Die Badi Grosshöchstetten und ihr Wasserparcours

Des einen Leid und der anderen Freud

Dieser Tage schwimmt in der Badi Grosshöchstetten ein Wibit, ein bunter Wasserhindernisparcours. Was vielen Wasserratten Spass bereitet, stört andere, die ruhig ihre Bahnen ziehen möchten: Sie fühlen sich an den Rand gedrängt, so wie unser Leser Ueli Jenzer. Wir wollten von Badmeister Claudio Brunner wissen, wie er das sieht.

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«Eine überdimensionierte Kunststoff-Hindernisbahn», findet Ueli Jenzer: Sie dränge die Schwimmenden an den Rand. (Foto: zvg)

An sich fühlt sich der Grosshöchstettener Ueli Jenzer wohl in «seiner» Badi: «Sie hat neben dem Hallenbad ein wunderschönes kleines, sehr attraktives Freibad mit Kinderplanschbecken, Rutsche, kleinen Wasserfontänen, einem Nichtschwimmerbecken mit Sprudelbad und Wasserdusche», schreibt er in einer Nachricht an die Redaktion. Er findet Sprungturm, Nichtschwimmerbereiche zum Austoben und Spielfelder samt Grillplatz mit Picknicktisch und Bänken schön für eine Badi. «Alles in allem eine Superbegegnungsstätte für die ganze Bevölkerung», lobt er. Für ihn wären das völlig genug der Attraktionen.

 

Und jetzt noch das!

Nur: Es gebe in allen Behörden «Aktivist:innen, die Attraktives noch attraktiver machen wollen». Und das ist ihm des Guten zu viel: «Man füllte das an und für sich schon nicht zu grosse Schwimmer- und Nichtschwimmerbecken mit einer aufpumpbaren überdimensionierten Kunststoff-Hindernisbahn.» Für Kinder sei das eine Freude, auch für Eltern und Grosseltern, die ohnehin nur kurz im lauwarmen Badewasser suhlen möchten. Aber: «Alle anderen Badegäste, die zum Schwimmen oder Aquafitten kommen, werden an den Rand oder aus dem Wasser gedrängt.»

Der Titel seines Schreibens lautet: «Was braucht es noch?», und aus den Zeilen klingt Frust, gar leiser Ärger. Sofort wollten wir von Bademeister Claudio Brunner wissen, ob ihm solche Unzufriedenheit auch schon zu Ohren gekommen ist, und wie er die Situation beurteilt. Brunner reagiert überrascht: «Die Rückmeldungen sind sehr positiv, 97 Prozent der Badigäste finden die neue Attraktion cool», sagt er spontan. Einmal ist ihm eine leise Reklamation zu Ohren gekommen, ansonsten hört er nur Freude. Aber: «Die Wasserhindernisbahn Wibit ist ja auch nicht ständig im Wasser.»

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Dieselbe Wibit-Hindernisbahn aus den Augen von Bademeister Claudio Brunner: «Ich erhalte viele positive Reaktionen, und die allermeisten freuen sich darüber.» (Foto: zvg)

Für die letzte, heisse Ferienwoche

Erst letzthin habe man sie für ein Wochenende aufgestellt, dann Ende letzter Woche wieder hervorgeholt, damit die Schulkinder ihre letzte, sommerlich-heisse Ferienwoche noch ausgiebig geniessen können. «Die Hindernisbahn befindet sich also nicht dauerhaft im Wasser, sondern immer für begrenzte Zeiträume – und darüber haben wir die Bevölkerung in unserer Gemeindemitteilungsportal Crossiety informiert.» Die Bahn täglich für die Morgenschwimmenden herauszuheben, erklärt Brunner, sei allerdings nicht möglich: «Die Elemente sind zu sperrig, und wir haben in unserer kleinen Badi nicht genug Platz, um sie aufgeblasen neben den Becken zu deponieren.»

Ausserdem wolle man das Material schonend behandeln und müsse aufpassen, dass die Elemente beim Transport nicht über den harten Badiboden schrammen: «Wir wollen sie für eine möglichst lange Lebensdauer schonen.» Genau dieses Thema sticht unserem Leser Ueli Jenzer in die Nase: «Über Sinn oder Unsinn solcher Anschaffungen lässt sich streiten», schreibt er in seiner Nachricht an die Redaktion, aber: «In einer Zeit, in der Kunststoffmüll zum weltweiten Problem gehört, sind sie gedankenlos.» Auch an die spätere Entsorgung sei nicht gedacht worden.

 

«Die Hindernisbahn ist robust und langlebig»

Darauf entgegnet Bademeister Claudio Brunner, man habe sich durchaus Gedanken über Nachhaltigkeit gemacht: «Die Hindernisbahn ist robust, und wir behandeln sie so, dass sie für viele Jahre verwendbar ist.» Ausserdem verspricht die Firma Wibit auf ihrer Webseite viel Nachhaltigkeit punkto erneuerbarer Energien und Engagement in Klima-Projekten. Über die Verwendung von so grossen Plastikelementen mag man sich durchaus uneins sein, aber Gedankenlosigkeit kann man der Gemeinde nicht vorwerfen.  

All jene, die sich allenfalls sorgen, die Hindernisbahn sei eine teure Investition und wirke sich vielleicht sogar auf die Steuern aus, kann Brunner beruhigen: «Die Gemeinde hat diese Wasserattraktion aus einem Vermächtnis finanziert», erklärt er. Jemand hat der Gemeinde Geld vererbt, und zwar mit der Auflage, dieses zugunsten der Kinder einzusetzen. «Einen Teil hat die Gemeinde jetzt für die Wasserhindernisbahn verwendet», sagt Brunner. Und das wiederum ist eine rundum schöne Sache.

 

Geschicklichkeit und Freude

Das kommentiert Leser Ueli Jenzer trocken mit: «Das Geld hätte gescheiter angelegt werden können.» Dem würden allerdings die vielen fröhlichen Kinder und Jugendlichen, die geschickt über die Bahn turnen, vehement widersprechen. Und schon bald kann Jenzer seine Schwimmrunden sowieso wieder in Ruhe geniessen: «Wenn die Schule anfängt, werden wir die Hindernisbahn für eine Weile aus dem Wasser entfernen», kündigt Bademeister Brunner an. «Dann können alle wieder ungehindert ihre Bahnen ziehen.»


Autor:in
Claudia Weiss, claudia.weiss@bern-ost.ch
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Erstellt: 07.08.2026
Geändert: 07.08.2026
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