Die grosse Schreinerei im kleinen Dorf
In einer kleinen Gemeinde muss nicht alles andere auch klein sein. Das beweist die Firma Trachsel Holzbau GmbH aus Landiswil: In ihren Betriebsräumen steht eine der schweizweit produktivsten CNC-Maschinen. Thomas Trachsel erzählt, was sie kann. Und warum er mit seiner Firma Landiswil treu bleibt.
Landiswil ist eine kleine Gemeinde am Rand am Rande der Region Bern-Ost, zurzeit wohnen 623 Personen dort. Aber immerhin hat Landiswil mit dem Löwen Landiswil immer noch ein eigenes Dorfrestaurant. Gleich daneben steht das überraschend grosse Zimmereigebäude der Trachsel Holzbau GmbH. Und diese beherbergt inmitten der ländlichen Gegend gleich zwei spezielle Anlagen.
Zum einen die Fernwärmezentrale …
Da ist zum einen die Fernwärmeanlage mit einer Schnitzelheizung neben der Zimmerei/Schreinerei: Eine imposante Einrichtung, die angepackt wurde, als Trachsel sowieso eine neue Betriebshalle bauen wollte. Das Bild war eindrücklich: Für die Heizzentrale und den Schnitzelsilo wurde neben der Schreinerei viereinhalb Meter in die Tiefe gegraben, ausserdem wurden durch die Gemeinde rund 1200 Meter Fernleitungen verlegt. Im September 2023 wurde die Wärmezentrale in Betrieb genommen, seither versorgt sie 11 Häuser mit Wärme, insgesamt 16 Häuser können daran angeschlossen werden.
… in der Holzabfälle verfeuert werden können
Die Zusammenarbeit mit der Gemeinde Landiswil als Besitzerin des Wärmeverbunds sei für alle ideal, sagt Thomas Trachsel: «Der Schnitzelsilo neben der Zimmerei macht Sinn: So werden die Schnitzel dort verfeuert, wo sie produziert werden.» Die Holzabfälle aus der Zimmerei und Schreinerei liefern rund einen Drittel der nötigen Fernheizungsenergie – eine klassische Win-win-Situation, wie Gemeindepräsident Samuel Wittwer einst bei einer öffentlichen Führung durch die Anlage lobte. Und eine sinnvolle Investition für eine energieschonende Zukunft, wie Trachsel sagt.
Zum anderen die leistungsstarke CNC-Maschine …
Zum zweiten steht im Inneren des neuen Betriebsgebäude eine eindrückliche Maschine, die sozusagen alles kann, was man aus Holz herstellen kann. Geschäftsleiter Thomas Trachsel freut sich jedesmal, wenn er jemandem die Computerized Numerical Control Fräsmaschine zeigen kann, kurz CNC-Maschine genannt, die mit einem Script- Programm die Fräsarbeiten vorbereitet und an die Maschine übergibt. «Ein technisches Wunderwerk, mit dem sich sämtliche Hölzer präzis und schnell bearbeiten lassen», schwärmt er. «Bei Bedarf kann sie nebst einer Einzelproduktion auch zahlreiche Exemplare mit der exakt gleichen Form herstellen.»
… die ungefähr alles kann
Mit CNC kann man Maschinen so programmieren, dass man Holz fräsen und bohren und daraus komplexe Bauelemente herstellen kann. «Dank CNC können wir jeden Kundenwunsch erfüllen und auch ausgefallene individuelle Möbel und komplexe Bauteile anfertigen», sagt Trachsel, der den Betrieb von seinem Vater Heinrich Trachsel übernommen hat. Lautsprecherboxen oder spezielle Sportgeräte – kürzlich ein wichtiger Auftrag für ein Fitnesscenter – seien mit dieser Technologie oft schon innert Minuten oder Stunden bereit.
Ein Fass zum Freizeitspass
Bekannt ist die Firma Trachsel auch für ihre Wohlfühlfässer: Ein solches Fass – von A bis Z vor Ort produziert – lässt sich als Sauna, Lese- und Liegefass, Gartenhaus, Spielhaus oder Fonduefass einsetzen. Für die Herstellung der Fässer und aller anderen vielfältigen Holzbau und Schreinerarbeiten arbeitet Trachsel zusammen mit einem Team von 13 Zimmermännern, Schreinern und CNC-Spezialisten und fünf Lernenden – ein gutes Team, wie er findet: «Alle sind extrem motiviert, und wir haben einen guten Zusammenhalt.» Büro und Beratung für Wohlfühlfässer betreut seine Frau Beatrice.
Ein inspirierendes Team und ein sinnvoller Ort
Das grosse Team sei zudem inspirierend, findet Thomas Trachsel: «So können alle beieinander Ideen abholen, das ist sehr sinnvoll.» Er ist froh, hat sein Vater die Holzbaufirma im Dorf Landiswil so aufgebaut, dass Spielraum für grössere Innovationen blieb. Viel grösser zu werden ist aber nicht sein Ziel, und erst recht nicht, Landiswil eines Tages zu verlassen. Er schüttelt vehement den Kopf: «Nein, wir bleiben bewusst hier.» Er steht vor der Tür und schaut in die grünen Hügel um Landiswil, dann nickt er bekräftigend: «Wir wollen hier Wert schöpfen, wo sonst nicht viel Gewerbe ist.»