«Fressen, weil Sterben keine Option ist»
Der Verwaltungsrat der Sportzentrum Worb AG braucht von der Gemeinde 500'000 Franken, damit er bis zur Sanierung des Wisleparks genügend flüssige Mittel für laufende Verpflichtungen hat. An der Parlamentssitzung bekundeten einige Parteien zwar zwiespältige Gefühle, am Ende waren sich aber alle einig: Der Wislepark liegt ihnen am Herzen und soll ein weiteres Mal gerettet werden.
Die Kunsteisbahn im Worber Wislepark ist seit diesem Wochenende geschlossen, in ein paar Wochen startet im Freibad schon die Sommersaison. Das ist toll für die vielen Badegäste, läuft aber weniger flott im Hintergrund, denn der Wislepark hält sich immer gerade so über Wasser: Die Anlage ist immer noch marod, die Sanierung steckt immer noch fest und es mangelt immer noch an Geld, zurzeit vor allem an flüssigen Mitteln, um den laufenden Betrieb aufrecht zu erhalten.
In Zukunft effizienter und lukrativer
Das soll künftig grundlegend ändern: Das Sportzentrum soll nicht nur mit neuen Anlagen ausgestattet werden, es soll auch effizienter laufen und mehr Geld einbringen. Wie das funktionieren soll, muss sorgfältig abgeklärt und geplant werden, und es braucht mehr Zeit, langfristige Massnahmen zu erarbeiten, als ursprünglich gedacht. Statt wie beabsichtigt diesen Frühling kann das Volk deshalb erst im November 2026 über ein Sanierungsprojekt abstimmen. In der Zwischenzeit jedoch benötigt der neue Verwaltungsrat Geld, um allfällige betriebliche Defizite auszugleichen.
Bis dahin ist ein Liquiditätsschub nötig
Ein Beitrag von 500’000 Franken, so beantragte der Verwaltungsrat der Sportzentrum Worb AG dem Gemeinderat, soll als Liquiditätshilfe dienen. Der Gemeinderat beschloss, den Antrag dem Parlament nicht als rückzahlbaren Kredit, sondern als Erhöhung des Darlehens vorzulegen. «Auszahlbar nur auf Antrag und nur in der nötigen Höhe», wie es Gemeindepräsident Niklaus Gfeller (EVP) formulierte. Allfällige Restgelder würden dann in den Pool «Spezialfinanzierung» fliessen und den dortigen Bedingungen unterliegen.
«Eine halbe Million in ein Fass ohne Boden»
Dieser Plan leuchtete ein, und an der Parlamentssitzung zeigten sich alle Parteien sehr einig: Schwimmbad und Eisbahn sollen der Bevölkerung erhalten bleiben, auch wenn dafür eine weitere Finanzspritze nötig wird. Ohne kritische Anmerkungen ging es allerdings nicht. Ernst Bützberger (Mitte) sprach von einer «halben Million, reingeworfen in ein Fass ohne Boden – und wir wissen nicht, ob das reicht». GLP und Mitte hätten deshalb die Unterstützung am liebsten «isoliert für ihre Herzensprojekte Badi und Eisbahn» gesprochen, also ohne Gastro, Wellness und Fitness.
«Vogel friss oder stirb»
Marc Eberhart (FDP) bediente sich der Pilotensprache und fand gut, wenn die Tanks nicht geleert würden, aber auch er forderte eine gründliche Wartung. «Danach sollte man einen ordentlichen Flugplan erstellen, damit in zwei Jahren nicht wieder die Notfallcheckliste hervorgezogen werden muss.» Zwiespältig zeigte sich auch Urs Burkhard (Grüne), als er einwarf, man habe keine echte Wahl, es laufe eher nach dem Motto «Vogel friss oder stirb»: Der Verwaltungsrat sei auf den Kredit angewiesen, damit er überhaupt nächste Schritte planen und handeln könne. «Wir haben uns daher für Fressen entschieden, weil Sterben keine Option ist.»
Liquidität gegen Vertrauensverlust
Am Ende überwogen jedoch für alle die Vorteile des Reservedarlehens. «Ungewisses Sommerwetter, defekte Anlagen und unsichere Gastroeinnahmen – da macht es Sinn, für Liquidität zu sorgen», fasste Guido Federer (SP) zusammen. Fehlende Liquidität führe zu Vertrauensverlust, und da die Gemeinde günstigere Kredite aufnehmen könne, sei das eine sinnvolle Lösung. Denn auch wenn das Projekt im November zur Abstimmung kommt, und auch wenn es angenommen wird: Bis zum Start der Sanierungsarbeiten rechnen die Verantwortlichen der Gemeinde mit rund zwei Jahren, die Arbeiten beginnen also irgendwann im Jahr 2029.
Der Sommer kann kommen
Trotz teilweisem Missfallen nahm das Parlament den Verpflichtungskredit grossmehrheitlich an, und wenn alles gut läuft, kommt der Verwaltungsrat des Wisleparks damit bis zur Sanierung über die Runden. Zumindest in diesem Sommer kann die Badesaison schon bald losgehen – für den Verwaltungsrat des Wisleparks jetzt ein bisschen unbeschwerter als vor der Parlamentssitzung.
Änderungen der Gemeindeordnung
Einführung Jugendvorstoss
Noch mehr Einigkeit als schon beim Wislepark zeigte das Parlament bei der Frage nach dem Jugendvorstoss: Dieser soll Jugendlichen von 13 bis 18 Jahren ermöglichen, bei 40 Unterschriften ihre Anliegen im Parlament einzugeben. Zu diesem Thema meldete sich Julia Brincker (Grüne) engagiert, die Geografiestudentin weiss gut, wovon sie spricht: Noch vor fünf Jahren sei sie selbst ins Schulhaus Worbboden geradelt und habe unterwegs viele Ideen von sicheren Velowegen, Pumptracks oder Jugendfestivals entwickelt.
Politische Bildung …
Die Einführung des Jugendvorstosses, plädierte sie, bringe wichtige Vorteile: Stärkung von Demokratie und Integration, weil kein Schweizer Pass nötig sei, ausserdem diene er der politischen Bildung, bringe neue Perspektiven und wertvolle Ideen und biete niederschwelligen Zugang. Und last but not least: «Er bringt eine Signalwirkung und zeigt, dass Worb die Anliegen der Jungen ernst nimmt.»
… und leuchtendes Beispiel
Ihr Votum erhielt Rückenwind von allen Parteien. SP-Mann Matthias Marthaler fand, so könnten Jugendliche lernen, dass ihre Stimme zählt, und das stärke ihr Verantwortungsgefühl: «Wer 40 Unterschriften sammelt, beweist Interesse.» Hans Ulrich Steinmann (SVP), der selbst immer wieder beim Politparcours im Worbboden Jugendliche für Politik zu begeistern versucht, zeigte sich richtig enthusiastisch: «In der heutigen dunklen Welt dient diese Vorlage als leuchtendes Beispiel, wie direkte Demokratie in der Schweiz funktioniert.» Der Jugendvorstoss erhalte ein dickes Ja von der SVP.
Stellvertretung im Parlament
Erstaunlicherweise warf die Frage etliche Wogen, ob bei längeren Abwesenheiten wie Militärdienst, Urlaub oder Schwangerschaft eine Stellvertretung im Parlament erlaubt sei. Und wenn ja, ob diese Vertretung auch in den Kommissionen und Parlamentsbüro zugelassen sei. Ein Rückweisungsantrag der SP und ein Änderungsantrag der FDP führten zugleich zu zwei Sitzungsunterbrüchen. Gemeindepräsident Niklaus Gfeller beruhigte, indem er erklärte, dass solche Vertretungen nicht via Gemeindereglement, sondern via Geschäftsreglement geregelt würden.
In den beiden Punkten Jugendvorstoss und Stellvertretung im Parlament wurde die Änderung der Gemeindeordnung genehmigt – unter dem Vorbehalt, dass auch das Amt für Gemeinden und Raumordnung des Kantons Bern (AGR) sie genehmigt.