«Es lief wohl nicht nach Plan»
Ein nächtlicher Einbruch vergangene Woche bei Jutzi Motorsport hinterliess Schäden, leere Plätze in der Werkstatt und ein Rätsel um das Vorgehen der Täter.
In der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag ist bei Jutzi Motorsport in Walkringen eingebrochen worden. Entdeckt wurde der Vorfall am frühen Donnerstagmorgen – auf einen Blick: «Als wir ankamen, brannte im ganzen Gebäude noch das Licht, die Tore standen offen und draussen lagen drei Motorräder», erzählt Werkstattleiter Benjamin Gertsch.
Offenbar versuchten die Einbrecher zunächst, über die Eingangstüre ins Geschäft zu gelangen. Diese hielt jedoch stand und trug lediglich Kratzspuren davon. Danach schlugen die Täter eine Scheibe bei der Werkstatt ein. Dazu verwendeten sie Steine, die später noch vor Ort liegenblieben. «Ich wüsste nicht, wo es in der näheren Umgebung solche grossen Steine gibt. Vermutlich haben sie diese mitgebracht», sagt Gertsch.
Kleines Auto - kleine Beute
Insgesamt wurden zwei Motorräder gestohlen. Bei einem weiteren Motorrad montierten die Täter die Gabel und das Vorderrad ab und nahmen diese ebenfalls mit. Drei Motorräder lagen zeitweise vor dem Gebäude. Dabei wurden einzelne Fahrzeuge zerkratzt, offenbar beim Versuch, sie einzuladen. Gertsch vermutet, dass das Fluchtfahrzeug zu klein war. «Wahrscheinlich haben sie deshalb begonnen, ein Motorrad auseinanderzunehmen, um mehr mitnehmen zu können.»
Auffällig ist auch, dass Strassenmotorräder die Täter nicht interessierten. «Diese müssen eingelöst werden und fallen schneller auf. Motocross-Motorräder nicht, die verschwinden einfacher», erklärt Gertsch. Der Wert der beiden gestohlenen Ware liegt bei unter 10 000 Franken.
Möglicherweise hatten es die Einbrecher auch auf den Lieferwagen der Firma abgesehen. Der Schlüsselkasten stand offen, doch das Firmenfahrzeug stand ausgerechnet in dieser Nacht nicht vor Ort. «Mit einem Lieferwagen hätten sie deutlich mehr mitnehmen können», so Gertsch.
Die Einbrecher liessen sich Zeit
Gemäss Überwachungskamera hielten sich die Täter rund anderthalb Stunden im Gebäude auf. Wegen des Schneefalls an diesem Abend sind die Aufnahmen jedoch kaum aussagekräftig. Mitgenommen wurden unter anderem auch Bekleidung und Zubehör, von welchen die Preisschilder und Zettel am Boden lagen. Um 4.15 Uhr traf ein Lieferdienst bei einem Nachbargebäude ein, vermutlich deshalb verliessen die Einbrecher ein paar Minuten später den Ort. «Es sah nicht so aus, als wären sie fertig gewesen. Wahrscheinlich bekamen sie Angst», vermutet Gertsch.
Die Polizei war am nächsten Morgen vor Ort, um unter anderem die Spuren zu sichern. An der zerbrochenen Scheibe wurde ein Handabdruck entdeckt, zudem sicherten die Einsatzkräfte mehrere Fingerabdrücke. «Auch eine leere Cola-Dose, die sehr wahrscheinlich von den Tätern stammt, wurde gefunden», so Gertsch.
Geplant ja, aber nicht fertig
Für Gertsch wirkt der Einbruch insgesamt wenig professionell. «Es macht den Eindruck, als seien sie zuvor schon einmal hier gewesen. Gleichzeitig war vieles schlecht geplant: Mit einem grösseren Fahrzeug hätten sie in zehn Minuten alles einladen und wegfahren können.» Ein Motorrad wurde zudem von der oberen Etage über die Treppe nach unten gebracht und dürfte dabei umgefallen sein. Mutig seien die Täter dennoch gewesen. Rund um das Geschäft stehen Wohnhäuser, über dem Laden befindet sich zudem eine Wohnung. «Die Mieter waren jedoch in den Ferien. Ob die Täter davon wussten oder einfach Glück hatten, bleibt offen.»
Der Einbruch bedeutet für den Betrieb einen erheblichen Aufwand. Das Aufräumen, Schäden melden und die Reparaturen kosten Zeit. Die eingeschlagene Scheibe wurde inzwischen ersetzt, das Gebäude ist wieder gesichert. «Ein Stein ist ein guter Schlüssel», sagt Gertsch trocken. Trotz aller Ungereimtheiten sind die Täter bislang entkommen – allerdings wohl nicht mit allem, was sie sich erhofft hatten.
Ein mulmiges Gefühl bleibt dennoch. «Auch wenn keine persönlichen Gegenstände betroffen waren, ist es speziell zu wissen, dass jemand einfach so Zugriff hatte», sagt Gertsch. Und fügt mit einem Schmunzeln an: «Dieser Einbruch hatte definitiv Verbesserungspotenzial.»