Krimiautorin Christine Brand in Grosshöchstetten

Ein sehr persönlicher Blick in die Schreibstube

Lange hat sich das Bibliotheksteam von Grosshöchstetten auf diesen Abend gefreut, und er wurde ein Erfolg: Die bekannte Krimiautorin Christine Brand schreibt nicht nur spannende Krimis, sondern erzählt lebhaft und leichtfüssig aus ihrem Leben. Sie spricht damit ihr Publikum so direkt an, dass am Ende alle das Gefühl haben, die sympathische Bestsellerautorin persönlich zu kennen.

image 983613
Bestsellerautorin Christine Brand mit dem Grosshöchstettener Bibliotheksteam (von links): Christa Schönmann Abbühl, Barbara Stucki und Tanja Mägli. (Foto: cw)

Gespannt schaut Bibliotheksleiterin Christa Schönmann Abbühl zu, wie sich die 150 Stühle in der Aula des Oberstufenschulhauses Grosshöchstetten füllen. Sie ist aufgeregt. Auf dem Programm steht nicht weniger als das Highlight des Bibliothekenjahres: Die Lesung der bekannten Krimiautorin Christine Brand, eingefädelt im Herbst 2024, jetzt ist der Moment da.

 

Das Finale in Grosshöchstetten

Rechts neben der Bühne wartet Christine Brand, die Attraktion des Abends, leger in Jeans und Pulli, das Headset montiert, bereit für ihren Auftritt. Es ist ihre letzte Lesung in einer Reihe von 26 Anlässen quer durch die Schweiz, tags darauf fliegt sie in ihre zweite Heimat Sansibar zurück. «Ich freue mich auf diesen Schlusspunkt in Grosshöchstetten», sagt sie vor Beginn. Dann steigt sie die Treppe hoch, setzt sich an das kleine Lesepult und richtet die Lampe.

image 983627
Christine Brand liest aus ihrem neusten Krimi und erzählt aus ihrem Leben. (Foto: zvg)

Begeisterter Applaus, Christine Brand setzt die Lesebrille auf und legt los. Es passt von Anfang an, das Publikum, viele Frauen von jung bis alt und ein paar Männer, kommt voll auf die Kosten: Die Autorin liest aus ihrem neusten Buch «Vermisst – der Fall Lucas», sie intoniert mitreissend, die Krimifans lauschen gebannt. Und als sie nach einem Cliffhanger aufhört, atmen nicht nur jene enttäuscht aus, die das Buch noch nicht gelesen haben: Sie liest ebenso angenehm vor, wie sie spannend schreibt.

Zwischen den Lesestücken packt Christine Brand ihr Publikum ebenso gekonnt mit amüsanten Episoden aus ihrem Leben, sie bringt die Leute mehrmals zum Schmunzeln, wenn sie ihren missglückten Kindheitswunsch offenbart: Wie sie von einem Chamäleon träumte, stattdessen Wüstenspringmäuse erhielt und mit diesen gleich mehrere schräge Geschichten erlebte. Sie erzählt, dass der verpasste Chamäleonwunsch schliesslich dazu geführt hat, dass heute ihre Hauptperson, Ex-Polizistin und Privatdetektivin Malou Löwenberg, ein Chamäleon namens Frederick beherbergt.

image 983616
Der Saal ist voll, das Publikum lauscht gebannt. (Foto: cw)

Und sie bringt einen Hauch Sansibar nach Grosshöchstetten, wenn sie darüber spricht, wie sie dort an ihren Büchern arbeitet. «In Sansibar bin ich offener für Ideen als in der Schweiz, weil ich dort wochenlang keine Termine habe», sagt sie, und gibt unterhaltsame Einblick in ihren Arbeitsalltag als einsame Schriftstellerin. «Manchmal merke ich, dass ich darob ein wenig seltsam werde», sagt sie fröhlich.

 

Als Ein-Frau-Team kann sie nur mit sich selbst brainstormen

Wenn aber «seltsam» so unbekümmert daherkommt wie bei Christine Brand, scheint das nichts Schlimmes: Humorvoll schildert sie, wie sie wie sie stundenlang mit einem alten Kabelmikrofon am Handy am Meer entlangspaziert, Gedankensplitter aufnimmt und dabei manchmal eifrig mit sich diskutiert. «Ich bin ein Ein-Frau-Team, daher brainstorme ich halt mit mir selbst, und manchmal schelte ich mich auch selbst und sage 'Quatsch, das kannst du doch so nicht schreiben, das geht nicht'.»  

So locker wie sie erzählt, so spontan lebt das Publikum mit, lacht, seufzt, applaudiert: Christine Brand zeigt ihr gutes Gespür für Dramaturgie, gebannt hören alle zu, wie sie nahtlos von einem zum anderen Erlebnis wechselt. Spannend auch ihre Erzählungen vom Besuch am Filmset bei SRF, wo letzten Herbst ihr Krimi «Blind» verfilmt wurde. Sie verrät, warum der blinde Film-Nathaniel, anders als im Buch, nicht im Restaurant Blinde Kuh arbeitet, und erzählt, welch ganz besonderer Moment es gewesen sei, als sie den Film-Darstellerinnen und -Darstellern begegnet sei: «Es hat mich total überwältigt, als meine fiktiven Figuren lebendig vor mir standen und mir die Hand reichten – davon kann man als Schriftstellerin sonst nur träumen.»  

 

Alle fühlen sich direkt angesprochen

Sie plaudert so erfrischend und natürlich, dass im Laufe des Abends alle das Gefühl bekommen, Christine Brand habe sie direkt und ganz persönlich angesprochen. Nur zu schnell ist die Lesung fertig, auch wenn das Publikum noch lange hätte zuhören mögen. Dafür steht in einer Ecke beim Eingang schon der Tisch für die Signierrunde bereit. Daneben hat Richard Büchi von der nahegelegenen Papeterie bübü seinen Büchertisch aufgebaut. Die Stapel von Brand-Krimis, die er vor sich aufgereiht hat, schwinden zu seiner Freude wie warme Weggli, so dass er schon bald im Eilschritt Nachschub holen muss.

image 983628
Richard Büchi aus der nahegelegenen Papeterie freut sich: Christine Brands Bücher gehen weg wie warme Weggli. (Foto: cw)

Bibliotheksleiterin Christa Schönmann ist erleichtert: Ihre Aufregung hat sich gelohnt, der Abend ist ein voller Erfolg geworden, dieser Abend, den sie bereits im Herbst 2024 eingefädelt hat. Der Vorschlag, Christine Brand anzufragen, stiess sofort ringsum auf grosse Zustimmung, die Brand-Bücher der Bibliothek sind immer ausgeliehen. «Wir vom Bibliotheksteam haben uns schon ewig darauf gefreut», sagt Schönmann, und blickt sich in der Aula um, wo noch immer an die 50 Leserinnen und Leser geduldig in der Schlange hinter dem Signiertisch warten. Andere bleiben noch einen Moment in ihren Reihen sitzen und plaudern angeregt weiter.

image 983617
Signierstunde bei Christine Brand: Um die fünfzig Leute wünschten eine Widmung in ihr Buch. (Foto: cw)

Hier und da ist zu hören, dass man gerne noch länger zugehört, noch mehr über ihre Person erfahren hätte. Mehr soll aber an dieser Stelle gar nicht verraten werden, es lohnt sich, Christine Brand live zu hören – oder eines ihrer Bücher zu lesen. «Vermisst – Der Fall Lucas» jedenfalls verspricht viel Spannung. Das vierte Kapitel, das die Autorin an diesem Abend vorgelesen hat, ist das kürzeste, und es endet so, dass man wissen will, wie es weitergeht: «Nur zwei Wörter sind aus dem Telefonhörer zu hören: Alarmstufe Rot.»

Biografie

Christine Brand wurde am 11. April 1973 in Oberburg geboren, arbeitete zuerst als Journalistin bei der Berner Zeitung Der Bund, später als Gerichtsreporterin bei der NZZ am Sonntag. Seit 2018 lebt sie als Schriftstellerin vom Bücherschreiben, inzwischen hat sie elf Kriminalromane und drei Bücher mit wahren Kriminalgeschichten veröffentlicht. Die Beststellerautorin ist im Emmental aufgewachsen, heute lebt sie in Zürich und Sansibar. Weitere Informationen finden Sie hier


Autor:in
Claudia Weiss, claudia.weiss@bern-ost.ch
Fehler gefunden?
Statistik

Erstellt: 07.06.2026
Geändert: 07.06.2026
Klicks heute:
Klicks total: