Feuerwehreinsätze 2025 in der Region

«Ein Bauernhausbrand ist immer ein sehr einschneidendes Ereignis»

Im Kanton Bern rückte die Feuerwehr letztes Jahr zu fast 9800 Einsätzen aus – rund 460 davon betrafen die Region Bern-Ost. Zudem erschütterten zwei aussergewöhnlich grosse Brände Biglen und Wichtrach. War also 2025 ein besonders hartes Jahr – beispielsweise für die Feuerwehr Regio Gumm, die beim Grossbrand in Biglen im Einsatz stand? Feuerwehrfrau Salomé Fleury erzählt.

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Salomé Fleury ist Ausbildungsverantwortliche der Feuerwehr Regio Gumm und sagt, der Brand in Biglen habe allen zu denken gegeben. (Fotos: regiogumm.ch)

Im Januar hat die Gebäudeversicherung Bern die Anzahl Feuerwehreinsätze des letzten Jahres bekanntgegeben: 9753 im Kanton Bern, 464 in der Region Bern-Ost. Wie aber sah das 2025 für die Feuerwehr Regio Gumm aus, die mit dem Bauernhausbrand in Biglen einen der grössten Brände in der Region löschen musste? Wir haben bei Salomé Fleury, Ausbildungsverantwortliche der Feuerwehr Regio Gumm, nachgefragt.

 

BERN-OST: 29 Alarmierungen, 27 tatsächliche Ereignisse und der aussergewöhnliche Grossbrand in Biglen – war 2025 für die Feuerwehr Regio Gumm ein wildes Jahr?  

Salomé Fleury: Nein, das 2025 war sogar eher ein ruhiges Jahr. Die Anzahl der Alarmierungen pendelt in unserer Regio immer etwa um diesen Wert herum, so auch letztes Jahr, trotz dem Grossereignis.  

 

Wie ist es, wenn die Feuerwehr Regio Gumm zu einem Einsatz gerufen wird – müsst ihr da immer mit dem Schlimmsten rechnen?

Wir arbeiten mit einem sogenannten Alarmstufenplan. Das heisst, die kantonale Alarmzentrale legt anhand der Informationen der meldenden Person bereits eine Stufe fest. Daraufhin werden automatisch die für diese Stufe hinterlegten Gruppen alarmiert. Das heisst, je nach Grösse des Ereignisses werden mehr oder weniger Angehörige der Feuerwehr oder auch zusätzlich spezialisierte Teams aufgeboten.

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Nicht nur bei Bränden, sondern auch bei Unfällen kommt die Feuerwehr Regio Gumm zum Einsatz. (Foto: regiogumm.ch)

Das heisst, ihr könnt anhand des Aufgebots bereits einschätzen, wie gross das Ereignis ist?

Ja, die Alarme sind in drei Stufen eingeteilt, also A für Brand und Stufe 1 bis 3 für klein, mittel und gross. Unter ein «A1» fallen unter anderem Ereignisse wie ein brennender Adventskranz, ein Container, ein Dampfabzug in der Küche oder ein Kaminbrand. Bei einem «A2» muss man mit einem Autounterstand, einem Dachstock, einem Blitzschlag mit Brand oder einem Küchen- oder Wohnungsbrand rechnen. «A3» steht dann für Bauernhaus, Einstellhalle/Tiefgarage, Restaurant oder eine Schule. Diese Kategorisierung sehen wir auf unserer Alarmmeldung.

 

Ausser zu Bränden wird die Feuerwehr auch zu anderen Notfällen gerufen.

Ja, dann kann eine Alarmierung beispielsweise wie folgt lauten: «D1, Öl, Benzin, Biglen; Sägematt 2, Flüssigkeiten nach VU». Das D steht für «Öl, Benzin, Gas» und VU steht für «Verkehrsunfall». Dadurch kann beim Ausrücken eine gewisse Grösse angenommen werden. Was wir dann vor Ort antreffen, muss aber nicht zwingend mit der Alarmierung übereinstimmen: Ein Ereignis kann sich auch entwickeln, so dass wir auf eine grössere Stufe nachalarmieren müssen.

 

Was kann man sich unter Ereignissen mit der Bezeichnung «Hilfeleistung» vorstellen?

Unter «Hilfeleistungen» fallen viele verschiedene Ereignisse: Zum Beispiel eine Person, die im Lift eingeschlossen ist, ein Wasserleitungsbruch oder eine Unterstützung des Rettungsdienstes wie beispielsweise Hilfe beim Tragen. «PbU» wiederum steht für Personenrettung bei Unfällen, also eine im Auto oder in einer Maschine eingeklemmte Person. Um diese zu befreien, werden spezielle Geräte gebraucht, die nicht jede Feuerwehr hat: Uns in der Regio Gumm kommt in solchen Fällen die Feuerwehr Worb zu Hilfe.

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Auch Tierrettungen gehören zu den Aufträgen der Feuerwehr Regio Gumm, hier die Rettung einer im Bach feststeckenden Kuh. (Foto: regiogumm.ch)

Und was bedeuten Ereignisse «BA/BS»?

«BA/BS» steht für Bahnanlagen. Bei Ereignissen auf oder neben den Geleisen wird der Bahnstützpunkt mit aufgeboten. Diese koordinieren den Bahnverkehr, erden wenn nötig die Fahrleitungen und kontrollieren den Zustand der Bahnanlagen.

 

Letztes Jahr kam es auch zu einer Tierrettung: Dabei kommt mir spontan eine Katze auf dem Baum in den Sinn, oder eine Kuh im Bach – und beim Grossbrand erhielt ein Geisslein Sauerstoff: War das die Tierrettung der Feuerwehr Regio Gumm von 2025?

Nein, in diesem Fall ging es um einen entlaufenen Ziegenbock: Wir haben mehrheitlich mit Kühen, Kälbern oder eben Ziegen zu tun, die sich verirren oder die aus einer misslichen Situation befreit werden müssen. Das Geisslein vom Grossbrand ist wohlauf und sicher zuhause. Katzen hingegen sind bei uns seltene Tierrettungen, die sind in städtischen Gebieten weit häufiger anzutreffen.

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Brennt ein Bauernhaus, wie letztes Jahr in Biglen, ist das für die Feuerwehrleute ein einschneidendes Ereignis, das ihr ganzes Können erfordert. (Foto: Archiv BERN-OST)

Was lässt sich rückblickend zum vergangenen Jahr sagen?

Ein Bauernhausbrand ist immer ein sehr einschneidendes Ereignis, das hat uns sicher weit mehr beschäftigt als die Ereignisse eines «Standard-Feuerwehr-Jahrs». Wir haben die darauffolgende Übung genutzt, um über die Erlebnisse zu sprechen und uns auszutauschen. Das hat der Mannschaft gutgetan. Ansonsten war es, wie gesagt, ein eher ruhiges Jahr.

 

Worauf macht sich die Feuerwehr Regio Gumm für das kommende Jahr gefasst – ist sie gut unterwegs?

Der Einsatz in Biglen hat uns gezeigt, dass wir ganz gut unterwegs sind – das kam auch als Feedback von den Partnern vor Ort so zurück. Was wir immer brauchen können, sind Atemschutzgeräteträger. Aber da wir viele Angehörige der Jugendfeuerwehr haben, denke ich, dass wir bald ein paar von den Übertretenden dafür ausbilden können. Ansonsten werden wir wieder einmal mit den Schulen eine Evakuierung üben. Und wir werden uns Gebäude mit möglichen grossen Menschenansammlungen anschauen, damit wir ihr Brandschutzkonzept kennen, falls wir intervenieren müssen.

 

Das sind die Einsatzzahlen 2025 der Feuerwehr Regio Gumm :

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(Grafik: gvb.ch)

Das sind die Einsatzzahlen 2025 sämtlicher Feuerwehren der Region Bern-Ost:

Bilanz der gesamten Berner Feuerwehren 2025

Im Januar gab das Feuerwehrinspektorat der Gebäudeversicherung Bern (GVB) die Einsatzzahlen des letzten Jahres bekannt. Ihr Fazit: Im vergangenen Jahr mussten die 160 Feuerwehrorganisationen im Kanton Bern etwas weniger ausrücken als noch im Vorjahr. «Zugenommen haben Einsätze aufgrund von Ereignissen auf Bahnanlagen, Ereignissen mit Öl/Benzin und Bränden», schreibt die GVB. «Deutlich weniger mussten die Feuerwehren wegen Elementarereignissen und Tierrettungen ausrücken.»

 

In Zahlen sieht das so aus

Insgesamt rückten die 160 Feuerwehrorganisationen im Kanton Bern im vergangenen Jahr 9’753-mal aus (2024: 9’937 Einsätze). Die meisten Einsätze (2’648 Einsätze) wurden wie im Vorjahr aufgrund von automatischen Alarmierungen ausgelöst, beispielsweise wenn eine Brandmeldeanlage in einem Gebäude Rauch detektiert hatte, gefolgt von Einsätzen aufgrund von Hilfeleistungen (2'252 Einsätze).

 

Mehr Bahnereignisse, weniger Elementarereignisse

Die grösste Zunahme ist bei Ereignissen auf Bahnanlagen zu verzeichnen (40 Einsätze, das sind 48 Prozent mehr), die grösste Abnahme bei Elementarereignissen (1’001 Einsätze, das sind 21 Prozent weniger): Weil es deutlich weniger Unwetter gab, mussten die Feuerwehren auch weniger ausrücken.


Autor:in
Claudia Weiss, claudia.weiss@bern-ost.ch
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Erstellt: 16.02.2026
Geändert: 16.02.2026
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