Zwei neue Pächter und ein neuer Name
Auf und wieder zu – und wieder auf: Am ersten Mai erhält Rüfenacht sein Restaurant zurück. Aber nicht mehr als Postillion: Künftig werden italienische Spezialitäten wie Ossobuco, Saltimbocca und frische Pizzen serviert. Deshalb starten die beiden neuen Pächter, die Cousins Nedjat und Mensur Bedjeti, auch mit einem neuen Restaurant-Namen.
Rüfenacht erlebt dieser Tage ein kleines Déja-Vu – und doch ist alles anders: Bereits im letzten Juli arbeiteten Handwerker im Postillion, vergrösserten die beiden Terrassen, strichen im Gastraum die Wände weiss und verlegten Bodenplatten. Jetzt gehen wieder ein paar Handwerker ein und aus, aber eine Vollbaustelle ist es nicht mehr. Diesmal werden eher kleinere Ergänzungen eingebaut, eine Glasschiebetür beispielsweise, mit der man künftig den einen Raum als Sitzungszimmer oder für Privatfeiern abtrennen kann. Das Herzstück rechts vom Eingang steht bereits, der blitzblanke neue Pizzaofen samt Monitor, auf dem künftig die Bestellungen angezeigt werden: Aus dem traditionsreichen Postillion wird eine elegante Pizzeria.
Neue Beleuchtung für gehobenes Ambiente
Nedjat Bedjeti, 46, zeigt auf den hellen Gastraum, stolz und mit kritischem Blick zugleich. Am ersten Mai werden er und sein Cousin Mensur Bedjeti, 45, das leicht umgestaltete Restaurant eröffnen. Bis dahin wollen die beiden Pächter noch einige Feinanpassungen vornehmen. Nedjat Bedjeti zeigt auf den grossen Spiegel an der Wand und auf die neuen Leuchter an der Decke: Solche Elemente sollen die passende Stimmung vermitteln. «Die Leuchter wirken jetzt schon anders, aber die Gesamtbeleuchtung werden wir noch anpassen, diese ist wichtig für ein gutes Ambiente», erklärt er. Tische und Stühle übernehmen sie von ihrer Vorgängerin, anderes will er laufend anpassen: «Ich habe noch viele Ideen.»
Darum heisst der Postillion nicht mehr so …
Dieser Tage wurde über dem Eingang der neue Leuchtschriftzug montiert. Und damit wird jetzt auch auf den ersten Blick sichtbar, wie das Restaurant künftig heissen wird: «Stella» lautet der neue Namen des alten Postillions. Stella wie ein Star? Nedjat Bedjeti lacht. Nein, sein Cousin und er haben sich lange überlegt, wie sie es mit dem Namen halten wollen. «Postillion» als Traditionsnamen beizubehalten hätten sie gut gefunden, wenn sie das Restaurant direkt vom Wirtepaar Fritz und Rita Maurer übernommen hätten: Diese führten den «Pöschtu» erfolgreich während über dreissig Jahren, bis sie im Frühling 2012 aus gesundheitlichen Gründen aufhören mussten. Danach wechselte das Restaurant gleich zweimal innert Kürze den Pächter, bevor es für zehn Jahre in einen Tiefschlaf versank.
… sondern wird zur Stella
Vor einem Jahr sah es nach einem frischen Erwachen aus, aber schon ein halbes Jahr später hiess es auf der Homepage: «Das Restaurant Postillion ist bis auf Weiteres geschlossen.» Einen so wechselhaften Verlauf sahen die Cousins Bedjeti als ungutes Vorzeichen: Ein neuer Name sollte mehr Glück bringen. «Eigentlich suchten wir einen typischen Namen für ein Schweizer Dorfrestaurant», erklärt Nedjat Bedjeti. «Den Namen Sternen hätten wir durchaus schön gefunden.» Aber ein Sternen mit Pizza und Specialità Italiane statt gutbürgerlich schweizerischer Küche? Das passte schlecht, fanden sie, und übersetzten den Namen kurzerhand auf Italienisch. So erhält das Dorf seine Stella.
Ein Cousin als Küchenchef, ein Cousin als Gastgeber ...
Viel Zeit bleibt nicht mehr bis zur Eröffnung. Momentan pendeln die Bedjetis während der Arbeitszeit zwischen Bern und Rüfenacht: Nedjat arbeitet als Geschäftsführer im Restaurant Harmonie Bern, Mensur ist zurzeit noch Küchenchef im Restaurant Bellevue Ittigen. Ab der zweiten Aprilhälfte werden die neuen Pächter häufig in Rüfenacht zu sehen sein: Sie müssen noch Getränke und Lebensmittel bestellen, alles fertig einrichten und letzte Details anpassen. Danach freuen sich die Cousins, erstmals zusammen zu arbeiten. Mensur wird in der Küche das Zepter schwingen und Nedjat die Gäste betreuen, so kann jeder seine Leidenschaft ausleben.
... und beide verstehen sich wie Brüder
«Wir freuen uns sehr auf die Eröffnung», sagt Nedjat Bedjeti. Mit ihren fast 30 Jahren Berufserfahrung bringen beide genug Wissen mit, an Enthusiasmus für das erste eigene Restaurant fehlt es nicht, und das Pächterteam, davon sind sie überzeugt, wird gut funktionieren: «Wir sind zusammen aufgewachsen und verstehen uns wie Brüder», sagt Nedjat Bedjeti.
Mit dem Restaurant das Dorf beleben
Gute Voraussetzungen eigentlich. Dennoch ist er auch ein bisschen aufgeregt vor dem grossen Start, und zwischendurch zweifelt er ganz kurz und fragt sich, ob der Standort geeignet sei. Dann schaut er zuversichtlich auf die neu entstehenden Häuser rings um das Restaurant und nickt: «Die neuen Wohnungen werden hoffentlich Leute in die Gegend ziehen – und wir möchten mit dem Restaurant das Dorf beleben.»
Ein Stammtisch und Platz für Vereine
Nebst Spezialitäten wie Ossobuco, Saltimbocca, Pappardelle und frischen Pizzen wird in der neuen Stella auch ein Stammtisch seinen Platz finden – einfach in einer anderen Ecke, weil am bisherigen Standort der neue Pizzaofen steht. Den neuen Platz wird Bedjeti noch vor der Eröffnung einrichten, und jetzt schon verkündet er: «Vereine heissen wir ebenso herzlich willkommen wie Firmen für Anlässe und Familien für Feste.» Unterstützt werden die Bedjetis von zwei Servicemitarbeitern, einem Pizzaiolo und einer Küchenhilfe; das Team bringen sie mit.
Rasch in Rüfenacht ankommen
Jetzt hoffen die Cousins, die ursprünglich aus Mazedonien kommen und schon seit Jahrzehnten in der Schweiz leben, auch in Rüfenacht rasch anzukommen. Mensur Bedjeti wohnt in Bümpliz und hat mit seiner Frau zwei schulpflichtige Kinder, eine Tochter und einen Sohn, deshalb wird er trotz langer Arbeitstage pendeln. Nedjat Bedjeti wohnt mit seiner Familie in Thun, seine Töchter sind in der Ausbildung zur Dentalassistentin und zur Fachfrau Gesundheit, der Sohn ist in der neunten Klasse. «Ich kann mir gut vorstellen, hierher zu ziehen, sobald mein Sohn aus der Schule gekommen ist», sagt er ohne Zögern.
Anfangs täglich durchgehend geöffnet
Das macht Sinn, denn wenn die Pläne von Mensur und Nedjat Bedjeti aufgehen, werden sie ab Mai sehr viel Zeit in der Stella verbringen: Bis auf Weiteres werden sie das Restaurant täglich von morgens bis abends durchgehend offenhalten und herausfinden, wann gute und flaue Zeiten sind. Dementsprechend wollen sie nach ein paar Wochen die Zeiten anpassen. Am Sonntag ab zehn Uhr stehen voraussichtlich Kaffee und ein Stück Züpfe bereit, bei kühler Witterung an den 90 Plätzen im Inneren, bei Sonne auf den beiden Terrassen mit je 40 Plätzen.
«Dorfleben kenne ich»
Das schreckt Nedjat Bedjeti nicht: «Ich freue mich, das Restaurant voll zu sehen», sagt er. «Und ich freue mich besonders auf den Kontakt mit den Gästen.» Andererseits ist er überzeugt, dass auch die Leute von Rüfenacht und Umgebung sich schnell an ihn gewöhnen werden. «Ich gehe offen auf Leute zu», sagt er. «Und das Dorfleben kenne ich gut, ich bin selbst in einem Dorf aufgewachsen.» So wie es aussieht, stehen also die Sterne gut für die neue Pizzeria Stella und ihre beiden Pächter.
So ist die Stella geöffnet
Restaurant Pizzeria Stella, Alte Bernstrasse 24A, 3075 Rüfenacht
Eröffnungsapéro: Am Freitag 1. Mai, gibt es von 14 bis 17.30 Uhr Champagner, Bruschette und Focaccia.
Öffnungszeiten: Zumindest in den ersten Wochen ist die Stella täglich durchgehend geöffnet. Montag bis Freitag von 9 bis 22.30 Uhr, Sonntag 10 bis 22 Uhr.
Die Website wird noch angepasst, vorerst kündigt sie erst eine Überraschung ab dem 1. Mai an.