie Baumann stammen. «Es gibt unglaublich viele Dokumente, Abrechnungen und Notizen aus dem Tagesgeschäft», sagt er fasziniert. Auch das Leben in der Wohnung über dem Laden scheint stehen geblieben zu sein. Bis in die 1990er-Jahre lebten die Baumanns dort. «Es gibt nur eine offene Küche mit offenem Rauchabzug und insgesamt 6 Öfen, um das Haus zu heizen, was eher ungewöhnlich ist.»

 

Sonderausstellungen und Sommerfeste

Der Kulturverein organisierte immer wieder neue Sonderausstellungen. «Die letzte von uns zusammengestellte Sonderausstellung war ‹Frauenträume›, die aktuell noch zu sehen ist», sagt Fässler. Da die Familie Baumann praktisch nichts wegwarf, fand der Kulturverein stets genügend originale Utensilien für ganze Ausstellungen. «Ab und zu wurden wir angefragt, ob wir Interesse an bestimmten Dingen hätten. Uns war aber wichtig, ausschliesslich Gegenstände der Familie Baumann auszustellen. Es war ja auch ihr Haus.»

 

Beim Sommerfest im Garten vom BuumeHus entstand auf Initiative von Fässlers Frau die Idee, passende Personen ins BuumeHus einzuladen. «So sass am Pult eines der Baumann-Brüder der Kalligraf Fritz Tschanz. Das ergab ein sehr schönes Bild und versetzte die Besucher noch stärker in die damalige Zeit.» Das Sommerfest rund um und im BuumeHus will der Kulturverein auch künftig durchführen.

image 957591
Im Museum im BuumeHus gibt es allerlei zu entdecken. (Bild: pg)

Ein Verein im Wandel

Besucherinnen und Besucher kamen regelmässig, wenn das Museum jeweils am ersten Sonntag im Monat geöffnet war. «Das Museum ist bekannt. Durch die Registrierung im Kulturgüterportal hoffe ich, dass noch mehr Menschen darauf aufmerksam werden.» Viele Gäste kamen auch, wenn die Osterbrunnen dekoriert wurden und die Bevölkerung durchs Dorf strömte. Ebenso beim jährlichen Sommerfest, das der Kulturverein weiterhin organisiert.

 

So geht es weiter

Die IGOG führt das BuumeHus nun weiter. «Neu wird es von einer neuen Gruppe geführt, von Menschen, denen das BuumeHus wichtig ist. Das gibt mir Hoffnung, dass es vorerst so weitergeht, und das freut mich sehr», sagt Fässler. Besonders bei Karl Reichsteiner habe er ein gutes Gefühl: «Dieser Mann sprüht nur so vor Ideen.»

 

Nebst dem Museum und den Veranstaltungen kümmerte sich der Verein auch um Besichtigungen und Vermietungen des Gewölbekellers sowie die Pflege der Umgebung, etwa für das Zurückschneiden von Bäumen und Büschen.

 

«Die Kündigung des Leistungsvertrags mit der Gemeinde heisst für uns nichts anderes als ‹Back to the roots›», sagt Fässler. Das diesjährige Programm umfasst aktuell fünf Veranstaltungen. «Ein geplanter Anlass kam leider nicht zustande. Ausgeschlossen ist es aber nicht, dass noch ein grösserer Event im Geissbühlerhaus dazu kommt.»

 

Kulturformate mit Nähe zum Publikum

Der Kulturverein organisierte zudem Konzerte sowie seit über zehn Jahren einen Filmabend, bei dem jeweils ein Schweizer Film gezeigt wurde. Oft waren auch die Protagonistinnen und Protagonisten vor Ort und gaben Auskunft über die Entstehung des Films. «Zu Beginn waren diese Abende sehr beliebt und kein Stuhl blieb leer. Mittlerweile hat es jeweils wieder ein paar freie Plätze.»

image 957589
Während all den Jahren sind viele Veranstaltungsplakate zusammengekommen. (Bild: pg)

Die Vereinskasse habe sich in den vergangenen 20 Jahren erholt und sei stabil. «Uns war es wichtig, den Künstlerinnen und Künstlern eine Gage zahlen zu können und trotzdem kein Minus zu machen.» Einen grossen Beitrag leisten auch die Mitgliederbeiträge. «Ohne diese ginge es nicht. Dafür sind wir sehr dankbar.» Und wie sieht die Zukunft des Vereins aus? «Wir machen weiter, solange wir Lust und Zeit haben. Wenn sich Jüngere engagieren möchten, sind wir offen. Wichtig ist uns aber, dass auch wirklich etwas gemacht, organisiert und angeboten wird.»

 

Zusammenarbeit mit Einschränkungen

Wie es weitergeht, verfolgt Fässler mit Spannung. «Seit letztem Jahr ist auch die Kinder- und Jugendarbeit in den Räumen, was sehr gut funktioniert hat. Für die KiJu ist es jedoch nicht optimal, da die Räume jeweils wieder geleert werden mussten und es im Haus keinen Stauraum gibt.» Ansonsten sei die Zusammenarbeit sehr gut verlaufen. «Wir hoffen, dass dies weiterhin möglich ist. Für uns wäre es sonst nicht machbar, die Veranstaltungen im Geissbühlerhaus durchzuführen, dafür haben wir zu wenig Besucherinnen und Besucher.»

 

Mehr Anlässe, mehr Werbung. Einen Kulturverein in diesem Rahmen zu führen, sei schwierig. «Aber wir wollen noch etwas anbieten, solange es möglich ist.»

 

Ein Raum - viele Möglichkeiten

Der Gewölbekeller bietet Platz für 56 Personen und wurde vom Kulturverein mit einer kleinen Bühne sowie feuerfestem Schallschutz ausgestattet, da der Raum stark hallt und zusätzlich Wärme speichert. «Ausserdem haben wir eine feste Leinwand installiert und eine Bar eingerichtet mit Gastrogeschirrspüler, 2 Kühlschränken und Gedecken für mindestens 40 Personen.» Der Raum kann weiterhin über die Gemeinde gemietet werden.

 

An der Bar fallen die zahlreichen Plakate vergangener Veranstaltungen auf. «Da kommen viele Erinnerungen hoch, an sehr persönliche Konzerte und tolle Begegnungen mit den verschiedensten Künstlerinnen und Künstlern», schwärmt Fässler. Auch diese hätten die lockere und gemütliche Atmosphäre sehr geschätzt. Das Programm war und bleibt vielseitig, von Kabarett über Musik bis hin zu Film.

image 957590
Der Raum bietet viel Platz für verschiedene Anlässe. (Bild: pg)

In den Jahren habe sich jedoch auch vieles verändert. «Der Ticketverkauf läuft heute über Eventfrog, und die Filme bekomme ich nun digital», sagt Fässler lachend. Insgesamt zieht er eine positive Bilanz der vergangenen 20 Jahre und freut sich, dass der Verein sich nun wieder stärker auf sein Kerngeschäft konzentrieren kann, die Kulturveranstaltungen. «Wir hoffen, dass wir dies in diesem Rahmen weiterführen können. Wir mögen noch.»

Der Vorstand des Kulturvereins Oberdiessbach besteht aus Erika Locher, Barbara Fässler Cornelia Hochuli, Catherine Eigenmann und Rolf Fässler.

Jahresprogramm 2026

Freitag, 13. März: The Sparklettes «Helvetica bockt»: A Capella Band mit vier Jazz-Sängerinnen

Mittwoch, 6. Mai: Hauptversammlung Kulturverein und Vortrag «vom Rohwarenhandel zur Gerberei»

Samstag, 22. August: Sommerfest BuumeHus

Samstag, 1. November: «Der Alte und das Biest» mit Tinu Heiniger und Gere Tschan

Dieser Artikel erschien zuerst im Newsletter Oberdiessbach.


Autor:in
Pascale Groschel, info@bern-ost.ch
Fehler gefunden?
Statistik

Erstellt: 03.02.2026
Geändert: 03.02.2026
Klicks heute:
Klicks total: