«Es wirken ganz viele Kräfte auf unsere Schule»
Nach acht Jahren gibt Christoph Schweingruber sein Amt als Gemeinderat von Arni ab. Das Ressort Bildungswesen sei aufwendig, sagt er, und um in den Themen sattelfest zu werden, müsse man sich intensiv einarbeiten: Den Schulbetrieb zu verstehen, sei alles andere als banal. Seinem Nachfolger gibt er mit: «Man muss bereit sein, gemeinsam nach Lösungen zu suchen.»
BERN-OST: Christoph, du legst dein Amt als für das Ressort Bildungswesen verantwortlicher Gemeinderat nach acht Jahren nieder – ist ein solches Amt aufwendig?
Christoph Schweingruber: Ja, ich finde, das Amt ist recht aufwendig. Ich bin von Haus aus nicht beruflich mit der Schule verbunden, mein Fachwissen liegt andernorts. Das heisst, ich musste und muss mir viel Wissen und Zusammenhänge erarbeiten, um Entscheide zu treffen oder andere Entscheide zu verstehen. Ich habe in den letzten acht Jahren viel gelesen und Schule von einer neuen Seite kennengelernt, eher von der organisatorischen, administrativen und finanziellen Seite her.
Hättest du es dir auch einfacher machen können?
Ich bin halt so veranlagt, dass ich etwas verstehen will, dass ich Bescheid wissen will, wenn ich Verantwortung trage. Das kann man bestimmt auch zeiteffizienter machen. Dieses Einarbeiten ist das, was mir am meisten Zeit brauchte. Die Termine, die fix sind, sind händelbar.
Warum ziehst du gerade jetzt den Schlussstrich?
In den letzten Jahren ist bei mir privat sehr viel liegen geblieben, Freizeit im klassischen Sinne kam sehr viel zu kurz. Das hängt auch eng mit meinem Beruf zusammen. Ich merke, dass die Arbeit in der Nacht und die langen Einsatzzeiten mir körperlich mehr zusetzen als noch vor einigen Jahren. Ich habe gespürt, dass ich meine Ressourcen neu organisieren muss und habe mich entschieden, mein Amt per Ende Schuljahr weiterzugeben.
Du amtierst ja auch als Vize-Gemeindepräsident – war das einfach zu viel?
Nein, das Vize-Gemeindepräsidium ist nicht ein Amt per se, es wird einfach neben dem eigentlichen Ressort geführt. Es ist nicht an ein Ressort gebunden, aber Gemeinderat muss man schon sein, um es auszuüben. Ich werde deshalb automatisch auch das Amt als Vize-GP niederlegen. Man kann nicht sagen, dass der Vize «einfach zu viel» war, sondern meine Ressourcen reichen einfach nicht mehr für alles.
Was sollte man für ein solches Amt unbedingt mitbringen?
Ich finde es sehr wichtig, dass man offen und neugierig auf das Amt losgeht, und dass man bereit ist, gemeinsam nach Lösungen zu suchen. Wir sind eine zu kleine Gemeinde, als dass wir uns gegenseitig in ideologischen Grabenkämpfen abnutzen sollten. Jeder Gemeinderat und jede Gemeinderätin ist ja Laie in seinem oder ihrem Ressort. Das erfordert viel Verständnis von den Profis aus der Verwaltung oder den Diensten oder in meinem Fall der Schule.
Du sagst, du habest dich vor allem intensiv eingearbeitet …
Ja, es fordert von den Gemeinderätinnen und -räten den Willen, sich einzuarbeiten, sich reinzuknien und sich über die Sachverhalte kundig zu machen. In meinem Ressort dünkt es mich wichtig, dass man versucht, den Schulbetrieb zu verstehen. Das klingt zuerst einmal banal, ist es aber überhaupt nicht: Es wirken ganz viele Kräfte auf unsere Schule.
Was möchtest du deinem Nachfolger mitgeben?
Ich bin der Überzeugung, dass man sich für etwas einsetzen muss, damit es einem wichtig wird. Das kann ein Verein sein, ein Hobby oder eben der Ort, an dem man wohnt. Und wenn dieser Ort zu dem wird, wo man zu Hause ist, dann ist das ein grosses Privileg. Wir haben in der Schweiz diese Möglichkeit, uns zu engagieren für den Ort, an dem wir wohnen. Es lohnt sich, sie wahrzunehmen.
Wie lautet dein persönliches Fazit aus dieser Zeit?
Ich bin sehr dankbar, für alle Erfahrungen, die ich in den letzten acht Jahren habe machen dürfen. Es bleibt mir viel Dankbarkeit und Demut vor unserem politischen System und vor allen Menschen, die täglich dafür arbeiten. Und ich habe grossen Respekt vor allen Lehrpersonen, die täglich unsere Kinder dort abholen, wo sie gerade sind und ihnen die Werkzeuge mit auf den Weg geben für eine Zukunft, die ungewisser nicht sein könnte.
Was bleibt dir von deiner Amtszeit?
Wenn ich acht Jahre intensiver Auseinandersetzung mit der Schule auf drei Erkenntnisse zusammendampfen müsste, dann vielleicht diese:
- Egal welche Fragen in Zukunft gestellt werden, Bildung ist immer Teil der Lösung.
- Ich zitiere gerne Kennedy, der sagte «Bildung ist teuer, aber keine Bildung ist teurer.»
- Es braucht ein ganzes Dorf, um ein Kind zu erziehen: Erziehung und Bildung kann nicht in die Schule ausgelagert werden, das muss zu Hause, in der Familie und in der Nachbarschaft beginnen. Und es braucht uns alle.
Christoph Schweingrubers Nachfolger wird an der Gemeindeversammlung in stiller Wahl bestätigt. Wir werden ihn demnächst vorstellen.