Wisletunnel Worb

«Die Unfälle hätten auch anderswo passieren können»

Zwei tödliche Unfälle innert zwei Monaten in demselben kurzen Tunnel – das konnte doch kein Zufall sein! Inzwischen haben sämtliche Untersuchungen ergeben: Es war doch Zufall. Der Worber Wisletunnel ist sicher, den Unfällen liegen menschliche Faktoren zugrunde. Dennoch, sagt Strasseninspektor Stefan Morgenthaler, werden noch zusätzliche Sicherheitselemente angebracht.

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Der Wisletunnel Worb wird wie alle anderen auch regelmässig gereinigt und überprüft. (Foto: zvg)

Über ein Jahr ist vergangen seit den beiden schweren Unfällen im Worber Wisletunnel am 1. April und am 13. Mai 2025. Noch heute schiesst wohl Einigen beim Einfahren in den Tunnel kurz eine Erinnerung an diese tragischen Ereignisse durch den Kopf; noch heute ist im Kafi BERN-OST zu hören, dass dieser oder jene den Wisletunnel bewusst umfahren. Dabei haben umfangreiche Abklärungen ergeben: Der Tunnel ist sicher. In keinem der beiden Fälle trat ein Sicherheitsmangel zutage, der den Unfällen zugrunde liegen könnte. Das haben Fachpersonen des kantonalen Tiefbauamts und ein beauftragtes externes Verkehrssicherheitsunternehmen genau untersucht.

 

Gesundheitliche Probleme und Sekundenschlaf

Dieses Resultat, gewonnen auch aus der minutiösen Auswertung der Unfallprotokolle der Kantonspolizei Bern, ist eindeutig: Beim ersten Unfall bewirkte ein Schwächezustand der einen Fahrerin, dass sie auf die Gegenfahrbahn geriet und mit dem entgegenkommenden Fahrzeug zusammenstiess. Beim zweiten Unfall lag die Ursache darin, dass der eine Fahrer aus «Übermüdung respektive Einschlafen» auf die Gegenfahrbahn geriet, worauf es ebenfalls zu einer Frontalkollision kam. «Beide Male waren es menschliche Ursachen», sagt auch Stefan Morgenthaler. Und: «Dass es zweimal im Wisletunnel passierte, und zweimal so kurz nacheinander, ist ein tragischer Zufall.»

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Dafür kommen etliche Spezialfahrzeuge zum Einsatz, und dann sieht es im Wisletunnel so aus. (Foto: zvg)

Strassensicherheit wird ernst genommen

Morgenthaler leitet das Strasseninspektorat Mittelland Ost, das für regelmässige Kontrollen der Verkehrssicherheit zuständig ist, und er betont: «Die Road Safety Inspection, also die Überprüfung der Strassensicherheit, wird sehr ernst genommen.» Erst recht, wenn kurz nacheinander so gravierende Unfälle an derselben Stelle passiert sind: Dann wird die Sicherheit zusätzlich grundlegend überprüft.

 

«Keine Sicherheitsmängel zu finden»

Beim Wisletunnel habe diese Untersuchung klar ergeben: «Es sind keine Sicherheitsmängel zu finden.» Auch wenn Morgenthaler das ohne Zweifel sagt, ist doch ihm und den Fachleuten vom kantonalen Tiefbauamt bewusst: «Man entdeckt immer wieder kleine Verbesserungsmöglichkeiten, die einen Tunnel oder einen Strassenabschnitt noch sicherer machen können.»

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So wie hier im Jabergtunnel werden auch im Wisletunnel die Tunnelwände gereinigt, damit sie nicht dunkler werden. (Foto: zvg)

Zusätzliche Leitmarken und Leitpfosten

Solche Verbesserungen sind beispielsweise sogenannte Leitmarken, schwarzweiss schraffierte Schilder, die ein Tunnelportal oder eine Strassenverengung noch besser sichtbar machen. «Auch ohne diese war die Einfahrt nicht gefährlich, aber die Schilder unterstützen die Sicherheit zusätzlich.» Zusätzliche schwarz-weisse  Leitpfosten sichern die Tunnelzufahrten noch zusätzlich, «und beim Gras an den Strassenrändern der Tunnelzufahrten achten wir noch viel genauer darauf, dass es rechtzeitig geschnitten wird», sagt Morgenthaler: «Der Tunnel war schon vorher sicher, jetzt wurden noch zusätzliche sicherheitsunterstützende Massnahmen getroffen.»

 

Markierungen regelmässig erneuern …

Damit die Sicherheit erhalten bleibt, werden Markierungen auf Strassen und in Tunneln im Turnus erneuert: «Wir wissen, wie lange eine Markierung normalerweise hält, und planen die Erneuerung mit einem Jahresprogramm.» Ergibt eine der regelmässigen Kontrollen, dass eine Markierung früher verblasst, wird sie auch einmal ein Jahr früher auf dieses Programm gesetzt oder bei gutem Zustand auch einmal später.

… Beleuchtung kontrollieren …

Bei Tunneln wird auch die Beleuchtung regelmässig kontrolliert, und auch diesbezüglich habe sich im Wisletunnel gezeigt:  Alles den Normen entsprechend. Zwar seien sie sich schon sicher gewesen, dass alles war, wie es sein musste, aber nach den schweren Unfällen hätten die Fachleute von der Abteilung Nationalstrassen Betrieb (Gebietseinheit I), die im Auftrag des ASTRA die Nationalstrassentunnels im Kanton Bern unterhält, nochmals alles genau überprüft. «Unser Hauptziel sind sichere, gut unterhaltene Strassen», betont Strasseninspektor Morgenthaler.

 

… und regelmässig Tunnelwände reinigen

Das sei auch sein persönliches Ziel im Strasseninspektorat: «Ich will, dass jeder meiner Mitarbeiter abends wieder gesund nach Hause kommt.» Zur internen Sicherheit gehören deshalb wiederholte Schulungen und genaue Richtlinien, wie die Teams signalisieren, aber auch wie sie sich anziehen müssen. Und zur Tunnelsicherheit gehört, die Sickerleitungen regelmässig zweimal pro Jahr zu spülen, die Tunnelwände zu reinigen, damit sie hell und sicher bleiben, und technische Kontrollen durchzuführen. «Ist es nicht verrückt, das so häufig zu machen?», fragen manchmal genervte Fahrerinnen und Fahrer, wenn der Tunnel wie soeben Mitte Mai einmal mehr gesperrt und eine Umfahrung signalisiert ist.  Morgenthaler antwortet klar: «Das ist sehr wohl immer nötig!»

Signale müssen sichtbar sein

Die jährliche Reinigung von Strassentunneln sei entscheidend, um die Verkehrssicherheit sicherzustellen und die Qualität der Infrastruktur zu erhalten. «Der regelmässige Unterhalt verhindert Schäden durch beschleunigte Korrosion, Verstopfungen in den Abflüssen, Ausfälle und Störungen der technischen Anlagen oder erhöhten Verschleiss und trägt wesentlich zu einer verbesserten Infrastrukturqualität und zur Langlebigkeit des Tunnels bei.» Zudem wird sichergestellt, dass die gesetzlichen Vorgaben bezüglich Beleuchtung und Sichtbarkeit der Signale und Messeinrichtungen eingehalten werden.

 

Unfälle wären auch anderswo möglich gewesen

So viel rund um die Frage, ob der Wisletunnel sicher und gut gewartet ist. Nicht beantworten kann Stefan Morgenthaler die Frage, warum es denn dann vor einem Jahr innert sechs Wochen gleich zu zwei so schweren Unfällen kam. Seine Einschätzung: «Das ist wohl ein tragischer Zufall.» Solche Unfälle, sagt er, können überall und jederzeit passieren, auch ohne Tunnel.

Hunderprozentige Sicherheit gibt es nie

«So tragisch das ist, aber gegen Fremdeinwirkung, Sekundenschlaf oder Herzinfarkt kann man sich nicht komplett absichern.» Alle Zufälle und Fremdeinwirkungen könnten kaum beeinflusst werden, sagt er, auch wenn Sicherheit ein wichtiges Dauerthema sei. So sehr man das Tempo senkt, die Signalisierung verbessert, ja sogar Arbeitsstellen mit parkierten Autos als Aufprallschutz sichert: «Hundertprozentige Sicherheit auf den Strassen ist schwer erreichbar.»

Und noch einmal eine Kontrolle

Road Safety Inspection (RSI), die regelmässige Strassensicherheitskontrolle, wird gemäss Strasseninspektorat im kantonalen Tiefbauamt sehr ernst genommen. Demnächst werden mögliche Verbesserungen rund um denTunnel in Worb noch einmal mit einem Experten unter die Lupe genommen. «Ich bin überzeugt, dass wir mit den bisherigen Zusatzmassnahmen soweit alles uns Mögliche unternommen haben», sagt Stefan Morgenthaler, Strasseninspektor Mittelland Ost. Sollten sich allerdings noch weitere kleine Verbesserung anbieten, würde diese übernommen. «Man kann fast immer eine Ecke noch ein bisschen sicherer gestalten.»


Autor:in
Claudia Weiss, claudia.weiss@bern-ost.ch
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Erstellt: 26.05.2026
Geändert: 26.05.2026
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