Maikäfer im Anflug

Erinnerungen an den ungeliebten Klassiker

Der Mai kann kommen. Schon wurde ein erster Vorläufer des Wonnemonats gesichtet. Maienkäfer waren früher in Massen unterwegs, heute sieht man sie nur noch vereinzelt.

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Erwin Liechti hat in Enggistein einen Maienkäfer gesichtet. (Foto: rb)

In Enggistein hat sich am Dienstag ein erster Maienkäfer blicken lassen. «Als wir Kinder waren, schüttelten wir die Maienkäfer von den Bäumen», sagt Erwin Liechti aus Enggistein. Die Gemeinde rief damals auf, dass pro Haushalt zwei Kilo Maienkäfer gesammelt werden müssten.

 

Der junge Erwin nahm ein Leintuch, legte es unter den Baum, «dann schüttelten wir den Baum und die Käfer fielen runter. Diese brachten wir dann zum Bauer, der versenkte sie im Bschüttloch.»

 

Der Maienkäfer war unbeliebt

Das waren raue Sitten, wie in den 50er Jahren mit den Maienkäfer umgegangen wurde. Dass sich die Maienkäfer schon Ende April blicken lassen, ist normal. Maienkäfer sind in der Dämmerung aktiv, man sieht sie an Waldrändern und im Garten. Sie fressen Blätter von Buche, Eiche oder Ahorn.

 

Das grössere Problem sind die Larven, die sogenannten Engerlinge. Sie leben im Boden und fressen Wurzeln von Gräsern und anderen Pflanzen. Ihre Feinde sind Vögel, wie Amsel, Grünspecht oder Krähe sowie Igel und Mäuse. Der Maienkäfer ist übrigens grösser als der Junikäfer, der nicht zur gleichen Familie gehört.

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Der Maienkäfer wird bis zu drei Zentimeter gross. (Foto: Erwin Liechti)

Danach kam das Gift

Mitte der 50er Jahre wurde der Maienkäfer mit dem heute verbotenen Instektengift DDT bekämpft. Danach gingen die Bestände massiv zurück. Doch auch Vögel wurden durch den Einsatz des Insektengifts dezimiert.

 

Das Gift führte bei Vögeln zu dünneren Eierschalen, worauf viele Eier beim Brüten zerbrachen. Davon betroffen waren vor allem der Wanderfalke oder auch der Steinadler. Ende der 60er Jahre verboten die USA den Import von Schweizer Käse, da der Höchstgehalt an DDT im Käse überschritten wurde. 1972 wurde der Einsatz von DDT in der Schweiz verboten.  


Autor:in
Rolf Blaser, info@bern-ost.ch
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Erstellt: 29.04.2026
Geändert: 29.04.2026
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