«Es war aufwändiger als ich dachte»
Konfitüre kochen, Preise berechnen, Etiketten gestalten und den Verkauf planen: Eine Münsinger Schulklasse baut für einige Wochen eine eigene Firma auf. Am 24. Oktober verkaufen die Schülerinnen und Schüler ihre selbst gemachten Produkte am Bio-Erntedankfest-Märit in Münsingen. Dahinter steckt deutlich mehr Arbeit, als viele zuerst gedacht hatten.
Die Idee zum Projekt kam vom Biohof Trimstein. Katrin Portmann fragte WAH-Lehrerin Stephanie Balliana an, ob sie mit ihrer Klasse ein gemeinsames Projekt durchführen möchte. Daraus entstand die Schülerfirma «Vom Hof auf den Märit».
Das Ziel: Aus regionalen Lebensmitteln eigene Produkte herstellen und anschliessend alles organisieren, was zu deren Verkauf gehört. Die Klasse teilte sich dafür in vier Gruppen auf: Produktion, Preisgestaltung, Organisation sowie Marketing und Kommunikation.
122 Gläser Konfitüre und 24 Kilo Äpfel
Am sichtbarsten war die Arbeit der Produktionsgruppe. Entstanden sind unter anderem 122 Gläser Konfitüre, Kürbis-Chutney, Kräutersalz, Apfelmus und getrocknete Apfelringe.
«Die Idee war, dass wir nur regionale und saisonale Lebensmittel verwenden», erklärt Stephanie Balliana. Ein Teil der Früchte sei deshalb eingefroren worden, weil die Klasse sie erst am Produktionstag verarbeiten konnte.
Julian gehörte zur Konfitüren-Gruppe. «Ich habe die gefrorenen Früchte geschnitten. Niemand von uns hatte vorher schon einmal Konfitüre gemacht.» Am Ende standen fünf Töpfe auf dem Herd. «Wir waren einen ganzen Morgen dran. Es hat Spass gemacht und jetzt weiss ich, wie man Konfitüre macht.»
Die Menge überraschte ihn trotzdem: «Ich dachte schon, dass es viel zu tun gibt, aber nicht so viel.» Wichtig sei die Zusammenarbeit gewesen. Und die gefrorenen Früchte hätten noch eine zusätzliche Herausforderung gebracht: «Es war ziemlich kühl, sie zu verarbeiten.»
Auch bei den Äpfeln war Handarbeit gefragt. Insgesamt standen 24 Kilo zur Verfügung. Zuerst musste entschieden werden, welche Äpfel sich für welche Produkte eignen. «Diejenigen mit faulen Stellen konnten wir nicht für die Apfelringe brauchen. Dort brauchten wir die perfekten Äpfel», sagt Balliana.
Luca verarbeitete zwölf Kilo Äpfel zu Dörrringen. «Wir haben sie von Hand in fünf Millimeter dicke Scheiben geschnitten und dann alle einzeln auf die Gitter gelegt.» Die Dörranlage stellte der Frauenverein zur Verfügung. Nach so vielen Äpfeln sei die Begeisterung allerdings etwas gesunken. «Ich habe keine Lust mehr auf Äpfel», sagt Luca. Und einen Schnitt in den Finger gab es obendrauf.
Schneiden, kochen, pürieren
Alena kümmerte sich mit ihrer Gruppe ums Apfelmus. «Wir haben zwölf Kilo Äpfel verarbeitet, die faulen Stücke herausgeschnitten, alles klein geschnitten, gekocht, püriert, gewürzt und abgefüllt.»
Lara arbeitete mit den Kräutern. «Wir mussten alle Kräuter rüsten und mixen.» Daraus entstanden zwei verschiedene Produkte, für die unterschiedliche Kräuter miteinander gemischt wurden. Sie habe unterschätzt, was hinter einem solchen Projekt stecke: «Es ist viel mehr Arbeit, als man vermutet. Es ist auch nicht selbstverständlich, dass man mit einer Klasse so etwas auf die Beine stellen kann.»
Amelia war für das Kürbis-Chutney im Einsatz. «Wir haben die Kürbisse in kleine Würfel geschnitten, mit dem restlichen Gemüse gemischt und gekocht.» Vier Töpfe Chutney entstanden so.
Auch für Balliana war die Menge zu Beginn eindrücklich: «Am Morgen war es noch schwer vorstellbar, dass wir das alles bis am Mittag verarbeiten.»
Was darf ein Glas kosten?
Mit der Herstellung allein ist es bei einer Firma nicht getan. Eine zweite Gruppe beschäftigte sich deshalb mit den Preisen. «Wir mussten zuerst die Herstellungskosten bestimmen», erklärt Lea. Dafür bekam die Gruppe Quittungen für Gläser, Äpfel und weitere Zutaten. Danach wurde gerechnet: Was kostet ein einzelnes Produkt? Wie viele Stück werden hergestellt? «Ich fand es kompliziert, was man alles berechnen musste.»
Julien sah das etwas anders. «Ich fand es nicht so kompliziert. Es hat Spass gemacht.» Schwieriger sei teilweise die Recherche gewesen: «Vergleichbare Produkte im Laden zu finden, war nicht einfach.»
Denn die Schülerinnen und Schüler besuchten auch verschiedene Geschäfte und verglichen dort die Preise. «Wir haben eine Marktrecherche gemacht und ähnliche Produkte mit unseren verglichen», sagt Luan. Auffällig seien die Unterschiede gewesen: «Zwischen Bio-Konfitüre und Konfitüre vom Discounter gab es ziemlich grosse Preisunterschiede.»
Eine eindeutige Antwort auf die Frage nach dem richtigen Verkaufspreis haben die Jugendlichen damit noch nicht gefunden. Die Meinungen gehen auseinander. Ein Teil findet den errechneten Preis für die eigenen Produkte hoch, die Preise im Discounter aber wiederum zu tief. Andere finden die Preise im Laden gerechtfertigt. Damit läuft die Diskussion über den Wert eines Lebensmittels auch nach der Berechnung weiter.
Wer steht wann hinter dem Marktstand?
Die dritte Gruppe kümmert sich um die Organisation des Märitauftritts. Dazu gehört weit mehr als ein Tisch mit einigen Gläsern.
«Wir haben die Mail für den Stand geschrieben und überlegt, wie wir die Produkte präsentieren und wie viele wir hinstellen», sagt Julia. Auch der Personaleinsatz musste geplant werden. «Wir mussten überlegen, wie viele Personen wann da sein müssen, auch für den Auf- und Abbau.» Der Aufwand habe sie überrascht: «Ich dachte nicht, dass die Organisation so aufwändig ist.»
Noe beschäftigte sich unter anderem mit den vorhandenen Mengen und dem Platz am Stand. «Wir mussten schauen: Wie viele Produkte haben wir und wie viel Platz steht uns zur Verfügung?»
Fabian nahm sich den direkten Kontakt mit den Kundinnen und Kunden vor. «Wir haben die fünf wichtigsten Punkte fürs Verkaufen aufgeschrieben.» Dazu gehören Fragen wie: Wie spricht man jemanden an? Worauf muss man im Gespräch achten? «Das wusste ich vorher nicht.»
Am Märit werden nicht alle Jugendlichen nur hinter dem Stand stehen. Einige sollen mit Produkten über das Gelände gehen und diese dort anbieten. Bei einzelnen Produkten ist auch eine Degustation vorgesehen.
Instagram, Etiketten und ein Artikel
Die vierte Gruppe sorgt dafür, dass überhaupt jemand von den Produkten erfährt. Felice erstellte gemeinsam mit einer Kollegin einen Instagram-Account. «Wir haben ein Video gemacht und hochgeladen, als wir die Produkte hergestellt haben.» Dazu kam ein Flyer. «Daran haben wir lange gearbeitet. Schon die Frage, was wir überhaupt posten wollen, brauchte Zeit.»
Elisa beschäftigte sich mit dem Erscheinungsbild der Produkte. «Wir haben die Etiketten designt, Namen für die Produkte gesucht und überlegt, welche Bilder dazu passen.» Gerade die vielen Möglichkeiten hätten die Arbeit nicht einfacher gemacht: «Entscheidungen zu treffen, war schwierig.»
Fabio übernahm einen weiteren Teil der Öffentlichkeitsarbeit. «Ich habe einen Artikel für die Münsiger Info geschrieben und Fotos gemacht.» Zusätzlich erarbeitete die Gruppe einen Kommunikationsplan.
Am 24. Oktober wird verkauft
Bis zum Märit bleibt damit noch einiges zu tun. Am Samstag, 24. Oktober, zeigt sich auf dem Schlossgutplatz in Münsingen, ob Produktion, Kalkulation, Organisation und Werbung zusammenspielen.
Dann stehen die Schülerinnen und Schüler selbst hinter ihrem Marktstand am Bio Erntedankfest. Für Julian klingt die Aufgabe zumindest in der Theorie einfach: «Gut verkaufen, dann ist es nicht so schwierig.»