Pop-up Barbara Worb und Rossmarie Richigen

Die eine blüht auf, die andere serbelt dahin

Auch Pop-ups müssen heutzutage kämpfen. Das haben Helene und Roland Bieri mit der Rossmarie Richigen gemerkt: Der Aufwand war gross, der Ertrag bescheiden, Ende Jahr schliessen sie darum die Rossmarie. Bremsen lassen sie sich aber nicht, schon bald stellen sie die Sommerbar Barbara am Bach im Worbboden auf.

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Für Helene und Roland Bieri gingen Aufwand und Ertrag nicht auf: Terrasse und Saal der Rossmarie in Richigen blieben zu oft leer. (Foto: zvg/rossmarie.ch)

Ende Juli ist wieder Barbara-Zeit: Schon zum sechsten Mal bereiten Helene und Roland Bieri aus Rüfenacht ihren liebevoll renovierten Popup-Bar-Container vor, um ihn bei der Worble hinter dem Oberstufenzentrum Worbboden hinzustellen. An lauen Sommerabenden im August erblüht die «Bärble» für ein paar Wochen zu einem farbigen und lebendigen Treffpunkt. «Das wird gut laufen», ist Roland Bieri überzeugt, «Helene und ich haben inzwischen genug Routine gewonnen, und viele Leute freuen sich schon.»

 

Auf der anderen Seite die Rossmarie ...

Während damit der Barbara viel Schwung bevorsteht, darbt in Richigen die Rossmarie – das ehemalige Rössli – still vor sich hin. Roland Bieri bestätigt, was man in Worb bereits munkelt: Die Rossmarie schafft es nicht auf die geplanten zwei Jahre Zwischennutzung, Ende Juli 2026 ist nach einem guten Jahr schon wieder Schluss. «Alle bereits gebuchten Privatfeiern und Anlässe werden allerdings noch durchgeführt», betont Bieri. Danach aber wird Rossmarie mit einem Schlussbouquet verabschiedet.

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Vor einem guten Jahr machten sich Helene und Roland Bieri mit viel Energie ans Gestalten, hier im grossen Saal. (Foto: Archiv BERN-OST)

Das ist eine Hiobsbotschaft für viele. Dabei platzten die Bieris letzten Frühsommer beinahe vor lauter Ideen und Tatendrang: Urwaldtapeten und Papageien in der Gaststube, gediegene Eleganz im Ritterstübli, üppige Pflanzendeko und grüne Sofas im Saal im oberen Stock – innert kurzer Zeit vollbrachten Helene und Roland Bieri schiere Wunder und peppten das alte Rössli zur flotten Rossmarie auf. Und das, nachdem sie eigentlich ja nur die Terrasse popupmässig bespielen wollten.

 

Der Plan war gut

Damals liessen sie sich im Gespräch mit den Besitzern begeistern und wagten es, das ganze Rössli mit der dazumal noch namenlosen Rossmarie zu beleben. Helene Bieri würde sich statt ihrer bisherigen Arbeit als Sachbearbeiterin bei einer Arbeitslosenversicherung zu ungefähr fünfzig Prozent um die Rossmarie kümmern. Roland Bieri, der zu neunzig Prozent bei der Gemeinde Worb als Brunnenmeister angestellt ist, würde am Wochenende mithelfen. Es war gut geplant, und die beiden waren nach etlichen Barbara-Saisons auch keine Greenhorns mehr.

Warum jetzt der frühzeitige Abbruch? Roland Bieri bringt es auf den Punkt: «Wir haben ein Jahr lang unheimlich viel gearbeitet, viel Zeit investiert und viel zustandegebracht – aber es schaute zu wenig heraus für zu viel Einsatz.» Schon seit den Frühlingsferien überlegte das Paar deshalb hin und her und merkte, dass sie seit dem Umbau letztes Jahr gefühlt durchgearbeitet haben.

 

Das Wasser unter der Nasenspitze

Am Ende konnten sie sich nicht vorstellen, noch weiter so viel zu arbeiten, nur damit sie Ende Monat gerade so die Rechnungen bezahlen konnten, das Wasser immer bis unter der Nasenspitze. Der Entschluss stand fest: Sie kündigten den beiden Angestellten per Ende Juli, für die bereits geplanten Veranstaltungen arbeiten sie mit Helferinnen und Helfern.

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An den Räumen kann es nicht liegen: So sah der grosse Saal nach ihrem Einsatz aus. (Foto: rossmarie.ch)

Und die Tapeten, die Sofas, die Pflanzen? «Die Einrichtung müssen wir abschreiben», sagt Roland Bieri. «Das mögen wir verleiden.» Am Anfang habe es ihnen je grossen Spass gemacht. Was, denkt er, hat trotz Begeisterung und Einsatz nicht funktioniert? Eigentlich gebe es drei Hauptgründe dafür, sagt er: «Erstens ist es überall schwierig, mit reduzierten Öffnungszeiten und ohne Koch zu beizen.»

 

Die Rossmarie liegt ungünstig

Zweitens sei die Lage ein zusätzlicher Hemmschuh: Sogar Freunde hätten ihnen gesagt, sie wären gerne vorbeigekommen, hätten sich aber nicht aufraffen können, nach Richigen zu fahren. Und: «Wer mit dem Postauto anreist, muss um halb zwölf gehen, und das ist schade, wenn eine Veranstaltung bis halb eins läuft.»

Da half auch nicht, dass Bieris schweizweit bekannte Bands und Comedians auf die Bühne brachten – Bubi eifach, Comedian Dominic Deville, eigentlich hätte Roland Bieri mit 100, 150 Personen gerechnet, tatsächlich seien dann 60 bis 70 erschienen: «Für Richigen ist das super, für uns zu wenig.» Das einzige, was rentiert habe, seien die geschlossenen Veranstaltungen.

 

Kaum Schwung, schon wieder zu Ende

Der dritte Grund, warum Bieris die Reissleine ziehen, ist die ohnehin begrenzte Lebensdauer der Rossmarie: «Bis Oktober 2027 mit Option auf Verlängerung» lautete die Abmachung. Zu wenig Zeit für Roland und Helene Bieri: «Wir hätten wahrscheinlich fünf Jahre gebraucht, um richtig Schwung hineinzubringen – und dann wäre wohl ohnehin Schluss gewesen.»

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Demnächst stehen Helene und Roland Bieri wieder für ein paar Wochen in der Barbara. (Foto: Archiv BERN-OST)

So viel Schwung, Freude und Energie steckt in der Rossmarie – und das war’s? Roland Bieri klingt entspannt, als er sagt, sie seien nicht enttäuscht: «Das ist ja unser Hobby, wir haben das gern gemacht», fasst er zusammen. «Wir bereuen es auch nicht.» Sie hätten sehr, sehr viel Positives gehört, und sie hätten sogar in dieser kurzen Zeit eine Stammkundschaft gewonnen, die immer wieder gekommen sei.

 

Das können sie verschmerzen

Was mit der Rossmarie weitergeht, weiss Roland Bieri nicht. Zurzeit ist das Projektteam mit den Architekten am Planen, wie die Gebäude in Richigen künftig am sinnvollsten genutzt werden sollen. Und die tollen Tapeten, die coole Einrichtung? «Die müssen wir uns ans Bein streichen. Aber das können wir verschmerzen.»

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Bald startet die Barbara am Bach: Warme Sommerabende, gute Stimmung und fröhliche Gäste. (Foto: bar-bara.ch)

Bis Ende Jahr hoppelt die Rossmarie noch weiter, Geburtstage und Geschäftsessen sowie Konzerte, die schon lange angeplant sind, finden allesamt statt.

 

«Wir schauen vorwärts»

Ob Roland und Helene Bieri ein bisschen Abschiedsschmerz verspüren? Die Antwort kommt schnell: Nein, sie hätten Ende letztes und anfangs dieses Jahr genug daran herumgedacht. «Wir sind nicht wehmütig, sondern schauen vorwärts, und wir haben ganz viel gelernt», lautet Roland Bieris Fazit. Und vor allem startet bald die Barbara-Zeit: warme Sommerabende, gute Stimmung und immer viele fröhliche Gäste – während die Rossmarie lahmt, erwacht die Barbara zum vollen Leben.

Noch ein bisschen Rossmarie und wieder ein bisschen Barbara

Die Rossmarie ist noch bis am 17. Juli 2026 jeweils am Donnerstag und Freitag offen. Dann ist Schluss. Alle reservierten Anlässe werden jedoch bis Ende 2026 normal durchgeführt. Das sind folgende Events:

  • 24. September 2026: Pub Quiz
  • 31. Oktober 2026: Halloween Party
  • 6. November 2026: Konzert Markus Aerni & Sweet Trouble
  • 14. November 2026: Konzert Maybe in June
  • 18. Dezember 2026: Abschlussfest Rossmarie

Bei sämtlichen Anlässen wird die Rossmarie ab 18 Uhr geöffnet sein. Zusätzliche Infos zu Rossmarie finden Sie hier.

Was demnächst in der Barbara läuft, finden Sie hier und auf Instagram.


Autor:in
Claudia Weiss, claudia.weiss@bern-ost.ch
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Erstellt: 09.07.2026
Geändert: 12.07.2026
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