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Euro Skills in Lille: "Mein Ziel ist klar die Goldmedaille"

Quelle
Thuner Tagblatt

Der Spengler Mike Ledermann misst sich bis und mit heute an den Euroskills in Lille mit den Besten seines Fachs. Das Metall, das ihn diese Woche am meisten interessiert, ist Gold.

Mike Ledermann bereitete sich in Oberdiessbach auf die Euroskills vor, die noch bis heute in Lille stattfinden. (Bild: Damaris Oesch)

Als der 19-jährige Mike Ledermann vor einigen Jahren als Nachwuchsskirennfahrer die Pisten unsicher machte, war ihm noch nicht bewusst, dass er bald eine noch grössere Leidenschaft entdecken würde. Eine Zeit lang träumte er davon, Profiskirennfahrer zu werden. Viel hätte dazu nicht gefehlt, doch als Mike Ledermann seine Lehre als Spengler bei der Kurt Wyler AG in Oberdiessbach begann, wurde er durch die Doppelbelastung gezwungen, eine Entscheidung zu treffen. Er entschied sich gegen das Skifahren, weil ihm klar wurde, «dass meine Leidenschaft für eine Profikarriere nicht ausreicht, dass ich nicht bereit bin, alles dem Skifahren unterzuordnen». Der Familienmensch sagt das ohne Bitterkeit oder Reue, für ihn ist diese Zeit in seinem Leben eine schöne Erinnerung – aber eben nicht mehr. «Meine Leidenschaft ging vom Skifahren in den Beruf über», erklärt der Oberdiessbacher, der heute nur noch hobbymässig Skirennen fährt.

Einzigartige Erfahrung

Der SCL-Tigers-Fan ist kein Mann der halben Sachen, er gibt sich nicht mit etwas Durchschnittlichem zufrieden, will alles oder gar nichts. Er steht immer mit ganzer Leidenschaft hinter seiner Arbeit, egal ob als Skirennfahrer oder als Spengler. An den Euroskills in Lille (F) geht es ihm deshalb in erster Linie um Gold. Nicht um Silber. «Ich bin sehr ehrgeizig, und ich weiss, dass ich Chancen haben werde. Das Ziel ist ganz klar Gold», sagt er selbstbewusst. Dabei klingt Ledermann weder arrogant noch überheblich. Im Gegenteil: Als er an dem kleinen Tisch im Büro seines Arbeitgebers sitzt, über seine Pläne spricht und dabei verlegen lächelt, wirkt er sehr bodenständig, fast schon schüchtern. Mike Ledermann ist ein sehr positiv denkender und ausgeglichener Mensch, er ist nach eigener Aussage fast nie schlecht gelaunt. Die Euroskills, für die er sich letzten November qualifiziert hat, bedeuten dem zielstrebigen Spengler sehr viel. «Es ist für mich eine grosse Ehre und eine einzigartige Erfahrung, die mir niemand nehmen kann.»

Spengler aus Leidenschaft

Seine Berufswahl hat der Autofreak grösstenteils seinen Eltern zu verdanken: Sie schlugen ihm die Schnupperlehre als Spengler vor. Nach dieser Woche war für den handwerklich geschickten Ledermann klar, dass er Spengler werden will. «Vom ersten Moment an faszinierte mich, wie viel Verschiedenes man ausschliesslich aus Metall herstellen kann», erklärt Mike Ledermann seine Begeisterung für den Spenglerberuf. Ausserdem gefalle ihm die Abwechslung in seinem Beruf; er geniesse es, draussen zu arbeiten, und auch die Arbeit hoch oben auf den Dächern schätze er. «Ich liebe Herausforderungen, am liebsten stelle ich anspruchsvolle Metalldächer her», meint der Perfektionist. Wenn er von seinem Beruf erzählt, blüht Mike Ledermann auf, seine Begeisterung ist offensichtlich. Da ist es auch keine Überraschung, will er sich zum Spenglerpolier und später zum Meister weiterbilden. Sein grösster Traum ist es, eines Tages eine eigene Firma zu gründen.

Absoluter Wettkampftyp

Eine Herausforderung erwartet Ledermann auch in Lille: Er und seine sechs Konkurrenten haben die Aufgabe, ein komplexes Dachmodell mit Blech zu verkleiden. Zusammen mit seinem Experten Roger Gabler hat er 40 Tage für die Euroskills trainiert und ist somit optimal vorbereitet. Mike Ledermann, der Durchhaltewillen und Ehrgeiz als seine besten Eigenschaften bezeichnet, wird in Lille von seiner Familie, seiner Freundin und deren Mutter unterstützt. Dass es nicht einfach wird, morgen die goldene Medaille zu erhalten, ist Ledermann klar. «Es braucht die perfekte Leistung am Tag x», sagt er, grinst und schickt eine Warnung an seine Gegner: «Aber ich bin ein Wettkampftyp, das habe ich beim Skifahren gemerkt.»


Autor
Damaris Oesch, Thuner Tagblatt
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Erstellt: 04.10.2014
Geändert: 04.10.2014
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