«Freiheit, Toleranz und wirtschaftliche Eigenverantwortung»
Ende März wählen wir den Berner Grossrat neu. Allein aus der Region Bern-Ost bewerben sich 155 Männer und Frauen um einen der insgesamt 160 Sitze. Bei uns stellen sich von jeder Partei eine Kandidatin und ein Kandidat aus der Region vor. Heute Gregory Graf aus Worb.
Name: Gregory Graf
Alter: 26 Jahre
Wohnort: Worb
Beruf: Stv. Geschäftsstellenleiter
Arbeitgeber: Valiant Bank AG
Familienstand/Kinder: ledig / keine Kinder
Bisherige politische Ämter: Gewähltes Mitgied GGR Worb Januar 2023 – Juli 2025, Mitglied der Bildungskommission Januar 2022 – Januar 2025, Mitglied der Geschäftsprüfungskommission Januar 2023 – Juli 2025, Präsident FDP Worb Mai 2023 – Juni 2025
Wie wurden Sie politisiert, was ist Ihre früheste Erinnerung an Politik?
Ich wurde mit 13 Jahren politisiert, als die Masseneinwanderungsinitiative angenommen wurde und die Schweiz in der Folge unter anderem den Zugang zu Erasmus verlor. Ich habe die Ereignisse damals intensiv im Fernsehen verfolgt. Es war das erste Mal, dass ich mich bewusst für Politik interessierte. Besonders beschäftigt hat mich, wie stark die öffentliche Meinungsbildung zu diesem Thema beeinflusst wurde. Ich wäre klar gegen diese Abstimmung gewesen.
Warum sind Sie bei den Jungfreisinnigen gelandet?
Ich bin bei den Jungfreisinnigen, weil sie Probleme klar beim Namen nennen, Fehlverhalten in der Politik konsequent ansprechen und konkrete Lösungen anpacken, statt mit symbolischen Aktionen oder unnötigen Demonstrationen das öffentliche Leben zu blockieren und andere zu beeinträchtigen.
Welche drei Begriffe beschreiben Ihre politische Haltung am besten?
Freiheit
Der Staat soll den Grundrahmen setzen und Gesetze festlegen, jedoch keine unnötigen Verbote erlassen, welche die individuelle Freiheit einschränken.
Toleranz
Ein respektvolles Miteinander und die Akzeptanz unterschiedlicher Lebensentwürfe sind die Basis einer funktionierenden Gesellschaft.
Wirtschaftliche Eigenverantwortung
Eine starke Wirtschaft braucht unternehmerische Freiheit, Leistungsanreize und Verantwortung, statt übermässiger Regulierung.
In welchem Politikbereich sehen Sie im Kanton Bern den dringendsten Handlungsbedarf?
Im Wohnungsbau. Der Kanton Bern hat in diesem Bereich einen enormen Handlungsbedarf. Der Mangel an bezahlbaren Eigentumswohnungen nimmt stetig zu, insbesondere in urbanen Zentren und gut erschlossenen Regionen. Langwierige Bewilligungsverfahren, hohe regulatorische Anforderungen und Einsprachen verzögern oder verhindern dringend benötigte Bauprojekte. Hier braucht es pragmatische Lösungen, schnellere Prozesse und Rahmenbedingungen, die Investitionen und Neubauten ermöglichen, ohne dabei die Lebensqualität zu beeinträchtigen. Zudem muss mehr Baufläche eingezont werden, um das Angebot auszuweiten und den Preisdruck nachhaltig zu entschärfen.
Soll die Schweiz Waffen in die Ukraine liefern?
Direkte Waffenlieferungen an die Ukraine sehe ich als sehr problematisch, da die Schweiz ein neutrales Land ist und diesen Status international geniesst. Um den Friedensprozess unterstützen und weiterhin ihre Guten Dienste anbieten zu können, sollte sich die Schweiz nicht als Waffenlieferant positionieren.
Wie stehen sie zum Thema Tempo 30 innerorts?
Ich stehe Tempo 30 innerorts eher kritisch gegenüber. Pauschale Temporeduktionen lösen viele Probleme nicht, sondern verlagern sie. Auf stark befahrenen Hauptachsen führt Tempo 30 häufig zu mehr Stau, Ausweichverkehr in Quartierstrassen und damit zu neuen Sicherheitsrisiken. Zudem sinkt die Akzeptanz, wenn Strassen weiterhin wie Tempo-50-Achsen wirken, was zu uneinheitlichem Fahrverhalten führt. Sinnvoll ist Tempo 30 dort, wo es wirklich nötig ist, etwa bei Schulen oder stark frequentierten Fussgängerzonen, nicht jedoch als flächendeckende Massnahme.
Was können Sie, dass niemand von Ihnen denken würde?
Ich spreche vier Sprachen, da ich multikulturell aufgewachsen bin. Mit meinen Eltern kommuniziere ich auf Deutsch und Französisch. Meine Mutter ist in der Romandie aufgewachsen, mein Vater im Berner Oberland. Zusätzlich bin ich durch meine spanische Mutter Doppelbürger, wodurch Spanisch von klein auf ein Teil meines Alltags war. Englisch habe ich mir später im schulischen und beruflichen Umfeld angeeignet.
Was ist das Wildeste, was Sie je gemacht haben?
Das Wildeste, was ich je gemacht habe, war der Besuch des EDM-Festivals Tomorrowland gemeinsam mit den deutschen Influencern @Inscopenico und @Ronbielecki.
Welches Lied können Sie auswendig?
RUPERT HOLMES - Escape (The Pina Colada Song)
Was war als Kind Ihr Traumberuf?
Filmregisseur