Eine Dorfbeiz-Bitte
Biete
Nur so ein Denk-Anstoss.
EINE DORFBEIZ BITTE! Doch BITTE so, wie es uns gefällt!!
Das Beizensterben ist ein grosses Thema. In der Stadt werden neue Konzepte aus dem Boden gestampft dort boomen hippe Ideen. Es ist wichtig, ein Erlebnis zu bieten. Man will sich besonders fühlen, wenn man einen Gastrobetrieb besucht hat. Natürlich gibt es auch in der Stadt noch Traditionsbetriebe, doch auch sie werden weniger.
Und auf dem Land? Da ruft man nach einer Beiz. Einem Ort, an dem man sich treffen darf, hingehen kann und andere Menschen trifft. Gibt es diese Beiz nicht mehr, jammern alle und möchten wieder eine Beiz zurück.
Doch die Margen in der Branche sind tief, oft zu tief, um anständig davon leben zu können, ohne einen Sponsor im Hintergrund. Und dennoch gibt es sie: Menschen, die das Gastrogen im Blut haben, die keine Arbeit scheuen und ihren Beruf lieben. Zum Glück. Es ist eine unglaublich befriedigende Aufgabe – aber auch eine Kunst. Eine Kunst zwischen Handwerk und dem Versuch, es allen recht zu machen.
Dieses Allen-recht-machen beginnt beim Bier auf der Karte und endet bei den Preisen der Kindermenus. Und so schnell dreht sich das Jammern darüber, dass es keine Beiz im Dorf mehr gibt, hin zum Jammern übers Wirtepaar und darüber, was es tut oder eben nicht tut. Jede und jeder weiss es plötzlich besser. Alle werden zu Preisüberwachern und behaupten am Stammtisch laut, Rechnen sei eine Glückssache. Ja, Rechnen ist vielleicht eine Glückssache – und genau deshalb gibt es heute viele Dorfbeizen nicht mehr. Deshalb streitet man sich vielleicht über den Kaffeepreis. Denn wer rechnen kann, macht seine Preise so, dass es den Betrieb in zwei Jahren noch gibt. Damit die Leute weiterhin am Stammtisch sitzen und sich übers Dorfgeschehen austauschen können – im besten Fall über den verlorenen Fussballmatch der hiesigen Damenmannschaft.
Ob welches Bier serviert wird oder ob der Kaffee 20 Rappen mehr kostet, hilft niemandem, wenn die Gaststube kühl bleibt und an der Tür steht: „für immer geschlossen“.
Dass jeder Wirt sein eigenes Marketing machen muss, ist klar. Doch der Wirt, wie man ihn früher nannte, muss heute Unternehmer sein. Ein Unternehmer oder eine Unternehmerin einer Dorfbeiz ist ein Mensch, der sein Herz in die Gaststube legt, um den Menschen die Türen zu öffnen. Gastfreundschaft bedeutet auch, Menschen dazugehören zu lassen, bevor sie dazugehören, bis sie wirklich dazugehören. Wie jede und jeder das gestaltet, ist so individuell wie ein Coiffeur Haare schneidet, ein Schreiner einen Tisch baut oder ein Banker den Markt einschätzt.
Wenn wir die Dorfbeiz wollen, müssen wir umdenken. Wenn uns vielleicht etwas nicht so passend erscheint, bevor wir Jammern uns vielleicht zuerst fragen, um was es eigentlich geht. Und beim nächsten Mal, wenn wir uns über einen Preis in der Beiz enervieren, können wir uns fragen, wie teuer der Handwerker vor 30 Jahren noch war... Vielleicht relativiert sich dann der Preis, und wir können am Stammtisch wieder über wirklich Wichtiges sprechen.
Erstellt:
29.08.2026
Geändert: 29.08.2026
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