Der ungewollte Dornröschenschlaf hinter der Baustelle
Das Ladenlokal der Bäckerei Krenger in Stettlen ist seit Mitte Juni geschlossen: Vor dem Geschäft wird die Kantonsstrasse aufgerissen, der Zugang ist versperrt. Zum Überbrücken hat Stephan Krenger einen Verkaufswagen bei der ehemaligen Post aufgestellt. Wir haben ihn gefragt, wie es ihm dort geht.
Inzwischen ist Stephan Krenger schon fast routiniert in Sachen Provisorium: Vor drei Jahren verschwand das Ladenlokal der Bäckerei Krenger in Stettlen wochenlang hinter der Baustelle für die Fernwärme. Seit dem 15. Juni ist sie wieder zugebaut: Diesmal wird die Kantonsstrasse saniert. Krenger, Inhaber der Bäckerei mit Filialen in Stettlen und Bolligen, hat sich mit der Situation arrangiert und den Laden in einen Verkaufswagen bei der ehemaligen Post gezügelt. Wir wollten wissen, wie er die Situation erlebt.
BERN-OST: Das Ladenlokal Ihrer Bäckerei in Stettlen ist seit Mitte Juni nicht mehr zugänglich. Wie läuft es bei Ihnen zurzeit?
Stephan Krenger: Ehrlich gesagt, ist es schon mühsam. Es ist jetzt das zweite Mal in drei Jahren, dass der Laden «zugebaut» ist: Zuerst kam die Fernwärme, jetzt der Kanton. Ideal ist das nicht, und ich kann ja nichts dazu sagen ... Aber wir hatten ja Zeit, uns vorzubereiten.
Sie haben die Filiale Stettlen in einen provisorischen Verkaufswagen bei der ehemaligen Post verlegt.
Ja, zum Glück konnte ich den Verkaufswagen mieten und die Gemeinde hat mir den Platz gratis zur Verfügung gestellt. Das Einrichten und Zügeln war keine grosse Sache, und der Verkaufswagen ist komplett eingerichtet, so dass man ihn direkt benutzen kann. Aber die Kasse haben wir aus dem Geschäft mitgenommen, und einen Internetanschluss mussten wir ebenfalls einrichten – am Ende mussten wir trotzdem dies und jenes organisieren.
Und wie funktioniert der Alltag im Verkaufswagen – ist er ein vollständiger Ersatz für das Ladenlokal?
Zum Teil. Die Ware können wir mit den eingerichteten Kühlschränken und Vitrinen frischhalten. Aber am Nachmittag wird es im Wagen derart brutheiss, dass man es nicht mehr aushält.
Wie haben Sie das gelöst?
Wir haben die ersten zwei Wochen versucht, am Nachmittag trotzdem offen zu halten. Aber dann wurde es noch heisser, und als dann sowieso die Sommerferien anfingen und viele Leute in die Ferien fuhren, beschlossen wir, um 13 Uhr zu schliessen.
Inzwischen sind die Sommerferien schon wieder vorbei.
Ja, seit dem Schulanfang öffnen wir den Laden am Nachmittag von 16 Uhr bis 18.30 Uhr noch einmal. Dabei zeigt sich der Nachteil des Wagens umso deutlicher: Die Angestellten können in der toten Nachmittagszeit nichts einpacken, weil es zu eng und immer noch zu heiss ist. Zum Glück können wir diese leeren Zeiten auffangen, indem alle ihre Ferien und Überzeit abbauen.
Was bedeutet diese Bauzeit finanziell?
Ohne Verluste geht es definitiv nicht. Ich habe für diese Zeit mit 50 Prozent Verlust gerechnet, jetzt sind es wohl eher 40 Prozent. Aber dieser Verlust lastet voll auf uns, Entschädigung gibt es keine, weder von der Gemeinde noch vom Kanton. Für Geschäfte, die nichts mehr auf der hohen Kante haben, ist das tragisch.
Und für Sie?
Ich mag es gerade noch verkraften, vor allem, weil beispielsweise die Kundschaft aus Ferenberg jetzt in der Filiale Bolligen einkaufen kann. Und weil wir auch Grossbestellungen nicht ablehnen müssen – sie müssen in dieser Zeit einfach in Bolligen abgeholt werden.
Wie lange müssen Sie noch im Verkaufswagen durchhalten?
Vorbei ist die Bauzeit vor unserem Laden Ende Oktober, was schade ist, nachdem anfangs von Mitte September die Rede war. Richtige Entlastung erfahren wir erst, wenn alles fertig ist.
Ist das für Sie im Moment die grösste Herausforderung, oder plagen Sie noch ganz andere Sorgen wie beispielsweise hohe Getreidepreise wegen der Trockenheit?
Aktuell nicht, unser Mehl kommt noch vom letztjährigen Getreide und kostet nicht mehr. Das diesjährige Getreide hingegen braucht noch Lagerzeit, wird erst für nächstes Jahr verwendet – und das gibt dank der Trockenheit ein eher besseres Mehl.
Allgemein: Wie geht es heute den Bäckereien?
Die Belastung verteilt sich, man muss innovativ und flexibel sein. Bei uns läuft es vielleicht auch dank der Tatsache, dass alle unsere Rohstoffe aus der Region kommen: Das Mehl IPS kommt beispielsweise zu hundert Prozent aus dem Kanton Bern, die Milchprodukte aus der Chäsi Hasli. Und es läuft nicht zuletzt dank dem, dass wir von A bis Z alles im Betrieb selbst herstellen – wir sind voll regional unterwegs.
Die Öffnungszeiten der beiden Filialen in Stettlen und Bolligen finden Sie auf der Webseite der Bäckerei Krenger.