Auf einen Kafi mit Dany Rhyner

Füdliblutt tanzende Männer und Ueli der Pächter

Dany Rhyner war Chef eines grossen Grafikateliers, Hobbybauer, künstlerischer Leiter und Marketingchef bei über 80 Theaterproduktionen. Vieles hat er abgegeben, viel macht er noch: Demnächst startet das Freilichttheater «Ueli der Pächter» in Signau. Bei einem Kaffee erzählt Rhyner von seiner Leidenschaft.

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Dany Rhyner hat über 80 Produktionen begleitet und findet, das halte jung. (Foto: cw)

Lebhaftes Furchengesicht und eine winzige Metallbrille vor den pfiffigen Augen – wie Dany Rhyner so im Kafi BERN-OST hinter einem Chacheli Kaffee sitzt, könnte er glatt die Hauptfigur aus einem seiner Gotthelf-Theater spielen. Er ist aber nicht auf der Bühne zu sehen, wenn in Signau das diesjährige Freilichtspiel «Ueli der Pächter» startet, sondern im Hintergrund: Rhyner ist visueller Gestalter, Texter, Bühnenbildner, künstlerischer Leiter und verantwortlich für Logistik, kurz, ein Hansdampf, der die Fäden in der Hand hat. Nicht nur in Signau, sondern in unzähligen Freilicht- und Theaterproduktionen.   

 

Mehr Energie als manch Jüngerer

Rhyner ist 73 Jahre alt, aber voll im Schwung, und seine Energie könnte manch Jüngeren neidisch machen: Wenn er nicht in seinem Atelier in Worb neue Bühnenmodelle aus Schaumstoffkarton oder Sperrholz herstellt, hängt er am Telefon und koordiniert die vielen Hintergrundarbeiten für die neuste Produktion – ein Freilichttheater mit gegen 100 Mitwirkenden auf und hinter der  Bühne.  Zwischendurch braust er mit dem Auto nach Signau, um die letzten Feinheiten des Bühnenbaus zu beaufsichtigen.

Noch während er an diesem Stück arbeitet, ist er bereits daran, das Bühnenbild und die Infrastruktur für ein neues Theater zu planen, das übernächsten Sommer gespielt wird. Und später an diesem Tag will ihm ein Autor schon wieder ein neues Stück für das Freilichttheater Signau präsentieren. «Dann habe ich wieder zwei Produktionen nebeneinander», sagt er. Früher hatte er manchmal sogar drei Produktionen gleichzeitig am Laufen, dann war er nonstop unterwegs. Er lacht leise. «Ja, ich bin schon ein wenig ein verrückter Cheib.»

 

Zwischen Ghana und der Schweiz

Tatsächlich scheint manch anderes Leben blass, wenn er von all seinen Theaterproduktionen erzählt. Oder von seinen früheren Zeiten als Bub in Westafrika, wo sein Vater ein Transportunternehmen führte, bis er enteignet wurde und mit der Familie in die Schweiz zurückkehren musste. Die Rückkehr sei nicht einfach gewesen, sagt Rhyner, es hat ihm gefallen in Ghana.

Als junger Mann kehrte er für ein paar Monate dorthin zurück und versuchte sich als Grafiker und Fotograf: Inzwischen hatte er sich an der Fachklasse der Kunstgewerbeschule St. Gallen zum Grafiker ausbilden lassen, und so drehte er in Afrika unter anderem Werbefilme für die Brauerei Locher. Zurück in der Schweiz, arbeitete er fünf Jahre als Leiter Kreation einer grossen Berner Werbeagentur. Mit 28 Jahren gründete er sein «Atelier für visuelle und verbale Kommunikation», stellte zwölf Grafiker an und hatte lukrative Verträge mit Grossfirmen wie UBS, Volvo, SBB und Migros.

 

Mit Familie und Tieren im Bauernhaus

Besonders gern erinnert sich Dany Rhyner an jene Zeit ab 1988, die ihn zum Theater gebracht hat: Mit seiner damaligen Frau und den beiden Töchtern zog er in ein uraltes, abgelegenes Bauernhaus im bernischen Meikirch, Apfel- und Birnenbäume auf der Hostet, im Dachgeschoss richtete er sein Grafikatelier mit zwölf Arbeitsplätzen ein. Die Familie hielt drei Esel, zwei Pferde, zwanzig Schafe und sechzig Hühner, fünf Enten, zwei Gänse und einen Hund: Wenn Rhyner etwas anpackt, dann mit Leidenschaft. «Ich mähte die Wiesen mit der Sense und habe geheuet, was das Zeug hielt, im Gemüsegarten wuchsen Salat und Kartoffeln, und aus der Schafmilch habe ich Käse hergestellt.»

Zeitgleich startete sein Leben in der Theaterwelt: «Ich wollte im Dorf Leute kennenlernen und spielte im Theater des gemischten Chors mit», erzählt er. Es war das Agatha Christie-Stück «Zehn kleine N*lein», er spielte einen dieser zehn und fand Spass am Theatermachen. Als er dort den Regisseur Ueli Bichsel traf und sich mit ihm anfreundete, gab eins das andere. Dany Rhyner sprudelt förmlich über, wenn er erzählt, wie Bichsel und er die Thuner Seespiele ins Leben riefen, dann folgten Tellspiele Interlaken, Madame Bissegger, Theaterproduktionen in Konolfingen, Worb, Thun und Belp: Rhyner wirbelt durch die Theaterlandschaft und hat inzwischen über 80 Produktionen begleitet.

Pumpenvoller Saal und begeisterte Zuschauerinnen

Gern erinnert er sich an das Musical «Rosalie, das Mädchen aus Glas» im Bärensaal Worb. Er gerät ins Schwärmen, «tolle Jazzmusiker, ein grossartiges Symphonieorchester und professionelle Darstellerinnen und Darsteller». Dann kommt ihm «Ladies Night» in den Sinn, ebenfalls im Bärensaal Worb aufgeführt, und er schmunzelt. Das ist eines der sechs Stücke, die er selbst produziert hat – ein Stück mit Männern, die auf der Bühne einen Strip hinlegten: «Der Saal war pumpenvoll, begeisterte Frauen sassen in der vordersten Reihe, während die Männer füdliblutt, nur mit einem grossen schwarzen Hut vor ihrem heiligen Teil, über die Bühne tanzten.»

Dany Rhyner könnte noch stundenlang erzählen, von langen Fahrten ins abgelegene Kuttelbad, von vollen Sitzreihen, weniger vollen Kassen, aber ungetrübter Begeisterung. Seit über dreissig Jahren lebt Rhyner jetzt mit seiner Lebenspartnerin in Worb, nach dem alten Bauernhaus nun in einer modernen Wohnung ohne Gemüsegarten, dafür mit einem Kreativ-Atelier.

 

«Ein unheimlich gutes Team»

Aber ruhigtreten mag er nicht. Im Gegenteil: Er muss jetzt weiter, in Signau zum Rechten schauen. Bald geht es los. Zu den 29 Aufführungen werden insgesamt an die 13’000 Gäste erwartet, viele Tickets sind bereits verkauft. Es lohne sich auch wirklich, schwärmt Rhyner. «Wir sind ein unheimlich gutes Team.» Inzwischen sei eine richtige «Hämeli-Family» entstanden, alle Schauspielerinnen und Schauspieler von «Ueli der Knecht» seien auch bei «Ueli der Pächter» wieder dabei, die Stimmung einfach grossartig.

Und weiter geht's

Dany Rhyner lässt innerlich noch einmal kurz ein paar Erlebnisse in Theater, Familie und Beruf Revue passieren, dann nickt er, packt Handy und Agenda zusammen und steht auf. «So bleibt man jung», sagt er mit einem Augenzwinkern, und macht sich zügig auf den Weg nach Signau.

Dany Rhyner und das Hämeli

Dany Rhyner arbeitet auch nach seiner Pensionierung als freischaffender visueller Gestalter, Bühnenbildner und Fotograf in Worb. Er hatte bei mittlerweile 80 Theaterstücken künstlerische Leitung, Bühnenbild und Bühnenbau, Infrastruktur, Marketing und Backstage.  

 

Letzte Gotthelf-Inszenierung auf dem Hämeli

Diesen Sommer findet auf dem Hämeli die letzte Theateraufführung statt. Seit über 20 Jahren organisiert der Verein Freilichttheater Signau an diesem besonderen Spielort alle zwei Jahre erfolgreiche Gotthelf-Aufführungen samt Märit und Gastronomie, jetzt ist das nicht mehr möglich: Nach dem Tod des Besitzers Ernst Mosimann wird die Hämeli-Liegenschaft von den neuen Besitzern in den kommenden Jahren renoviert. Das Bauernhaus von 1776 samt einer Rauchküche aus Gotthelfs Zeiten und die Emmentaler Hügellandschaft hat die Szenerie auf dem Hämeli hoch über Signau seit 2005 geprägt.

 

Freilichttheater ja, Gotthelf vielleicht

Die Freilichttheater-Tradition, so teilte der Vorstand des Vereins Freilichttheater Signau anfangs Juni mit, soll aber auf jeden Fall weitergehen, insbesondere weil auch auf der nahe gelegenen Moosegg dieses Jahr zum letzten Mal Aufführungen stattfinden. Ob dann noch Gotthelf-Stücke aufgeführt werden, ist noch unklar.

 

Die letzte Gelegenheit

Wer also gerne Gotthelf im Hämeli erleben möchte, hat diesen Sommer noch einmal die Gelegenheit dazu: Nach der Premiere vom 24. Juni finden noch 28 Vorführungen statt, es hat noch wenige freie Plätze.

 


Autor:in
Claudia Weiss, claudia.weiss@bern-ost.ch
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Erstellt: 17.06.2026
Geändert: 17.06.2026
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