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Dorffest Worb: Ein Baby, ein Blumenkohl und eine Aktion für schönere Dorfplätze

In Worb wurde der Abschluss der Verkehrssanierung mit einem grossen Fest gefeiert. Gemeindepräsident Niklaus Gfeller fühlt Erleichterung und ist motiviert, "den Blumenkohl" nach der Ernte noch zu "rüsten". Nachbesserungen werden auch von den Parteien gefordert.

Die Worberinnen und Worber flanierten über das Festgelände. (Bilder: Res Reinhard)
Einer der Rollrasen-Blätze mit Bäumchen stand beim "Hirschen".

Das Festzelt auf dem Worber Dorfplatz war gut besucht, aber nicht voll, als der offizielle Festakt zum Abschluss der Verkehrssanierung über die Bühne ging. Vor allem ältere Leute verfolgten die Reden im vom Wurstgrill rauchgeschwängerten Zelt. Gut vertreten war auch die Worber Dorfpolitik, diverse Mitglieder des Gemeinderats und des Grossen Gemeinderats waren anwesend.

 

Alt-Regierungsrätin Barbara Egger (SP, Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion BVE) verglich das Projekt in ihrer Rede mit einem Baby. "Und man weiss ja, dass nicht nur Kinder von den Eltern, sondern auch die Eltern von den Kindern lernen." Sie habe unter anderem gelernt, dass man, um Kompromisse zu schliessen, raus müsse und nicht nur im Büro sitzen könne. 

 

 

Drei Nachbesserungen

Gemeindepräsident Niklaus Gfeller (EVP) hingegen sprach von einem "Blumenkohl", den man wohl kultivieren und ernten könne, danach müsse man ihn aber auch noch "rüsten", um ihn geniessbar zu machen. Er sehe konkret noch drei Punkte, die es nachzubessern gebe. Die Sperrung der Bernstrasse durch Poller, welche die Gemeinde am liebsten gar nicht in Betrieb nehmen möchte (BERN-OST berichtete), die Situation für Zufussgehende auf der Bahnhofstrasse und die Weiterführung der Umfahrung in Richtung Bächelmatt, ein Vorhaben, das noch ganz in den Anfängen liegt.

 

Viel Raum nahmen in Gfellers Festrede die Verdankungen ein: Er dankte den kantonalen und kommunalen Behörden, den Ladenbesitzern, den Anwohnerinnen und der ganzen Bevölkerung für ihren Einsatz und ihre Geduld. Eine eigene ausführliche Ehrung erfuhr Adrian Gygli vom Berner Tiefbauamt, der die Worber Verkehrssanierung als Ingenieur und Projektleiter seit rund 20 Jahren begleitet und vorantreibt. 

 

Reden gab es auch von Regierungsrat Christoph Neuhaus (SVP), dem Nachfolger von Barbara Egger in der BVE und von Peter Bernasconi (SP) . Bernasconi war vor Niklaus Gfeller Gemeindepräsident von Worb und damit einer der Geburtshelfer der Verkehrssanierung. Dazwischen spielte der Brass Band Posaunenchor Arni-Worb.

 

"Die Situation vorher war eine Zumutung"

In erster Linie sei er erleichtert über die Verbesserungen, welche die Sanierung dem Dorf bringen würden, sagt Niklaus Gfeller nach den Reden zu BERN-OST. "Die Situation vorher war eine Zumutung." Nun sei er motiviert, die letzten Nachbesserungen auch noch in Angriff zu nehmen.

 

Auch die befragten GGR-Mitglieder schätzten die positiven Effekte des Projekts. Roland von Arx (Grüne) sieht die Sanierung als "guten wichtigen Schritt, aber es ist noch viel zu tun." Etwa in der Pollerfrage: "Wenn man keine Poller will, muss man den Verkehr auf andere Art noch mehr einschränken und unbedingt den Fussgängern Priorität geben."

 

"Besser als erwartet"

Bruno Fivian, Präsident der örtlichen SVP, sieht die Verkehrssanierung zwar als Erfolg. "Es hat aber immer noch sehr viel Verkehr, gerade auch Lastwagen." Auch für den Detailhandel seien die verkehrsberuhigten Strassen "sicher kein Vorteil", was aber schlecht messbar sei. SVP-Fraktionspräsident Daniel Aebersold sieht es positiv: "Die Umfahrung funktioniert besser als erwartet, insbesondere, da ja der Verkehr insgesamt immer zunimmt."

 

"Was lange währt wird endlich gut", so der Kommentar von FDP-Präsident Marc Rothenbühler. Das Resultat sei beachtlich und verhältnismässig und nutze ihm auch ganz persönlich. "Man ist schneller mit der Umfahrung, es gibt aber auch keine Hindernisse auf dem Weg ins Zentrum."

 

"Massive Verbesserung"

Auch Lukas Zwyer (BDP) betont die eigenen Erfahrungen. "Die Umfahrung ist sehr praktisch und der Verkehr hat abgenommen. Im Dorf ist es viel angenehmer und selbst zum  Feierabend gibt es keinen Stau mehr." Was noch fehle, sei ein Fussgängerstreifen beim Schulhaus im Dorf. "Ich fände das sicherer für die Schulkinder, auch wenn Verkehrsstatistiken offenbar etwas anderes sagen."

 

"Noch nicht ganz zufrieden", ist Sandra Büchel, Präsidentin der SP Worb. "Die Sanierung ist eine massive Verbesserung.".  Hängig sei aber noch der Vorstoss von SP und Grünen im GGR, der eine Begegnungszone auf der Bernstrasse verlangt. Was sich auch noch ändern müsse: "Jetzt sollte man von der neuen Situation profitieren und die beruhigten Strassen beleben", sagt sie. "Zum Beispiel könnten Läden und Gastgewerbebetriebe rausstuhlen oder ihre Sachen rausstellen. Die neue Situation sollte schliesslich nicht dazu führen, dass noch mehr Läden zugehen."

 

Ins gleiche Horn bläst Beatrix Zwahlen (EVP): "Super, ist es jetzt so weit. Es ist viel angenehmer und ich komme lieber ins Dorf als vorher. Jetzt sollte man damit anfangen, die Strassen mehr zu beleben." Das sei kein Appell an die Politik, sondern an die Gewerbler, die gebotenen Chancen wahrzunehmen. "Man kann nicht immer nur schnöden."

 

Rollrasen für schönere Plätze

Zum Thema Belebung fand am Festtag auch eine kreative Strassenaktion statt. An verschiedenen Orten wurden Rollrasen-Blätze verlegt und mit Bäumchen oder Blumenkübeln verziert. Darauf stand jeweils ein Schild mit dem Titel "was wäre wenn" und Ideen, wie man die noch arg kahlen und leeren Plätze im Dorf verschönern könnte. Die Aktion wurde von Ex-Gemeinderätin Monica Masciadri in der letzten "Worber Post" angekündigt. Wer ausser ihr dahinter steckt,  durfte aber sogar Niklaus Gfeller nicht verraten.

 

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Autor
Anina Bundi, anina.bundi@bern-ost.ch
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Erstellt: 07.09.2019
Geändert: 09.09.2019
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