Drei Pensionierte erwecken die Rhätische Bahn zum Leben
Was gibt es Schöneres als einer Modelleisenbahn zuzuschauen, wie sie durch Tunnel und an Bahnhöfen vorbeifährt. In Grosshöchstetten steht neu ein Modell der Rhätischen Bahn. BERN-OST war vor der Premierenfahrt zu Besuch.
In Grosshöchstetten haben sich drei Bahnfreunde einen Bubentraum erfüllt. Edi Veraguth, Bruno Egli und Willi Biser haben die Rhätische Bahn wieder zum Leben erweckt. Bei Willi Biser steht neu eine Modelleisenbahn, die Kinderaugen zum Leuchten bringt. Auf 32 Meter Schienen fährt die Bahn durch prächtige Landschaften.
Wie ist es dazu gekommen?
Edi Veraguth ist ein Bahnfan seit er denken kann. Aufgewachsen ist er im Bündnerland direkt neben den Gleisen der Rhätischen Bahn. Schon als Bub hat ihn die Bahn fasziniert, seine erste Modelleisenbahn setzte er als 7-Jähriger zusammen. Mit den Jahren wurden die Modellbahnen grösser, bis ihm die Idee kam, die Rhätische Bahn nachzubauen.
Über zehn Jahre hat es gedauert, Stunden hat er investiert, er hat Bäume gebastelt, Schienen verlegt, Drähte gelötet, Modellloks gekauft, bis seine Bahn eines Tages vollendet war. Danach lagerte seine Modellbahn während Jahren im Keller. Szenenwechsel.
Vom Bündnerland nach Grosshöchstetten
Letztes Jahr musste Willi Biser eine Waschmaschine in einem Utziger Haushalt reparieren. Als er mit dem Besitzer der Waschmaschine ins Gespräch kam, zeigte ihm dieser seine Modelleisenbahn. Biser erzählte, das sei ein Traum von ihm, mal selbst so eine zu haben, worauf Bruno Egli ihm sagte: «Ich habe noch eine Modulanlage im Keller gelagert.»
In den Jahren davor lernte Bruno Egli den Bündner Edi Veraguth kennen, Egli bot an, das Rhätische Bahnmodell zu übernehmen und zum Leben zu erwecken. Doch auch bei Egli blieb die Bahn im Keller verborgen, bis Willi Biser auftauchte. Biser und Egli beschlossen, diese Rhätische Modellbahn zusammenzusetzen. Biser bot den Raum seiner Showküche zum Aufbau der Bahn an.
Die Bahn bei Willi Biser
Nach vier Monaten intensiver Bastel- und Feinarbeit steht jetzt diese Modelleisenbahn bei Willi Biser in Grosshöchstetten. Um die Züge über die gesamte Strecke fahren zu lassen, werden drei Personen zur Steuerung benötigt. «Wir stammen alle noch aus der analogen Zeit, weshalb diese Bahn rein analog gesteuert wird», sagen die drei 71-Jährigen lachend.
Tage der offenen Tür im April
«Für mich geht ein Traum in Erfüllung», meint Edi Veraguth mit glänzenden Augen, als er einem Zug zuschaut, wie er im Tunnel verschwindet. Endlich hat seine Modellbahn das Schattendasein hinter sich, endlich können sich andere Leute an der Bahn erfreuen. Die drei Bahnfreunde wollen die Modellbahn, die auf 60 Quadratmetern verkehrt, an zwei Tagen der offenen Tür Mitte April dem Publikum vorstellen. Der Eintritt ist gratis.
«Uns geht es nicht ums Geld, sondern darum, anderen eine Freude zu machen. Vielleicht entdecken dadurch Kinder den Spass an einer Modelleisenbahn», hofft Veraguth und fügt an: «Es ist drum schon etwas Besonderes, wenn man Schienen von Hand verlegt, den Stromkreis schliesst und die Bahn fährt.» Das sei für Kinder etwas anderes als am Computer Games zu spielen. Analog durch und durch.
Viel Liebe zum Detail
Alle drei haben viel Herzblut in diese Modellbahn gesteckt. Die Bahn fährt durch Tunnel, den Berg rauf, über Brücken, an der Burgruine Campi vorbei. Alles wurde massstabgetreu im Verhältnis 1:87 nachgebaut. «Für den Quadratmeter rund um die Ruine Campi benötigte ich etwa 225 Stunden», so Veraguth.
Bruno Egli hat zusammen mit seiner Frau 81 Jahre für den RBS gearbeitet. Er als Lokführer, sie im Betrieb, beide haben die Modelleisenbahn zusammengebaut und weitere Details der Umgebung verfeinert. Hier noch ein paar Autos beigesteuert, hinter dem Baum grast ein Hirsch, im Bach treiben Leute auf einem Gummiboot.
Die Modellbahn begeistert nicht nur wegen den Zügen, sondern auch wegen der liebevoll gestalteten Umgebung. «Für mich ist das wie ein Sechser im Lotto», freut sich Bruno Egli mit sichtlichem Stolz, «dass die Bahn jetzt steht und der Bahnwelt erhalten bleibt.»
Die Tage der offenen Tür finden statt am 18. und 19. April. Freier Eintritt. Eisenbahnbegeisterte und Kinder sind willkommen.
Öffnungszeiten:
Samstag: 13 bis 20 Uhr.
Sonntag: 10 bis 17 Uhr.
Gleichzeitig vor Ort: Modelleisenbahnbörse und Altmaterial Verkauf.
Bernstrasse 18, 1. Stock, Grosshöchstetten.
Bistro mit Speis und Trank sowie Weindegustation.